UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung

Rede der Staatssekretärin im Bundesministerin für Bildung und Forschung, Cornelia Quennet-Thielen,anlässlich der internationalen Abschlusskonferenz

Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung
Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Ihre Kaiserliche Hoheit, der Kronprinz von Japan, sehr geehrte Generaldirektorin der UNESCO, Frau Bokova, sehr geehrte Damen und Herren Minister, Exzellenzen,

“Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.”

so lautet die berühmte Definition von nachhaltiger Entwicklung im Brundtland-Report von 1987. Seither steht Nachhaltigkeit auf drei Säulen – und das gilt auch für unsere nationale Nachhaltigkeitsstrategie. Wir verbinden den Schutz der Umwelt mit der Förderung von sozialer und ökonomischer Entwicklung. Nachhaltigkeit impliziert ein ganzheitliches Verständnis des Menschen, seiner Umwelt und seiner Bedürfnisse. Das Prinzip der Nachhaltigkeit hat bereits eine einzigartige internationale Karriere hinter sich; zugleich fordert es uns jeden Tag.

Auf dem Weltgipfel in Rio 1992 wurde Nachhaltigkeit normatives Leitprinzip der internationalen Staatengemeinschaft und Grundstein einer neuen globalen Partnerschaft. Zehn Jahre später, auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2002 in Johannesburg wurde die Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ausgerufen.

Ohne Nachhaltigkeit keine gute Zukunft. Wenn wir davon überzeugt sind, dann lautet die entscheidende Frage: Wie verankern wir das Prinzip der Nachhaltigkeit im täglichen Handeln aller? Die Antwort lautet: Durch Bildung.

Dieses Jahr hat die siebzehnjährige Malala den Friedensnobelpreis erhalten, weil sie für ihr Recht auf Bildung kämpfte. Dafür hatte sie fast mit ihrem Leben bezahlt.

Am 12. Juli 2013 hat sie vor der UN-Jugend-Generalversammlung gesagt: “One child, one teacher, one book and one pen can change the world. Education is the only solution.“

Das ist unsere Aufgabe: Gute Bildung weltweit zu ermöglichen, um die Welt zu verändern.

Denn gute Bildung ist die Grundlage für Teilhabe. Sie ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben und die Grundlage dafür, Verantwortung zu übernehmen. Genau darum geht es bei der Nachhaltigkeit: Um die Verantwortung für uns, unsere Mitmenschen und die kommenden Generationen. Wir können nicht vollständig wissen, was die nächsten Generationen brauchen und was sie erfinden werden. Aber es ist unsere Pflicht, Ihnen eine lebenswerte Erde zu hinterlassen, eine Welt voller Chancen; eine Welt, die gelernt hat, über alle Grenzen hinweg und trotz aller Unterschiede zusammenzuarbeiten.

Das Jahr 2014 zeigt auf bestürzende Weise, wie schwer das sein kann. Das darf uns aber nicht vom Ziel abbringen, im Gegenteil: Gemeinsam müssen wir voll Überzeugung eintreten für die Achtung der Menschen und der Natur.

Think globally, act locally: Das sind die beiden Seiten von BNE. Die eine Seite ist ein Grundverständnis der globalen Herausforderungen, die uns alle betreffen: Klimawandel, wirtschaftliche Globalisierung, Bekämpfung von Krankheiten und von Armut, Gefährdungen der Demokratie. Die andere Seite ist das Wissen und Nachdenken darüber, was jeder vor Ort verändern kann: In der Familie, im Dorf, in der Stadt, in der Region.

Veränderung beginnt im Kopf. Sie beginnt mit der Fähigkeit, kritisch und selbstkritisch zu denken. Das zu befördern, kann nicht allein staatliche Aufgabe sein. Gesellschaft, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur: Sie alle können und müssen dazu beitragen. In Deutschland haben wir die Erfahrung gemacht, dass Veränderung dann gelingt, wenn alle Stakeholder, wenn die Zivilgesellschaft glaubwürdig und dauerhaft in diese Prozesse eingebunden wird.

Ich bin stolz darauf, was wir unter dem Dach der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in Deutschland erreicht haben. In zehn Jahren wurde ein ganzes Bildungs- und Politikfeld aufgebaut. Es basiert auf unserem Nationalen Aktionsplan und einer starken Struktur für die Umsetzung: Die deutschen UNESCO-Kommission, unser Nationalkomitee und ein Runder Tisch mit bis zu 175 Mitgliedern aus der ganzen Breite zuständiger Einrichtungen.

Wir sind in den vergangenen Jahren entschlossen ökologische, ökonomische und soziale Herausforderungen angegangen. Ich nenne exemplarisch die Energiewende, die Deutschland nach der Katastrophe von Fukushima eingeleitet hat.

Forschung und Praxis gehen in Deutschland Hand in Hand für mehr Nachhaltigkeit.

Die Ideen unserer Forscherinnen und Forscher machen deutsche Umwelttechnologien weltweit erfolgreich. Unser Land ist ein gefragter Anbieter von Umwelttechnologien mit einem Weltmarktanteil von 15 Prozent. Dieser Erfolg sichert rund zwei Millionen Arbeitsplätze.

Auch die Bildung für nachhaltige Entwicklung lebt von der Zusammenarbeit von Erziehern und Wissenschaftlern. Sie haben gemeinsam Lehr- und Lernmaterialien und einen Orientierungsrahmen Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule entwickelt. Sie haben Modelle zur Integration von Nachhaltigkeit in die berufliche Bildung entwickelt.

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist in Deutschland besonders geprägt durch bürgerschaftliches Engagement von begeisterten Freiwilligen und von Nicht-Regierungsorganisationen. Ihre besten Projekte wurden als Dekadeprojekt ausgezeichnet: Gute Beispiele wurden damit öffentlich sichtbar. Über 2000mal weht in Deutschland die Dekade-Fahne über Schulen, Unternehmen, Seniorenheimen, Museen und Rathäusern. Schüler, Lehrer, Künstler, Mitarbeiter der Verwaltung und der Unternehmen verstehen sich als Botschafter der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Nachhaltigkeit ist vielerorts Leitthema geworden – in der Metropole Hamburg ebenso wie in kleinen ländlichen Gemeinden.

Deutschland ist heute ein Nachhaltigkeitsland. Deshalb begrüßen wir das Weltaktionsprogramm. Wir werden es mit ganzer Kraft unterstützen. Auf unserer nationalen Abschlusskonferenz zur UN-Dekade vor zwei Monaten war die Unterstützung für die fünf Prioritäten des Weltaktionsprogramms groß, insbesondere für die Einbindung der Jugend, die Förderung kommunaler Netzwerke und die Weiterbildung der Erzieher für BNE.

„Ungesäte Saat geht nicht auf“, heißt ein japanisches Sprichwort. Die Saat der UN-Dekade ist aufgegangen. Jetzt müssen wir sie gießen und pflegen, um jedes Jahr erneut die Früchte ernten zu können.

Vielen Dank.