Übergabe eines Förderbescheides (KAoA-BOP-Weiterleitungsvertrag)

Ansprache des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, im Berufsbildungszentrum Euskirchen

Sehr geehrte Frau Stolz,

sehr geehrter Herr Kupp,

sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, direkt zu Beginn dieses neuen Jahres wieder hier bei Ihnen in Euskirchen zu sein. 2019 ist das Jahr der Berufsbildung. Es soll allen, die sich vor Ort für die berufliche Bildung stark machen – Betriebe, Kammern, Bildungsträgern, Berufsschulen – neuen Auftrieb geben.

Und Sie gehören dazu: Das Bildungszentrum Euskirchen leistet mit der Berufsorientierung seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag, um junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern. Gerade auch diejenigen, denen der Einstieg in eine Ausbildung nicht so leicht fällt.

Die eigenen Begabungen und Interessen zu erkennen, ist wesentlich für den Start in Ausbildung und Beruf. Die Jugendlichen müssen lernen, was von ihnen in der Lehre erwartet wird, welche Voraussetzungen sie mitbringen müssen – persönliche wie fachliche Kompetenzen.

Mit Ihren vielfältigen Angeboten hier in Euskirchen unterstützen Sie Schülerinnen und Schüler darin, sich über die eigenen Talente und Stärken klar zu werden, eine Vorstellung von Berufen zu entwickeln und mit der Zeit zu einer fundierten Berufswahl zu gelangen.

Genau dies ist auch das Ziel des Berufsorientierungsprogramms des BMBF. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei, verschiedene Berufsfelder ganz praktisch auszuprobieren, um im wahrsten Sinne zu „begreifen“, was eine berufliche Tätigkeit erfordert und ausmacht. Die Jugendlichen erhalten frühzeitig die Möglichkeit, eigene Potenziale und Talente zu erkennen, in der Praxis zu überprüfen, um dann festzustellen: „Ich kann das!“

Es freut mich sehr, dass wir vor Kurzem, im Dezember 2018, mit dem Berufsorientierungsprogramm ein kleines Jubiläum feiern konnten: Seit 10 Jahren fördert das BMBF mit dem „BOP“ die vielfältigen Ansätze zur Berufsorientierung, vor allem auch hier in NRW.

Nordrhein-Westfalen gehörte zu den ersten Ländern, die 2016 eine umfassende „Bildungsketten-Vereinbarung“ mit dem Bund und der Arbeitsagentur geschlossen haben. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann: seit 2008 wurden in NRW über 450.000 Schülerinnen und Schüler durch den Bund mit rund 153 Mio. € in ihrer Berufsorientierung unterstützt.

Potenzialanalyse und Berufsfelderkundungen in der 8. und 9. Klasse geben den Anstoß für die Beschäftigung mit der eigenen Zukunft.

Weitere Praxiskurse bauen darauf auf. Das BMBF fördert die Instrumente im Rahmen des Landesprogramms „Kein Abschluss ohne Anschluss“ mit dem Ziel, allen Schülerinnen und Schülern eine Berufsorientierung zu ermöglichen. Auch denen, die eine besondere Unterstützung benötigen.

Die verschiedenen Maßnahmen zur Berufsorientierung entfalten ihre Wirkungen sehr individuell. Wir wissen heute, dass sich eine gründliche Vorbereitung und Reflexion der persönlichen Erfahrungen besonders positiv auswirken.

Wichtig ist auch, dass die jungen Leute den Beruf wählen, der ihren Talenten und Interessen wirklich entspricht. Unabhängig von Geschlechterstereotypen.

Wir brauchen eine echte Wahlfreiheit  – dafür steht unsere Initiative Klischeefrei mit über 120 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Wir unterstützen die jungen Menschen dabei, ihre eigenen Interessen zu entdecken, diese zu benennen und dafür einzutreten.

Denn unser Land braucht gut ausgebildete, engagierte und kreative junge Menschen. Unser Land braucht Fachkräfte. Nur so können wir wirtschaftlich stark sein. Noch nie zuvor wurden qualifizierte Jugendliche so sehr gebraucht wie heute.

Das gilt natürlich auch für junge Migrantinnen und Migranten. Etwa 5 Prozent der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen, die am Berufsorientierungsprogramm teilnehmen, sind neu zugewandert. Die meisten hatten bisher keine Vorstellung von dem dualen Ausbildungssystem in Deutschland. Besonders für sie gilt: Sie müssen die eigenen Fähigkeiten erkennen und mit den Erwartungen und Anforderungen der Berufswelt in Deutschland abgleichen.

