UN-Klimagipfel 2018: Forschen für den Klimaschutz

Forschung hilft, den Klimawandel besser zu verstehen und Lösungen für Probleme zu finden. Das BMBF stellt daher auf der Weltklimakonferenz in Kattowitz neueste Forschungsergebnisse vor – und stärkt so den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik.

Auf der 24. Weltklimakonferenz wollen die Vertragsstaaten der UNFCCC ein Regelbuch zum Pariser Klimaschutzabkommen beschließen. © Christiane Textor / DLR Projektträger

Hitze, Dürren und Überschwemmungen: Extremes Wetter tritt schon heute vermehrt auf und wird bei einer Erderwärmung von 1,5 Grad Celsius noch weiter zunehmen. Zu diesem Ergebnis kommt der Weltklimarat in seinem kürzlich veröffentlichten „Sonderbericht über 1,5 °C globale Erwärmung (SR1.5)“. Aktuell liegt die durch menschliche Aktivitäten verursachte Erderwärmung bereits bei etwa einem Grad. Viele Forscher warnen daher: Wird die Erderwärmung nicht gestoppt, könnten schon bald sogenannte Kipppunkte erreicht werden. Hierbei werden Prozesse in Gang gesetzt, die unter anderem das irreversible Abschmelzen des Grönland‐Eisschildes und damit langfristig einen Anstieg des Meeresspiegels um mehrere Meter zur Folge haben, oder zum unwiederbringlichen Verlust von Ökosystemen wie Korallenriffe führen. Die internationale Gemeinschaft muss daher schnellstens handeln: Auf der 24. Weltklimakonferenz (COP24), die vom 2. bis 14. Dezember im polnischen Kattowitz stattfindet, wollen die Vertragsstaaten der UNFCCC nun ein Regelbuch zum Pariser Klimaschutzabkommen beschließen. Dafür sind auch Ergebnisse aus der Forschung wichtig, die das Bundesforschungsministerium beim Klimagipfel vorstellt. So stärkt das Ministerium den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik.  

Erneuter Weckruf der Wissenschaft

Forschung und Wissenschaft sind entscheidend, um einzuschätzen, wie die in Paris beschlossenen Klimaziele erreicht werden können und wie deren heutiger Stand ist. So zeigt beispielsweise der Sonderbericht SR1.5 des Weltklimarates, dass die derzeitigen Anstrengungen im Klimaschutz bei Weitem nicht ausreichen, um die internationalen Ziele zu erreichen. Das Bundesforschungsministerium fördert daher zahlreiche nationale und internationale Forschungsprojekte in der Klimawissenschaft.

Innovationsschub in allen Lebens- und Produktionsbereichen

Damit Klimaschutz erfolgreich gestaltet werden kann, sind die Erforschung und Entwicklung innovativer Konzepte und Technologien essentiell. Dazu unterstützt das Bundesforschungsministerium einen systematischen Innovationsprozess für eine langfristige „Dekarbonisierung“ wichtiger Sektoren der Wirtschaft und des privaten Konsums. Am Ende wird jede eingesparte Tonne CO2 zählen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Carbon2Chem: Am thyssenkrupp-Stahlwerk Duisburg werden derzeit Hüttengase in einer Testanlage in Methanol umgewandelt. Das ist ein wichtiger Grundstoff für die chemische Industrie. Die langfristige Vision hinter dem kürzlich gestarteten Praxistest: Eine nahezu CO2-freie Stahlproduktion.

Mit technischen Antworten allein kann jedoch noch keine Lösung für den Klimawandel gefunden werden. Denn dieser ist vor allem ein politisches und ökonomisches Thema. Die großen Herausforderungen können nur von allen Staaten gemeinsam gelöst werden. Deshalb fördert das Bundesforschungsministerium wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Forschung, um klimapolitische Maßnahmen und Instrumente zu bewerten, mit deren Hilfe der notwendige Wandel gesellschaftlich und wirtschaftlich verträglich gestaltet werden kann. Zum Beispiel wird das Projekt DecarbLau demnächst den Strukturwandel in den Kohleregionen gezielt wissenschaftlich unterstützen. Es wird sich mit dem Innovationssystem in der Lausitz auseinandersetzen. In engem Schulterschluss mit regionalen Akteuren sollen so konkrete Vorschläge für Instrumente und Förderprogramme für die Region entwickelt werden.

Bundesforschungsministerium unterstützt die Erdsystemforschung

Um Ursachen und Trends des Klimawandels zu verstehen und zukünftige Risiken abzuschätzen, unterstützt das Bundesforschungsministerium zudem die Erdsystemforschung. Anhand von Klimamodellen  und -vorhersage entwickeln Forschende belastbare Aussagen über zukünftige Änderungen in Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen. Zudem können sie dank gewachsenem Prozessverständnis und modernster Technik hochauflösende Vorhersagen zum Klimawandel in Städten treffen. Gelingt der Dialog zwischen Wissenschaft und Politik, ist es noch nicht zu spät: Mit ehrgeizigen Beschlüssen kann die internationale Staatengemeinschaft die Erderwärmung noch stoppen.