Mit kleinsten Teilchen gegen den Krebs

Ein Protonenstrahl gegen Krebs – der Durchbruch in der Forschung? Bei „OncoRay“ in Dresden arbeiten Wissenschaftler daran, die Behandlung von Krebs mit einer Strahlentherapie zu verbessern. Bundesministerin Johanna Wanka hat das Zentrum besucht.

Mikroskopische Untersuchung eines Hirntumors: Bundesministerin Johanna Wanka bei "OncoRay" in Dresden. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Hinter sechs Meter dicken Wänden aus Stahlbeton steht das Herzstück des Dresdner Zentrums für Strahlenforschung: die Protonenanlage. Der 700 Tonnen schwere Teilchenbeschleuniger bestrahlt den Tumor millimetergenau. Wie ein scharfes Skalpell schneiden sich die Protonen für 30 Sekunden durch das bösartige Gewebe – so präzise, dass dabei gesunde Zellen verschont bleiben.

Die Geschwindigkeit des Protonenstrahls beträgt 180.000 Kilometer pro Sekunde – 60 Prozent der Lichtgeschwindigkeit.

Am Dresdner Zentrum für Innovationskompetenz für Medizinische Strahlenforschung in der Onkologie, kurz "OncoRay", arbeiten rund 80 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Weiterentwicklung dieser besonders schonenden und trotzdem effektiven Protonentherapie gegen Krebs. Seit Inbetriebnahme der gigantischen Protonenmaschine konnten bereits etwa 200 Patienten behandelt werden. Einen Einblick in die Arbeit mit dieser hochkomplexen Technik konnten die Wissenschaftler Bundesministerin Johanna Wanka während ihres Besuchs bei "OncoRay" geben.

Wie wirksam die innovative Therapie ist, belegen erste Erfolge: „Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Protonentherapie im Vergleich mit der konventionellen Bestrahlung sehr gut verträglich ist. Zudem konnten wir aufgrund der positiven Eigenschaften von Protonen auch einzelnen Patienten eine Therapie anbieten, bei denen eine herkömmliche Strahlenbehandlung nicht möglich gewesen wäre“, berichtet der Krebsmediziner Michael Baumann, Direktor von "OncoRay".

Johanna Wanka vor der Protonenanlage. 20 Patienten können täglich behandelt werden. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Mit Förderung des Bundesforschungsministeriums

Das OncoRay-Zentrum wird seit dem Jahr 2004 als eines von 14 "Zentren für Innovationskompetenz: Exzellenz schaffen – Talente sichern" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit bisher 37 Millionen Euro gefördert. Seit dem Jahr 2010 bildet OncoRay im Verbund mit dem Heidelberger Institut für Radioonkologie das "Nationale Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie Dresden/Heidelberg". Es ist zudem ein wesentlicher Partner des Standorts Dresden im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) – eines der Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Darüber hinaus ist OncoRay ein wichtiger Partner des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg. Das NCT ist das führende onkologische Zentrum in Deutschland und baut derzeit mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriums einen neuen Standort in Dresden auf.

Bessere Heilungschancen durch innovative Therapien

Krebsforschung ist wichtiger denn je: Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr rund eine halbe Million Menschen an Krebs. Damit gehört Krebs zu den Volkskrankheiten. Man geht davon aus, dass etwa jeder zehnte Krebspatient mit einer Protonenbestrahlung effektiver behandelt werden kann als mit einer herkömmlichen Bestrahlung. Diese Patienten leiden an Tumoren, die tief im Körper liegen, extrem widerstandsfähig sind oder von hoch strahlenempfindlichem, gesundem Gewebe umschlossen werden – beispielsweise Tumoren des Gehirns und der Schädelbasis oder Tumoren in der Nähe des Rückenmarks.

Die Heilungschancen bei Krebs haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert, auch dank der Erfolge, die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in Deutschland in der Krebsforschung erzielen: Neue Therapieansätze wie die Immuntherapie und bereits etablierte Behandlungen wie die Strahlentherapie können immer individueller auf Patienten zugeschnitten werden. "OncoRay" in Dresden leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Wie werden wir wohnen, was werden wir essen und wie bleiben wir gesund? Mit ihrer Sommerreise widmet sich Bundesforschungsministerin Johanna Wanka der Zukunft des Lebens im Alter. Im Juli und August 2016 besucht sie zehn Standorte in ganz Deutschland, darunter sind Forschungseinrichtungen, Wohnungsgesellschaften und Beratungsstellen.