Tag der Talente 2015

Grußwort der Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Frau Cornelia Quennet-Thielen, am 21. September 2015 in Berlin

Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, spricht auf der Abschlussveranstaltung vom Tag der Talente 2015
Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im BMBF, spricht auf der Abschlussveranstaltung vom Tag der Talente 2015 © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Liebe junge Talente,

meine sehr verehrten Damen und Herren!

Jeder Mensch hat Stärken und Begabungen – etwas, was er besonders gut kann.

291 Talente sind zum diesjährigen „Tag der Talente“ nach Berlin gekommen. Das sind 291 Talente die es so nur ein einziges Mal gibt. Mit Ihren Talenten haben Sie die Jurys der 27 bundesweiten Schüler- und Jugendwettbewerben überzeugt. Sie sind mit  Ihren musikalischen, mathematischen, sprachlichen, historischen, technischen und tänzerischen Leistungen ganz einfach die besten. Dazu gratuliere ich Ihnen sehr herzlich, auch im Namen der Bildungs- und Forschungsministerin Prof. Johanna Wanka, die leider heute nicht hier sein kann.

Ich bin beeindruckt: Ihre Themen sind vielfältig und originell. Die einen untersuchen den Einfluss der Schwerkraft auf die Entstehung von Planeten, andere schaffen poetische Bilder für einen Märchenfilm oder tüfteln an einem nachhaltigen Dämmstoff aus Eierschalen, einige spielen virtuos auf ihrem Instrument, andere können meisterhaft mit Sprache umgehen.

Talent zu haben ist eine wertvolle Gabe. In der Antike hatte Talent beträchtlichen Wert: In Griechenland konnte man damals für ein Talent sogar ein ganzes Segelschiff kaufen. Talent bezeichnete ein damals weit verbreitetes Gewichtsmaß und entspricht in etwa der Traglast eines Mannes. Aufgewogen in Silber wurde das Talent als Währung benutzt. Das können und wollen wir Ihnen heute nicht bieten!

Aber eines hat sich nicht verändert: Mit einem Talent lässt sich viel machen.

Als Begabung ist es Geschenk, Leistung und Verantwortung.

Geschenk, weil wir unsere Begabungen in uns tragen.
Leistung, weil Talente nur zur vollen Entfaltung kommen, wenn wir sie entwickeln.
Verantwortung, weil sich Solidarität, Gemeinsinn und Innovationskraft nie von selbst ergeben. Wir brauchen die Besten, um sie zu bewahren und zu stärken. Das gilt immer, aber es gilt in diesen Tagen in besonderem Maße. Gemeinsam stehen wir vor der Herausforderung, hunderttausende Flüchtlinge zu integrieren. Gemeinsam können wir dies schaffen.

I.

Dabei ist gerade die Vielfalt der Begabungen entscheidend. Ich bin beeindruckt von Ihrer Neugierde und Zielstrebigkeit, von Ihrer Ausdauer und Kreativität und natürlich von Ihrem Erfindungsreichtum. Das gilt zum Beispiel für die einfühlsame Gestaltung mit berührenden Bildern im Kinderbuch über eine Flucht aus Syrien nach Europa, die beim Europäischen Wettbewerb erfolgreich war. Das gilt aber auch für die Erfindung eines intelligenten Belüftungssystems, das die Jury von „Invent a Chip“ ausgewählt hat.

Wir wollen Ihre Talente würdigen. Deshalb haben wir zum zehnten Mal zum „Tag der Talente“ eingeladen. Auch wir nehmen damit Verantwortung wahr. Denn wir wissen: Die Förderung von begabten jungen Menschen gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Bildungspolitik.

Die Förderung kluger, kreativer und engagierter  junger Menschen ist ein wichtiger Beitrag zur wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Zukunft unseres Landes – eine echte Zukunftsinvestition, die der gesamten Gesellschaft nützt.

II.

Eine Gesellschaft ist nur in dem Maße entwicklungsfähig, wie sie den Menschen gute und weitläufige Bildung ermöglicht – ihnen Chancen bietet, Hindernisse beseitigt, und gezielt Talente fördert. Nur wenn wir darin gut, ja sehr gut sind, wird es uns gelingen, Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und Zusammenhalt in unserem Land zu erhalten.

Natürlich geht es nicht nur um den gesellschaftlichen Nutzen! Jeder und jede hat ein Recht auf Bildung. Jeder und jede muss die Möglichkeit haben, die eigenen Potenziale zu entfalten und dabei entsprechend gefördert zu werden. Das ist ein zentrales Ziel unserer Bildungspolitik im Bund wie in den Ländern.

Über die Rolle des Bundes dabei reden wir zurzeit mit den Ländern.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist es auch unsere Aufgabe, bei den vielen Kindern und jungen Leuten, die derzeit nach Deutschland kommen und eine dauerhafte Bleibeperspektive haben, Begabungen zu entdecken und zu fördern. Denn wenn Sprache die Grundlage erfolgreicher Integration ist, dann ist Bildung der Schlüssel.

Wir haben dafür gesorgt, dass Asylbewerber künftig schneller BAföG-Leistungen beziehen können. Jugendliche mit Migrationshintergrund fördern wir zum Beispiel mit der Vorbilderakademie. Vorbilder, die in unterschiedlichen Berufen erfolgreich sind und ebenfalls Migrationshintergrund haben, ermutigen die Jugendlichen bei diesem Angebot, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.

III.

