Übergabe des Amtes des HGF-Präsidenten von Herrn Prof. Dr. Jürgen Mlynek an Herrn Prof. Dr. Otmar Wiestler

Grußwort der Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka in Berlin

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka während ihrer Rede
Bundesforschungsministerin Johanna Wanka während ihrer Rede © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Er sei ein „Voranmacher“, ein „gewiefter Manager“, sei „machtbewusst“ und habe „politisches Geschick“. Ich habe nur eine kleine Auswahl von Attributen genommen, mit denen in den vergangenen Jahren in Zeitungen und Magazinen ein Mann beschrieben und charakterisiert wurde, der heute auch unter uns ist.

„Voranmacher“, „Manager“ – ich denke, hier und heute dürfte jedem bewusst sein, von wem die Rede ist:

Sie, lieber Herr Professor Mlynek, haben in den vergangenen zehn Jahren mit kraftvollem Schwung dem deutschen Wissenschaftssystem weitreichende Impulse gegeben und wichtige Akzente gesetzt. Sie haben, wie es Ihre Aufgabe als Präsident war, die Helmholtz-Gemeinschaft intensiv gestaltet. Sie haben die solitären Großforschungszentren zu einer Gemeinschaft geformt und die Programmorientierte Förderung – ein klares Alleinstellungsmerkmal der HGF – mit Leben gefüllt. Sie haben der Helmholtz-Gemeinschaft ein Gesicht gegeben und sie mit der Mission durch einen gemeinsamen Auftrag vereint. Sie haben sehr dazu beigetragen, die HGF darüber hinaus mit den Universitäten zu vernetzen.

In den letzten Jahren hat sich Vieles, was die Zusammenarbeit der Helmholtz-Gemeinschaft mit den Universitäten anbetrifft, verändert. Ich denke da an die Helmholtz-Institute. Ich denke da aber auch an die Exzellenzinitiative. Und ich denke an die Änderung des Artikel 91b des Grundgesetzes, die neue Chancen eröffnet, die man bei Helmholtz auch nutzen und ausfüllen muss.

Exemplarisch für die vielen Initiativen und neuen strategischen Kooperationen, die während Ihrer Amtszeiten entwickelt wurden, möchte ich ein Projekt herausstreichen, das Sie, lieber Herr Professor Mlynek, kraftvoll betrieben und erfolgreich umgesetzt haben: Die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Ein Meilenstein, an dem natürlich auch Sie, lieber Herr Professor Wiestler, großen Anteil haben.

Die 10 Jahre Ihrer Amtszeit waren auch Jahre, in denen Wissenschaft und Forschung hohe gesellschaftliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfahren haben:

Noch nie wurde in Deutschland so viel in Forschung und Entwicklung investiert. Der Bundesetat hat sich seit 2005 mehr als verdoppelt und für das Jahr 2016 erfährt der Haushalt noch einmal eine Steigerung um 7,2 Prozent gegenüber diesem Jahr. Auch das Drei-Prozent-Ziel wird weltweit beachtet. Und auch hier sind wir jetzt in einer Position, die man sich 2005 gar nicht vorstellen konnte.

In ganz besonderem Maße, da zu 90 Prozent vom Bund finanziert, hat von dieser Entwicklung natürlich die Helmholtz-Gemeinschaft profitiert. Allein mit den ersten beiden Pakten, die Bund und Länder mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen geschlossen haben, hat die Helmholtz-Gemeinschaft über Jahre – genau wie die anderen außeruniversitären Forschungseinrichtungen, aber auch die DFG – Planungssicherheit. Zu wissen, dass der Etat nicht nur bleibt, sondern in einem wohlbestimmten kalkulierbaren Maße wächst, hat natürlich auch sehr viele Aktivitäten und Überlegungen in der Helmholtz-Gemeinschaft freigesetzt:

Zwischen 2005 und 2015 erhöhte sich das Budget der HGF von 2,2 auf fast 4 Milliarden Euro. Und die Zahl der Mitarbeiter hat sich mehr als verdoppelt – auf etwa 38.000.

