Systemmedizin – Wechselwirkungen erkennen und verstehen

Ein ausgewogenes Zusammenspiel vielfältiger Kräfte innerhalb und außerhalb des menschlichen Körpers entscheidet, ob wir gesund bleiben oder krank werden. Die Systemmedizin will diese Zusammenhänge verstehen und sinnvoll nutzen.

Klinische Forscherinnen und Forscher arbeiten im Labor und am Krankenbett. © DLR Projektträger / BMBF

Eine Fehlsteuerung im feinen Zusammenspiel der Organe und Zellen kann zu Krebs, Diabetes oder Herzinfarkt führen. Die modernen Lebenswissenschaften verstehen dieses komplexe Zusammenspiel immer besser. Die Medizin kann dieses Wissen nutzen, um Krankheiten früher zu erkennen und besser zu behandeln. So kann dank neuester Untersuchungsmethoden in kürzester Zeit die gesamte Erbinformation von Lungenkrebsgewebe untersucht werden. Mit diesen Ergebnissen kann Lungenkrebs deshalb heutzutage mit passgenauen Therapien behandelt werden.

Gemeinsam für ein Ziel - Systemmedizin verbindet Wissenschaften

Die Herausforderung bleibt, ähnliche Erfolge bei anderen Erkrankungen zu erzielen. Die Systemmedizin liefert hierfür die Werkzeuge. Modernste Untersuchungsmethoden im Großmaßstab helfen, die Gesamtheit der Wechselwirkungen zu überblicken und verstehen zu können. Dabei spielt die elektronische Prozessierung, also die computergestützte Analyse, Integration und Archivierung der Daten eine wichtige Rolle. Die Systemmedizin greift hierzu die Methodik und Ergebnisse der Systembiologie auf. Im Wechsel von Laborversuch und Modellierung am Computer werden biologische Vorgänge mathematisch beschrieben. So können Modelle und Simulationen entwickelt werden. Dies ermöglicht Vorhersagen über komplexe biologische Prozesse in Zellen, Organen oder gesamten Organismen. Die Systemmedizin verbindet diese systemorientierten Informationen mit klinischen Patientendaten. Sie bietet damit ein erhebliches Potential für die individualisierte Medizin und gilt daher auch als Schlüssel zu unserer Vorstellung einer modernen Medizin.

Forschungsförderung auf breiter Basis

Das Bundesforschungsministerium fördert diesen modernen Ansatz im Forschungs- und Förderkonzept „e:Med – Maßnahmen zur Etablierung der Systemmedizin“. Das e:Med-Konzept gliedert sich in verschiedene Module. Die zentrale Maßnahme ist das Modul „Forschungskonsortien zur Systemmedizin“, in denen krankheitsbezogene Fragestellungen fachübergreifend mit systemmedizinischen Methoden bearbeitet werden. Mit den "Demonstratoren zur Individualisierten Medizin" werden Pilotprojekte gefördert, die den direkten Nutzen von in der lebenswissenschaftlichen Forschung gewonnenen Datensätzen und mathematischen Modellen für die individualisierte Prävention, Diagnose und Therapie von Krankheiten zeigen sollen. Ihre Ergebnisse können die medizinische Versorgung unmittelbar verbessern. Nachwuchsförderung, Zukunfts- und Querschnittsthemen und die Internationalisierung runden das Forschungskonzept ab.