Überbetriebliche Berufsbildungsstätten

Überbetriebliche Berufsbildungsstätten übernehmen Ausbildungsinhalte, die in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nicht oder nicht vollständig abgedeckt werden können - gefördert vom Bundesbildungsministerium.

Auszubildende der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in einer ÜBS. © Thinkstock

In der dualen Ausbildung gibt es neben den Betrieben und den Berufsschulen einen weiteren Lernort: die überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS). Sie ergänzen die betriebliche Ausbildung durch praxisnahe Lehrgänge.

Neue Technologien anwenden

Überbetriebliche Berufsbildungsstätten vermitteln Auszubildenden, wie sie neueste Technologien und Standards anwenden. Sie benöti-gen dazu Gebäude und Ausstattung auf dem neuesten Stand der Technik sowie moderne Ausbildungskonzepte. Hierfür bietet das Bundesbildungsministerium finanzielle Unterstützung.

Daneben bieten sie zum Beispiel Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler in ihren Werkstätten sowie Fort- und Weiterbildungskurse. Bundesweit bestehen rund tausend ÜBS, die vor allem von den Kammern und ihren Organisationen, wie Innungen oder Kreishandwerkerschaften, betrieben werden.

Für kleine und mittlere Unternehmen

Die ÜBS übernehmen Ausbildungsinhalte, die in spezialisierten bzw. kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nicht oder nicht vollständig abgedeckt werden können. Damit können auch bislang noch nicht ausbildende KMU Ausbildungsplätze anbieten. Um eine moderne und zukunftsfähige Ausbildung zu gewährleisten, müssen die ÜBS auf dem aktuellen Stand der technologischen Entwicklungen sein.

Gebäude und Ausstattung modernisieren

Die rasante technische und wirtschaftliche Entwicklung erfordert eine fortlaufende Modernisierung der ÜBS. Für eine Ausbildung der Fachkräfte auf hohem Niveau müssen die ÜBS ihre Funktionstüchtigkeit erhalten und sich stets an die technologischen und berufspädagogischen Anforderungen anpassen.

Bund und Länder unterstützen die ÜBS dabei, ihre Gebäude und Ausstattung zu modernisieren. Bauliche Maßnahmen bis hin zu Neubauten tragen dazu bei, das Angebot an überbetrieblicher Ausbildung bedarfsgerecht zu erhalten. Der Einsatz moderner Maschinen, Werkzeuge und Medien ermöglicht eine Ausbildung auf dem aktuellen Stand der Technik.

Weiterentwicklung zu Kompetenzzentren

Geeignete ÜBS werden für ihre Weiterentwicklung zu Kompetenzzentren gefördert. Sie entwickeln zudem Leitprojekte, Transferstrategien und Qualifizierungskonzepte. Die Kompetenzzentren bilden insgesamt ein flächendeckendes Netz von zeitgemäßen, nachfrageorientierten Bildungsdienstleistern, das für den Transfer neuer Technologien und Erkenntnisse aus Forschung und Entwicklung sorgt.

Bundesweit wurden durch die Förderung des BMBF bisher bereits 33 Kompetenzzentren mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten angestoßen. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung und Qualitätsverbesserung vor allem der überbetrieblichen Ausbildung.

Sonderprogramm Digitalisierung

Um die duale Ausbildung bedarfsgerecht auf die Erfordernisse einer zunehmend digitalisierten und vernetzten Wirtschaft auszurichten, bündelt das BMBF verschiedene Maßnahmen unter dem Dach einer „Berufsbildung 4.0“.

3D-Drucker und Smartboards

Gefördert wird die digitale Ausstattung für die überbetriebliche Ausbildung. Es kann sich dabei um 3D-Drucker, digital vernetzte Elektrofahrzeuge, Industrieroboter oder aber auch Tablets und Smartboards handeln. Die Eigenbeteiligung des Antragstellers liegt bei 10 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Eine Länderbeteiligung ist nicht erforderlich.

Eine Kernmaßnahme bildet das Sonderprogramm „ÜBS-Digitalisierung“. Es zielt darauf, die Digitalisierung in der Fachkräfteausbildung zu beschleunigen. ÜBS sind prädestinierte Lernorte, um technische Neuerungen aus der Digitalisierung in die Ausbildung der Fachkräfte zu integrieren. Dazu müssen sie sich den technologischen Herausforderungen anpassen. Dies gilt sowohl für ihre Ausstattung als auch für die Lehr- und Lernmethoden.

Die ÜBS können mit der finanziellen Unterstützung des BMBF digitale Ausstattung für die Ausbildung anschaffen. Gefördert werden zudem acht Kompetenzzentren in einem gemeinsamen Netzwerk, die innovative digitale Ausbildungskonzepte entwickeln, erproben und verbreiten.

Förderung

Die ÜBS werden gefördert vom Bundesbildungsministerium und auch vom Bundeswirtschaftsministerium. Rechtliche Grundlage sind die im Jahr 2009 veröffentlichten und 2015 aktualisierten „Gemeinsamen Richtlinien zur Förderung überbetrieblicher Berufsbildungsstätten und ihrer Weiterentwicklung zu Kompetenzzentren".

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) übernimmt im Auftrag des Bundesbildungsministeriums die Förderung beim Schwerpunkt Berufsausbildung. Bei Fort- und Weiterbildung fördert das Bundeswirtschaftsministerium über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die Unterstützung für die ÜBS ist auf Dauer angelegt und im Berufsbildungsgesetz (BBiG) verankert.

Gefördert werden die Träger von ÜBS. Das sind in der Regel Handwerkskammern und ihre Organisationen sowie Industrie- oder auch Landwirtschaftskammern.