Diese Entwicklung geht weiter: Der Bund steht zur Forschung. Der Bund übernimmt den Pakt-Aufwuchs von drei Prozent ab nächstem Jahr zu 100 Prozent. Damit entlastet der Bund die Länder in der dritten Phase um deren Anteil von über einer Milliarde Euro..

Lieber Herr Professor Mlynek, Sie waren ein starker Präsident und zuweilen auch ein harter Verhandlungspartner für das BMBF und meine Kolleginnen und Kollegen auf Länderseite.  Dabei haben Sie aber immer auch die besondere Situation der einzelnen Länder gesehen. Dass Sie nicht nur geschaut haben, wo das meiste Geld zu holen ist, sondern auch den Kraftaufwand dahinter gesehen haben, habe ich immer sehr geschätzt.

Gleichzeitig ist es Ihnen immer gelungen, klar zu machen, was der Bund davon hätte, wenn er an der einen oder anderen Stelle Mittel einsetzen würde, und was das auch an internationaler Sichtbarkeit bringen würde. Das waren immer sehr starke, sehr kluge Argumente, die man nicht so einfach abweisen konnte und über die man wirklich nachdenken musste. Haben wir in einer Sache dann schließlich einen Kompromiss gefunden, standen Sie immer dazu, auch wenn vielleicht ein bisschen Wind von vorne kam.

Ich danke Ihnen sehr, nicht nur in meinem Namen, sondern im Namen der Bundesregierung, für Ihre Arbeit. Sie haben der Helmholtz-Gemeinschaft und der deutschen Wissenschaftslandschaft große Dienste erwiesen. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen alles Gute – privat, aber eben auch weiterhin im Wissenschaftsbereich. Sie haben sich schon Aufgaben gesucht. Bei der Falling Walls Conference, so haben Sie es sich vorgenommen, wollen Sie nun noch viel stärker agieren. Sie bleiben auch weiterhin beim Haus der kleinen Forscher aktiv. Ich würde mir aber wünschen, dass Sie nicht zu viele Dinge zu schnell annehmen. Wir haben auch noch einige Wünsche. Und deswegen an dieser Stelle Dank, für alles, was Sie getan haben, und auf gute Zusammenarbeit.

Es trifft sich gut, dass der Wechsel im Amt des Präsidenten in zeitlicher Nähe zu dem Gutachten des Wissenschaftsrates steht. Der Wissenschaftsrat hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der Programmorientierten Förderung und der Organisation der HGF auseinandergesetzt.

Bereits vor dem Beginn der Programmorientierten Förderung hat der Wissenschaftsrat ein Gutachten über die Zukunft der HGF verfasst. Nach 15 Jahren Erfahrung mit diesem Instrument erhoffe ich mir nun von ihm weitere wichtige Impulse, damit die HGF noch stärker als bisher als eine Gemeinschaft agiert und wahrgenommen wird.

Zentral sind die Forschungsbereiche und Programme, in denen sich die Forschungszentren übergreifend thematisch zusammenfinden. Die Programme geben der HGF eine gemeinsame Identität. Sie schaffen Raum für neue, systematische Ansätze: Zum einen, um die großen gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Zum anderen, um den ganzen Innovationszyklus eines Themas von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung abzudecken.

In dieser Zusammenarbeit liegt der große Mehrwert der Gemeinschaft. Diese Chancen gilt es zu nutzen. In der Programmperspektive steckt ein großes Potential, das bisher noch nicht ausreichend ausgeschöpft wird. Und ich hoffe, dass die Helmholtz-Gemeinschaft dort ansetzt.

