Übergabe des Hochleistungsrechners HRSK-II der TU Dresden

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, am 13. Mai 2015 in Dresden

Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wird ein neuer Hochleistungsrechner in Betrieb genommen, stellen alle zu Recht die Frage, wie seine Leistungsfähigkeit weltweit einzustufen ist. Auch im internationalen Wettlauf um Forschung, Innovation und Rechnerleistung geht es um vordere Plätze.

In einem Interview aber sagten Sie, verehrter Herr Professor Nagel, dass die Einordnung eines Rechners nicht einfach sei. Bei Supercomputern gehe die Entwicklung so schnell, dass es binnen weniger Monate manchmal anderswo auf der Welt schon einen schnelleren Rechner gebe.

Das wissen wir ja selbst aus unserem täglichen Umgang mit Computern. Was vor fünf Jahren noch ein sagenhaft tolles Gerät war, ist heute technisch vielleicht längst überholt – auch wenn sich damit immer noch ganz hervorragend arbeiten lässt.

Ich kann mich noch gut an meine ersten Erfahrungen mit Rechnern erinnern. Da gab es riesige Lochstreifen und wir hatten auch spezielle Anzüge, mit denen wir die Räume betraten. Eine der ersten prozeduralen Programmiersprachen hieß ALGOL 60. Die Entwicklung seither war rasant.

Spitzen-Forschung braucht eine Spitzen-Ausstattung. Deshalb freue ich mich, dass der Forschung in Dresden nun einer der schnellsten und leistungsfähigsten Hochleistungsrechner Deutschlands zur Verfügung steht.

I.

Hoch- und Höchstleistungsrechner können sich in Deutschland der Unterstützung durch Bund und Länder sicher sein. Dahinter steckt ein enormer politischer Wille. Auf Initiative des BMBF wurde 2007 das Gauss Centre for Supercomputing (GCS) gegründet. Es vereint die drei Supercomputer HERMIT in Stuttgart, SuperMUC in München und JUQUEEN in Jülich unter einem Dach.

Mit diesen Rechnern nimmt Deutschland weltweit einen Spitzenplatz ein, was Rechenleistung und Energieeffizienz betrifft. Diese Position wollen wir weiter ausbauen. Die Bundesregierung fördert zusammen mit den Ländern bis 2017 die Rechner mit insgesamt 400 Millionen Euro. Allein in diesen Rechner hier in Dresden hat der Bund 11 Millionen Euro investiert.

Die Zusammenarbeit mit den Ländern ist immer ganz entscheidend, die Mitfinanzierung der Länder ist aber sehr unterschiedlich. Deswegen können wir alle sehr froh sein, dass Sachsen hier konsequent Prioritäten bei Wissenschaft und Forschung setzt. Sachsen ist immer stark bei unseren verschiedenen Fördermaßnahmen vertreten. Geht es um Mitfinanzierung von Projekten oder auch das Stellen von Räumlichkeiten, trifft man in Sachsen immer auf offene Ohren. Das freut mich sehr.

Das BMBF stellt jedes Jahr zur Förderung von bedeutenden Forschungsbauten und Großgeräten an Hochschulen rund 300 Millionen Euro bereit. Für Forschungsbauten gibt es ein wettbewerbliches Verfahren. Die Entscheidung fällt nicht immer leicht. In meiner Zeit als Landesministerin hatten wir im Wissenschaftsrat lange Diskussionen, welche Rolle Rechner spielen, wie man sie beispielsweise mit Laboranlagen vergleichen sollte. Wir haben dann entschieden, dass eine bestimmte Summe generell für Rechner bestimmt ist und ein Rechner immer nur im Vergleich zu einem anderen bewertet wird. Das hat sich bewährt.

Erst im April hat der Wissenschaftsrat die Empfehlung ausgesprochen, eine Nationale Infrastruktur für das Hoch- und Höchstleistungsrechnen aufzubauen. Ich bin sicher, dass wir mit den Ländern hier zu einer guten Lösung kommen werden, so dass zügig mit diesem Aufbau begonnen werden kann.

Nur mit einer exzellenten Forschungsinfrastruktur, guten Arbeitsbedingungen für Forscherinnen und Forscher, mehr Freiheit sowie mehr Eigenverantwortung und Transparenz der Wissenschaft lässt sich das hohe Qualitätsniveau der deutschen Forschung langfristig erhalten.

Ich bin fest davon überzeugt, dass das Hoch- und Höchstleistungsrechnen die Art des Forschens und die Entwicklung von marktfähigen Innovationen weiter revolutionieren wird. Wir haben große Bereiche in der Wissenschaft und in der Wirtschaft, die ohne diese Rechnerleistungen nicht möglich wären. Dazu gehören der gesamte Bereich der Klima- und Geoforschung genauso wie die Simulationen, die Supercomputer unter anderem in der Automobilindustrie, im Maschinenbau oder im Flugzeugwesen ermöglichen.

Das bedeutet: Die Supercomputer sind ein wichtiger Innovationstreiber. Dem wollen wir Rechnung tragen.

Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang – und das kann man mit Stolz sagen –, dass Deutschland in der Softwareentwicklung für Supercomputer herausragend ist und es auch auf Zukunft hin bleibt. Und natürlich wollen wir besonders die Kompetenzen bei speziell optimierter Simulationssoftware halten und noch weiter ausbauen.

II.

