Tuberkulose bei Kindern schnell und sicher erkennen

Jedes Jahr erkranken fast neun Millionen Menschen an Tuberkulose - viele davon sind Kinder. Die meisten leben in Afrika. Forschern ist es nun gelungen, einen neuen Bluttest zu entwickeln. Er könnte die Diagnose deutlich verbessern.

Lungentuberkulose
Lungentuberkulose © Thinkstock / camij

Husten, eine leicht erhöhte Körpertemperatur und nächtliches Schwitzen – die ersten Krankheitszeichen der früher als Schwindsucht bezeichneten Tuberkulose sind besonders bei Kindern meist wenig spezifisch. Um schnell Gewissheit zu haben, muss ein diagnostischer Test gemacht werden. „Doch gerade bei Kindern ist die Diagnose nach wie vor problematisch“, sagt der Infektionsforscher Christof Geldmacher. Das könnte sich zukünftig ändern. In Zusammenarbeit mit dem Mbeya Medical Research Center in Afrika hat ein Forschungsteam um Geldmacher einen neuen Test entwickelt: den TAM-TB Test. Dass der Test zuverlässige Ergebnisse zur Diagnose bei Kindern liefert, konnte in einer in Tansania durchgeführten Studie nachgewiesen werden, die von der europäisch-afrikanischen Initiative „European Developing Clinical Trials Partnership“ (EDCTP) gefördert wurde.

Das Ergebnis: Der TAM-TB Test kann eine aktive Tuberkulose hochspezifisch und innerhalb von weniger als 24 Stunden detektieren. Geldmacher, der am Tropeninstitut des Klinikums der Ludwig-Maximilians Universität München arbeitet und Mitglied im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung ist, stimmt das zuversichtlich: „Als fertiges Produkt könnte der TAM-TB Test in Zukunft die schnelle und spezifische Diagnose von Tuberkulose besonders bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen entscheidend verbessern.“

Ein paar Tropfen Blut genügen

Der neue Test hat viele Vorteile. Er kann bei Kindern eine Tuberkulose schneller und genauer als bisherige Testverfahren erkennen. Ein Beispiel: Dauerte der Test, der in der Studie als Vergleichsstandard untersucht wurde, noch mehrere Wochen, so liegt bei dem neuen Test das Ergebnis bereits nach 24 Stunden vor. Zudem wird für den Test kein Bronchialsekret benötigt. Ein paar Tropfen Blut genügen. „Um Tuberkulose bei Kindern zu diagnostizieren, sollte ein Test optimaler Weise ohne Bronchialsekret funktionieren. Denn erfahrungsgemäß haben gerade kleine Kinder Probleme, Sekret auszuhusten“, erklärt Geldmacher.

Aktive oder latente Tuberkulose? Neuer Test erkennt den Unterschied

Doch es gibt noch eine weitere Herausforderung, die ein neuer Tuberkulose-Test erfüllen sollte: „Der Test sollte schnell und zuverlässig anzeigen, ob eine aktive Form der Erkrankung vorliegt. Denn nur diese ist gefährlich und ansteckend“, betont Geldmacher. Bisherige immundiagnostische Tests können nämlich nicht zwischen einer aktiven Infektion, auch offene Tuberkulose genannt, und einer latenten, nicht ansteckenden und damit nicht behandlungsbedürftigen Tuberkulose unterscheiden. Die Folge sind Fehldiagnosen und unnötige Behandlungen. „Unser Test hingegen erkennt den Unterschied“, so Geldmacher.

Kindern unnötige Therapie ersparen

Der TAM-TB Test hat eine Sensitivität von mehr als 83 Prozent und eine Spezifität von fast 97 Prozent. Die Sensitivität eines diagnostischen Testverfahrens gibt an, bei wieviel Prozent der erkrankten Patientinnen und Patienten die Krankheit tatsächlich erkannt wird. Die Spezifität gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass Gesunde auch tatsächlich als gesund erkannt werden. „Vor allem die Spezifität ist beim TAM-TB Test im Vergleich zu den bisherigen Bluttests entscheidend verbessert“, sagt Geldmacher. „Das heißt, wir erkennen jetzt viel präziser, welche Kinder keine aktive Tuberkulose haben. Diesen Kindern können wir eine unnötige sechsmonatige Therapie ersparen. Zum Vergleich: Bisherige immundiagnostische Tests haben lediglich eine Spezifität von etwa 76 Prozent. Das heißt, mit diesen Tests werden knapp ein Viertel der Kinder ohne aktive Tuberkulose trotzdem als positiv getestet.“

Derzeit versuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Geldmacher, die Methodik so zu vereinfachen, dass sie auch in nicht auf Tuberkulose spezialisierten Gesundheitszentren durchgeführt werden kann. In Zusammenarbeit mit Firmen versucht das internationale Forschungsteam zudem, in den nächsten Jahren ein marktreifes Produkt zu entwickeln.


Gemeinsam gegen Infektionskrankheiten in Afrika – die EDCTP-Initiative

Die EDCTP-Initiative (European and Developing Countries Clinical Trials Partnership) widmet sich der Bekämpfung armutsassoziierter, vernachlässigter Infektionskrankheiten. Besonders im Fokus stehen AIDS/HIV, Malaria und Tuberkulose in den Subsahara-Staaten Afrikas. Schwerpunkte sind klinische Studien sowie die Vernetzung deutscher Forscherinnen und Forscher mit europäischen und afrikanischen Partnern. Zur Verbesserung der Gesundheit in Afrika und anderen Ländern der Welt investiert die Bundesregierung im Rahmen der Initiative 110 Millionen Euro in einem Zeitraum von zehn Jahren. Insgesamt stellen die Europäische Kommission, die Mitgliedstaaten, Stiftungen und die afrikanischen Partnerländer mehr als 1,9 Milliarden Euro bereit.