Stiftungen und Schulen: Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

Welche Beziehungen haben Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen zu Schulen? Das erforschen die Bildungswissenschaftlerinnen Nina Kolleck und Miri Yermini in einem deutsch-israelischen Projekt, für das sie jetzt den ARCHES-Preis erhalten haben.

Staatssekretär Thomas Rachel übergibt den ARCHES Preis an die Bildungsforscherinnen Nina Kolleck (links) und Miri Yemini. © BMBF

Ob in der Politik oder der Gesellschaft: Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen (NGO) rücken in vielen Bereichen verstärkt in die Öffentlichkeit. Sie tragen zur Meinungsvielfalt bei, machen auf Missstände aufmerksam, leisten in Krisengebieten humanitäre Hilfe oder setzen sich für Entwicklungs-, Umwelt- und Menschenrechtspolitik ein. Doch klar ist auch: Sie haben eigene Interessen. „NGOs und Stiftungen versuchen unter anderem auch, Einstellungen und Meinungen zu beeinflussen, um ihr eigenes Handeln zu legitimieren“, sagt Nina Kolleck, Bildungsforscherin an der Freien Universität Berlin. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Miri Yemini von der Tel Aviv University untersucht sie in einem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt, wie sich Schulen, NGOs und Stiftungen wechselseitig beeinflussen. Denn: „Mit der Meinungsbildung fängt man am besten bei den jungen Generationen an“, so Kolleck. Für ihr Forschungsvorhaben wurden Kolleck und Yemini jetzt mit dem ARCHES-Preis ausgezeichnet, mit dem das Bundesforschungsministerium die deutsch-israelische Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung würdigt.

„Der ARCHES Preis ist ein wichtiger Baustein in der deutsch-israelischen Forschungskooperation“, sagt Forschungsstaatsekretär Thomas Rachel bei der Preisverleihung. „Gemeinsame Forschung baut Brücken und trägt zum gegenseitigen Verständnis bei. Das ausgewählte Projekt ist höchst relevant und aktuell. NGOs rücken weltweit verstärkt in das öffentliche Bewusstsein, auch und gerade bei jungen Akteuren, die sich gesellschaftlich engagieren wollen“, so Rachel.

NGOs nehmen unbemerkt Einfluss

Die Wissenschaftlerinnen wollen herausfinden, wie Schulen und NGOs im israelischen und deutschen Bildungssektor miteinander interagieren und wie sie ihr Handeln gegenseitig beeinflussen. Denn trotz der zunehmenden Bedeutung von NGOs in Schulen ist noch immer wenig über ihr Wirken in Schulen und ihre Beziehungen zu Schulleitungen und Lehrkräften bekannt. „Durch ihren Einfluss in Schulen können NGOs und Stiftungen unbemerkt in die Gesellschaft hineinwirken“, sagt Kolleck. Das müsse nicht per se schlecht sein, doch fehle es insbesondere in Deutschland an Transparenz. „NGOs und Stiftungen müssen nicht offenlegen, von wem sie Geld erhalten. Darüber gibt es kein Gesetz. Sie müssen lediglich dem Finanzamt und im Falle der Stiftungen dem Stiftungsrat gegenüber Rechenschaft ablegen. Diese Informationen unterliegen dann dem Steuergeheimnis. Für Wissenschaft und Öffentlichkeit sind diese Daten nicht zugänglich“, kritisiert die Bildungsforscherin. Ein Schwerpunkt des Projektes ist es daher, die Motive, Ziele und Strategien aller Personen zu untersuchen, die an den Interaktionen teilnehmen.

ARCHES-PREIS

In diesem Jahr wurde das deutsch-israelische Projekt „The „start of a beautiful friendship?“ - Comparative study of German and Israeli school NGO interactions across different socio-economic strata” aus dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften für den „Award for Research Cooperation and Highest Excellence in Science” ausgewählt. Bereits zum 10. Mal wurde die Auszeichnung an ein deutsch-israelisches Nachwuchsforscherteam vergeben. Der pro Team mit 200.000 Euro dotierte Preis des Bundesforschungsministeriums wird von der „Minerva Stiftung Gesellschaft für die Forschung mbH“ administriert. Die Minerva-Stiftung ist eine Tochtergesellschaft der Max-Planck-Gesellschaft und fördert die deutsch-israelische Wissenschaftszusammenarbeit. Die Gründung der Minerva Stiftung im Jahr 1959 markiert den Beginn der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Israel.