Tiefseebergbau: Die Meere als Rohstoffquelle?

Mangan, Eisen und Kobalt – Die Rohstoffe in den Meeren werden immer interessanter. Aber wie können sie erschlossen werden, ohne die Umwelt durch den Bergbau in der Tiefsee zu belasten? Das Forschungsschiff "Sonne" macht dazu umfangreiche Studien.

Schätze am Meeresgrund: Manganknollen. © Alfred-Wegener-Institut/ Sabine Kasten

Der Bedarf an Rohstoffen in unserer technologieorientierten Gesellschaft steigt ständig. So werden die Seltenen Erden heute in vielen Schlüsseltechnologien benötigt, etwa bei der Produktion von Mobiltelefonen oder Halbleitern. Die terrestrischen Ressourcen sind begrenzt – darum werden die Lagerstätten in der Tiefsee immer interessanter.

Kobaltreiche Mangankrusten

Die für einen Tiefseebergbau interessanten Rohstofftypen findet man in Manganknollen (polymetallische Knollen), kobaltreichen Eisen- und Mangankrusten, Massivsulfiden sowie Erzschlämmen. Die Manganknollen sind vor allem wegen ihrer vergleichsweise hohen Gehalte an Kupfer, Nickel und Kobalt wirtschaftlich interessant. Bei den Massivsulfiden spielen neben den Buntmetallen (Kupfer, Zink und Blei) besonders die Edelmetalle Gold und Silber sowie Spurenmetalle wie Indium, Tellur, Germanium, Wismut, Kobalt und Selen eine Rolle.

Mit einem Tauchroboter wird der Meeresgrund untersucht. © © JAGO-Team; Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR). Contact: presse@geomar.de; +49(0)431/600-2802

Ozeanische Lebensräume

Die genauen Auswirkungen des Tiefseebergbaus auf die Ökosysteme auf dem Meeresboden und in der Wassersäule sind noch weitgehend unbekannt. Um diese Auswirkungen genauer zu untersuchen und fundierte Aussagen darüber zu treffen, welche tatsächlichen Konsequenzen sich aus dem Tiefseebergbau für ozeanische Lebensräume ergeben, fördert das Bundesforschungsministerium (BMBF) eine internationale Pilotmaßnahme. Zusammen mit Wissenschaftlerteams aus 12 weiteren europäischen Ländern macht das Forschungsschiff "Sonne" umfangreiche Studien zu möglichen Umweltauswirkungen des Tiefseebergbaus.

Internationale Meeresbodenbehörde

Die Forschungsergebnisse sollen dazu beitragen, hohe internationale Standards für einen umweltverträglichen, nachhaltigen und entwicklungspolitisch gerechten Tiefseebergbau zu setzen. Sie bilden damit die wissenschaftliche Grundlage für den sogenannten „Mining Code“ der Internationalen Meeresbodenbehörde (IMB), die die Prospektion, Exploration und den zukünftigen Abbau mariner mineralischer Ressourcen regelt. Die Behörde hat bisher Regularien für die Prospektion und Exploration der Rohstoffvorkommen verabschiedet, nicht jedoch für den Abbau selbst. Die Arbeiten in den Gremien der IMB dazu beginnen gerade. Es geht darum, wie die marinen Ressourcen ökologische verantwortlich erschlossen werden können.

Die Ergebnisse des vorliegenden Projektes werden hierzu einen signifikanten Beitrag liefern. Insgesamt werden die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von ihren jeweiligen Ländern mit insgesamt über 6 Millionen Euro unterstützt.