Die HGF ist mehr als die Summe ihrer Mitgliedszentren. Bei der Weiterentwicklung ihrer Verfahren, Instrumente und Strukturen sind es die Programme und die Forschungsbereiche, die konsequent gestärkt werden müssen. Das schärft das Profil und macht die HGF in der Öffentlichkeit noch wahrnehmbarer. Helmholtz-Gesundheit, Helmholtz-Umwelt, die Großforschungsgeräte – das sind hervorragende Markenzeichen, die es gilt, noch stärker herauszustellen.

In den vergangenen 10 Jahren wurde in der HGF viel erreicht.

Doch wir alle, und vor allem Sie, Herr Professor Wiestler, wissen, dass Wissenschaft stets wandlungsfähig bleiben muss. Stillstand ist Rückschritt – das gilt besonders für die Wissenschaft. Deshalb müssen Wissenschaftsmanager bei allem, was sie tun, immer an und in die Zukunft denken.

Wir brauchen die Gemeinschaft der Forschungszentren. Ebenso müssen wir aber die Freiheit der einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Blick behalten.

Ein besonderes Augenmerk muss auch die Helmholtz-Gemeinschaft auf den wissenschaftlichen Nachwuchs legen. Der wissenschaftliche Nachwuchs bei Helmholtz ist natürlich sehr international. Ich habe in diesem Zusammenhang immer sehr geschätzt, dass Herr Professor Mlynek sich auch um leistungsstarke erstklassige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt bemühte und immer traurig war, wenn der endgültige Zuschlag für die HGF dann doch nicht zu erreichen war.

Mit der Änderung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes wollen wir die Möglichkeiten für den Nachwuchs verbessern. Und wir müssen vor allen Dingen gemeinsam – und da hoffe ich auch auf die HGF – im politischen Umfeld für Tenure Track sorgen. Es muss früher klar sein, wer eine Chance hat, die höchsten Positionen im Wissenschaftsbereich zu besetzen, und dass sich natürlich auch der Anteil der unbefristeten Stellen für Professoren erhöht.

Die Erwartungen der Gesellschaft an Forschung und Wissenschaft sind hoch. Und wir haben jetzt große Themenbereiche, wie zum Beispiel die Energiewende, wo völlig klar ist, dass wir nur mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu tragfähigen Lösungen kommen werden. Das ist nicht nur eine Aufgabe, das ist auch eine Chance. Wir müssen noch stärker dafür sorgen, dass auf der Grundlage dessen, was Wissenschaft leistet, die entsprechenden Prioritäten gesetzt werden.

Wir sind eine reiche Nation und wir haben eine ganze Reihe von Problemen nicht. Deshalb sind wir verpflichtet, mit an der Lösung globaler Probleme zu arbeiten. Wir brauchen Lösungen für vernachlässigte und armutsassoziierte Erkrankungen. Auch die Zukunft der Ozeane ist ein zentrales Thema, über das wir auf dem G7-Wissenschaftsministertreffen Anfang Oktober sprechen werden. Zur Lösung dieser Aufgaben brauchen wir auch die exzellenten Forschungskapazitäten und die Leistungskraft von Helmholtz.

Die HGF wird zudem als zentraler Akteur im deutschen Wissenschaftssystem bei der Bereitstellung von Forschungsinfrastrukturen noch wichtiger werden. Hier denke ich insbesondere an den Roadmap-Prozess.

Ich wünsche Ihnen, Herr Professor Wiestler, viel Erfolg, Ausdauer und Energie. Ein Zentrumschef zu sein, der eine hohe Akzeptanz bei den Chefs der anderen Zentren hat, ist eine gute Ausgangsbasis. Aber man schafft es als Präsident nicht immer, überall beliebt zu sein.

Alles Gute und viel Erfolg für Sie und die Helmholtz-Gemeinschaft. Die Bundesregierung unterstützt Sie: Die beste Investition ist eine Investition in die Wissenschaft. Beweisen Sie uns auch künftig, dass dieser Satz gilt.

Vielen Dank!