Der Bund engagiert sich vielfältig in der Begabtenförderung. Die Jugend- und Schülerwettbewerbe, die wir gemeinsam mit den Ländern fördern, und an denen viele von Ihnen teilgenommen haben, nehmen dabei einen wichtigen Platz ein. Die Wettbewerbe tragen dazu bei, frühzeitig das Interesse an bestimmten Fachrichtungen zu wecken, Talente zu finden, besondere Fähigkeiten auszubauen und die Persönlichkeit von jungen Leuten zu entwickeln.

Damit die Wettbewerbe so erfolgreich sein können, engagieren sich Viele – vor allem Lehrerinnen und Lehrer. Ihnen gilt mein ganz besonderer Dank.

„Ganz leer lässt der liebe Gott keinen ausgehn; die Eltern und Erzieher müssen nur ausfindig machen, wo die Spezialbegabungen liegen“, hat der Schriftsteller Theodor Fontane einmal gesagt.

Das ist, wie wir alle wissen, häufig leichter gesagt als getan: Auch im Schüchternen, im Verschlossenen, auch in dem, der erst einmal schlechte Noten schreibt, können unentdeckte besondere Begabungen verborgen sein.

Ich freue mich immer, wenn mir jemand erzählt, wie dankbar er oder sie ihren Eltern ist, die sie voll unterstützt haben, obwohl sie selbst keine sehr gute Bildung und Ausbildung genossen haben.

Und ich freue mich immer, wenn jemand erzählt, wie dankbar er oder sie einem Lehrer oder einer Lehrerin ist, weil sie die einzige war, die an ihn geglaubt hat. Begabung benötigt Achtsamkeit und zuweilen das Überwinden von Vorurteilen. Ich wünsche uns allen, dass uns das gelingt. Ein tolles Beispiel für den Schub, den die Unterstützung durch Lehrer, Eltern und andere Wegbegleiter und die Teilnahme an einem Wettbewerb einer Biografie geben können, werden wir heute noch kennenlernen:

Daniel Gurdan, der heutige Festredner, hat sage und schreibe siebenmal bei Jugend forscht teilgenommen und zweimal einen Bundessieg errungen. Wie er aus seinen Ideen eine erfolgreiche Firma gründete, wird er uns gleich berichten.

In den vergangenen Jahren hat die Bundesregierung gezielt die Unterstützung begabter und leistungsstarker Studierender massiv ausgebaut. Wir haben eine gesellschaftliche Stipendienkultur in Deutschland etabliert.

Das Deutschlandstipendium steht allen Studierenden offen – unabhängig von ihrer Herkunft und Staatsangehörigkeit. Ich freue mich, dass wir hier beispielsweise auch eine junge Frau fördern, die vor drei Jahren aus Syrien geflohen ist und jetzt Meisterschülerin an der Musikhochschule Weimar ist.

Insgesamt erhalten über 50.000 Studierende ein Stipendium aus Bundesmitteln. Auf dem Markt der Möglichkeiten hatten Sie, liebe junge Talente, am Samstag die Gelegenheit, die Begabtenförderungswerke und das Deutschlandstipendium kennen zu lernen. Ich möchte alle, die demnächst ein Studium aufnehmen werden oder es schon aufgenommen haben, ausdrücklich dazu ermutigen, sich um ein Stipendium zu bewerben. Es bedeutet nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch vielfache ideelle Förderung. Man ist Teil einer Gemeinschaft. Ich durfte selbst davon profitieren und bin bis heute dankbar dafür.

IV.

Einige von Ihnen haben sich bei den Workshops auch konkrete Gedanken über unsere Zukunft und unser Zusammenleben gemacht. Das aktuelle Wissenschaftsjahr ist der „Zukunftsstadt“ gewidmet. Die Stadt ist der Lebensraum der Zukunft. Das gilt nicht nur für die Mega-Metropolen.

Auch in Deutschland leben heute schon drei Viertel der Menschen in Städten – und es werden immer mehr. Doch es ist gar nicht so einfach, die Weichen heute so zu stellen, dass wir uns in den Städten auch künftig wohlfühlen.

Wir alle wollen eine saubere Umwelt, ein funktionierendes Verkehrssystem, sichere und bezahlbare Energie sowie ein gutes soziales Miteinander. Doch wie gelingt es uns, alle diese Bedürfnisse und Ideen unter einen Hut zu bringen? Dazu sind auch Ihre Ideen gefragt. Einige Ideen haben Sie ja schon entwickelt. Lassen Sie sich auch weiterhin von dieser Aufgabe begeistern!.

In 52 ausgewählten Städten in Deutschland finden Bürgerdialoge statt, bei denen über die Zukunft der Städte gesprochen wird. Vielleicht ist das auch für Sie eine Gelegenheit, sich bei der Frage, wie wir in Zukunft leben wollen, einzubringen.

V.

Um die Zukunftsstadt zu gestalten, zu bauen und mit Leben zu erfüllen, braucht es ganz unterschiedliche Talente – Naturwissenschaftler und Ingenieure, Künstler und Planer. Der Austausch der Disziplinen, wie wir ihn auch hier beim „Tag der Talente“ pflegen, führt oft zu den interessantesten Ergebnissen. Dialog und Austausch sind der Schlüssel für tragfähige Entscheidungen.

Suchen Sie das Gespräch mit den Menschen um Sie herum, lassen Sie unterschiedliche Perspektiven und Meinungen auf sich wirken. So können die vielen guten Ideen für unsere Gesellschaft produktiv umgesetzt werden.

Der Austausch beim „Tag der Talente“ möge Sie beflügeln. Und wenn er vorüber ist: Gehen Sie Ihren Weg weiter, ergreifen Sie Ihre Chancen! Mischen Sie sich ein und übernehmen Sie Verantwortung – für sich und für andere. Ich wünsche Ihnen alles Gute!

Vielen Dank.