Tuberkulose: Medikament gegen resistente Erreger in Sicht?

Tuberkulose ist die tödlichste Infektionskrankheit der Welt – und die Bedrohung nimmt durch Resistenzen weiter zu. Das BMBF verdoppelt daher die Förderung der „TB Alliance“, einer gemeinnützigen Organisation, die Tuberkulose-Medikamente entwickelt.

Seit 2016 unterstützt das Bundesforschungsministerium die Arbeit der TB Alliance mit 10 Millionen Euro im Jahr. Diese Förderung wird jetzt verdoppelt. © BMBF

Weltweit erkranken jährlich mehr als zehn Millionen Menschen an Tuberkulose (TB) – etwa 1,4 Millionen Menschen sterben an den Folgen. Das ist mehr als an jeder anderen Infektionskrankheit. In Zukunft könnte sich das Problem noch verschärfen: Denn weltweit steigen die Infektionen mit Tuberkulose-Erregern, gegen die weder herkömmliche Antibiotika noch Reserve-Antibiotika helfen. Dementsprechend dringend ist die Entwicklung besserer, schneller wirksamer und kostengünstiger Medikamente gegen TB. Doch für Unternehmen gibt es kaum Anreize, Geld in Forschung und Entwicklung zu investieren. Denn der Markt ist nicht lukrativ: 98 Prozent der TB-Infektionen treffen Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Konsequenz: Bis zur Jahrtausendwende wurden weltweit fast keine neuen Tuberkulose-Medikamente entwickelt.

Daher hat sich im Jahr 2000 die gemeinnützige Organisation „Global Alliance for TB Drug Development“ (TB Alliance) der Aufgabe angenommen. Seitdem hat sich die Situation grundlegend geändert: Bereits 2012 konnte erstmals seit 40 Jahren ein Medikament mit neuem Wirkungsmechanismus zugelassen werden. Eine weitere Errungenschaft der TB Alliance ist eine spezielle TB-Kombinationstherapie für Kinder, die bislang in über 60 Ländern für rund 400.000 Behandlungszyklen eingesetzt wurde. Gegenwärtig koordiniert die „TB Alliance“ die historisch größte TB-Medikamenten-Entwicklung mit über 20 Wirkstoffkandidaten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, darunter Kombinationen aus mehreren Medikamenten, die sich in der Endphase der klinischen Entwicklung befinden.

Seit 2016 unterstützt das Bundesforschungsministerium die Arbeit der TB Alliance mit 10 Millionen Euro. Diese Summe wurde jetzt auf 20 Millionen Euro verdoppelt – insbesondere, um Zulassungsstudien für die Registrierung einer Vierfach-Kombinationstherapie zu beschleunigen. „Wir testen derzeit eine vielversprechende Behandlungsmethode gegen extrem resistente Tuberkulose-Erreger“, sagt Mel Spigelman, Präsident und CEO von TB Alliance. Bei einem Erfolg wäre das Potenzial dieser Therapie enorm: „Wir haben jetzt die Möglichkeit einer einzelnen TB-Therapie in Sichtweite, mit der praktisch alle Patienten mit aktiver TB mit einer relativ einfachen und kostengünstigen Therapie behandelt werden können“, erklärt Spigelman.