Die Leistung des neuen Rechners hier in Dresden ist enorm: Er ist 100-mal schneller als der bisherige Supercomputer und leistet 6.000-mal mehr als ein handelsüblicher PC. Damit können Forschende nun komplexe Fragestellungen beantworten, die man vor 10 oder 15 Jahren nicht beantworten oder untersuchen konnte. Damals war man überhaupt nicht in der Lage, solche riesigen Datenmengen zu verarbeiten. Bei diesem Rechner geht es ganz konkret auch um die Simulation von Zellen und um ihre Entwicklung. Deshalb ist gerade die Erwartung der Patientinnen und Patienten groß. Sie setzen ihre Hoffnung auf neue Therapien und wünschen sich Heilung.

Aufgrund dieser Erwartungen wird der neue Hochleistungsrechner dem Forschungs- und Wissenschaftsstandort Dresden noch mehr Sichtbarkeit verleihen. International hat Dresden sich exzellent entwickelt. Viele von uns kennen ja noch die Ausgangsbedingungen. Dass Dresden heute eine solch starke Position in der gesamten Wissenschaftslandschaft in Deutschland einnimmt, hat auch mit der Exzellenzinitiative zu tun. Dresden konnte schon in der ersten Runde einen Exzellencluster und eine Graduiertenschule einwerben. Ein besonders signifikanter und dynamischer Bestandteil des Zukunftskonzeptes ist der Forschungsverbund, den die TU mit 14 Partnern aus Wissenschaft und Kultur geschaffen hat – darunter alleine vier Fraunhofer-Institute, ein Helmholtz-Zentrum, drei Leibniz-Institute sowie drei Max-Planck-Institute.

Die erfolgreichen Universitäten der Exzellenzinitiative werden noch bis Ende 2017 gefördert. Und ich bin sehr froh, dass es weitergeht: Die Regierungschefs von Bund und Ländern haben beschlossen, dass die für die Exzellenzinitiative bereitgestellten Mittel mindestens im selben Umfang auch künftig für die Förderung exzellenter Spitzenforschung an Hochschulen zur Verfügung stehen sollen. Über die Fortsetzung der Exzellenzinitiative wird an vielen Stellen diskutiert. Denn es betrifft ja auch viele.

Konkret möchte ich zum weiteren Vorgehen nur so viel sagen: Die Imboden-Kommission, eine Expertenkommission mit Herrn Professor Dr. Dieter Imboden als Vorsitzendem, konzentriert sich bei der Exzellenzinitiative nicht auf spezielle Bereiche wie Nanotechnologie oder Informatik, sondern versucht stattdessen die Exzellenzinitiative und ihre Auswirkungen auf das gesamte deutsche Wissenschaftssystem zu bewerten.

Klar ist: Wir haben eine eindeutige Profilierung, wir haben in einigen Bereichen Spitzenleistungen, die es dort vor der Exzellenzinitiative nicht gab. Aber es geht auch um die Frage: Wie wirkt sich die Exzellenzinitiative auf das ganze System aus? Hat es beispielsweise zur Folge, dass die geförderten Universitäten sich positiv entwickeln, andere aber dadurch in der Entwicklung benachteiligt werden? Um diese und ähnliche systematische Fragen zu klären, dafür haben wir die Imboden-Kommission eingesetzt.

Wir werden auf jeden Fall die Ergebnisse der Imboden-Kommission im Frühsommer 2016 abwarten. Und dann gibt es eine schnelle und prägnante Entscheidung darüber, wie die Nachfolgeinitiative ausgestaltet werden soll.

III.

Dresden und die gesamte Region werden zunehmend international sichtbar. Daran wird deutlich: Unsere Förderung wirkt. Ich denke zum Beispiel

  • an das Zentrum für Regenerative Therapien hier an der TU, das wir mit gut 18 Millionen gefördert haben;
  • an den vom BMBF geförderten Spitzencluster „Cool Silicon“, der unter maßgeblicher Mitwirkung der TU Dresden die Energieeffizienz bei den Informations- und Kommunikationstechnologien deutlich steigern will;
  • an das Forschungs- und Demonstrationszentrum für ressourceneffiziente Leichtbaustrukturen der Elektromobilität FOREL an der TU Dresden;
  • an die Eröffnung der Materialforschungskonferenz „i-WING 2015 – Vom Material zur Innovation“ des BMBF vor etwa zwei Wochen hier in Dresden. Der Ort Dresden wurde nicht zufällig gewählt, sondern aufgrund der Stärke der Regionen mit ihren vielen Partnern im Bereich der Materialforschung.
  • und schließlich an „Big Data“. Mit den Mitteln des BMBF wurde neben Berlin auch am Standort Dresden/Leipzig ein nationales Kompetenzzentrum für „Big Data" gegründet. Für das Thema „Big Data“ zu werben, ist ganz wichtig. Denn es gibt in diesem Zusammenhang – wie auch bei anderen Themen – Ängste. Und das kann dazu führen, dass wir die Forschung aus Deutschland vertreiben. Deswegen müssen wir jetzt deutlich machen, welche Chancen dieses Thema bietet. Hier geht es nicht darum, einzelne Personen und ihre Daten in irgendeiner Weise auszuspähen. Ich wünsche mir von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich auf „Big Data“ spezialisiert haben, dass sie die Chancen aufzeigen, die darin stecken.

IV.

Wachstumsdynamiken entstehen dort, wo die Stärken von Regionen systematisch ausgebaut werden.

John F. Kennedy sagte einmal: „Der Mensch ist immer noch der außergewöhnlichste Computer von allen.“ Hinter jedem Computer stehen exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Annahmen machen, die die Datenmengen auswerten, die richtigen Schlüsse ziehen und die weiteren Entwicklungsbedarfe erkennen. Und das ist auch bei unserem Supercomputer ganz entscheidend.

Ich gratuliere all denen, die jetzt damit arbeiten können, und wünsche ihnen viel Erfolg.

Vielen Dank.