Darüber hinaus unterstützt das BMBF neu zugewanderte junge Erwachsene, die nicht mehr schulpflichtig sind. Hierfür wurde speziell das Programm „Berufsorientierung für Flüchtlinge“ entwickelt. Auch für diese Menschen ist es zukunftsweisend, sich beruflich zu orientieren und zu erkennen, wie wichtig eine Berufsausbildung ist.

Es freut mich sehr, dass in diesem Jahr hier im BZE ein neuer Kurs aus diesem Programm mit insgesamt 12 Geflüchteten vorgesehen ist.

Meine Damen und Herren,

gerade im Jahr der Berufsbildung ist es mir wichtig, zu betonen, dass die akademische und die berufliche Bildung als gleichwertige Bildungskarrieren nebeneinander stehen. Allerdings: in der Wahrnehmung der Menschen ist dies oft noch nicht so. Das klassische Vorurteil, ein Akademiker verdiene mehr als ein Nicht-Akademiker, stimmt nur bedingt. Ich bin überzeugt: Eine duale Ausbildung mit anschließender höherqualifizierender Berufsbildung kann in vielen Fällen besser vor Arbeitslosigkeit schützen als ein Studium.

Eine Berufsausbildung soll dabei auch keine „zweite Wahl“ sein, etwa bei Studienabbrüchen. Besser wäre es, wenn jeder gleich die berufliche Richtung einschlägt, die zu ihm passt. Dafür brauchen wir die Berufsorientierung künftig verstärkt auch an Gymnasien. Hier gibt es Nachholbedarf.

Das BMBF hat daher zum Jahreswechsel einen bundesweiten Förderaufruf gestartet: für Modellprojekte zur Berufsorientierung an Gymnasien in der Sekundarstufe I. Wir möchten wissen, welche spezifischen Bedarfe die Gymnasien haben, um auch dort Berufsorientierung erfolgreich wirken zu lassen. Denn auch hier sollen Jugendliche ihre Potenziale und Talente entdecken und entwickeln können!

In der Sekundarstufe II fördern wir speziell in NRW seit einem Jahr ebenfalls ein neues Instrument: die Projektworkshops. Sie richten sich an Schülerinnen und Schüler der Sek II, die sich für eine duale Ausbildung interessieren, etwa zur Vorbereitung auf Führungsaufgaben in kleinen und mittleren Unternehmen, beispielsweise im Handwerk. Die ersten Rückmeldungen hierzu sind sehr positiv.

Meine Damen und Herren,

unsere Arbeitswelten ändern sich rasant. Darauf muss nicht nur die Berufsausbildung, sondern auch die Berufsorientierung reagieren.

Wir wissen heute aus der Forschung, dass der sich wandelnde Arbeitsmarkt, das Image von Berufen, aber auch die Einschätzungen Dritter großen Einfluss auf die Berufsorientierung von Jugendlichen haben. Gerade der Einfluss von – manchmal auch nur vermuteten – Reaktionen durch Eltern, Familie und Freunde sollte nicht unterschätzt und stets mitbedacht werden. Denn der Beruf ist eine wichtige Quelle für soziale Anerkennung und damit für die Entwicklung sozialer Identität.

Fest steht: Digitale Kompetenzen werden in der schulischen und beruflichen Entwicklung immer wichtiger. Neue und geänderte Qualifikationen werden in allen Bildungsbereichen und an allen Lernorten ebenso benötigt wie neue Ausbildungsformate. Vor allem Jugendliche und Auszubildende müssen frühzeitig auf die sich durch die Digitalisierung neu ergebenen bzw. veränderten Anforderungen vorbereitet werden.

Vor allem diese Herausforderung, die Berufsorientierung kontinuierlich fortzuentwickeln, haben Sie, meine Damen und Herren, in der Vergangenheit mit großem Engagement gemeistert. Dafür meinen ganz herzlichen Dank!

Ich freue mich, die Fortführung dieser Arbeit heute mit einem Förderbescheid weiter unterstützen zu können. Das BZE Euskirchen erhält eine Förderung von 144.760 Euro für Maßnahmen zur Berufsorientierung im Schuljahr 2018/2019. Insgesamt 776 Schülerinnen und Schüler sollen hiermit erreicht werden. Neben dem Angebot von ein- und mehrtägigen Berufsfelderkundungen unterstützt die Förderung auch die Durchführung von Praxiskursen sowie mehrtägige Maßnahmen für Jugendliche mit Fluchterfahrung.

Diese Gelder sind für eine qualifizierte Berufsorientierung gut investiert! Nochmals meinen Dank und: Weiter so!