„Unsere beiden Wege in den Beruf machen dieses Land stark“

Bundesministerin Karliczek will das Gesetz zur beruflichen Bildung modernisieren – und die Berufsbildung mit einem Innovationswettbewerb stärken: „Der Mangel an qualifizierten Menschen darf nicht zur Wachstumsbremse werden“, so Karliczek.

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek MdB anlässlich der Debatte zum Bericht „Bildung in Deutschland 2018“ im Deutschen Bundestag am 18. Januar 2019 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort. Änderungen vorbehalten.

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

Bildung versetzt Menschen in die Lage, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Gute Bildung hilft den Menschen, sich zu entwickeln, sich auszuprobieren, sich zu engagieren, politisch interessierter, ja sogar gesünder zu leben. Und manchmal sogar: über sich hinauszuwachsen.

Chancengerechtigkeit ist, wenn jeder die Möglichkeit dazu bekommt.

Der Bildungsbericht 2018 zeigt uns, dass wir bei den Themen „Bildung und Chancengerechtigkeit“ viele Erfolge aufzeigen können.

  • Immer mehr Menschen bilden sich weiter.
  • Die Deutschen streben nach besserer Bildung.
  • Immer mehr Auszubildende werden von den Unternehmen übernommen.
  • Bund und Länder haben die Investitionen weiter gesteigert.

Auf diese guten Entwicklungen können wir stolz sein.

Der Bildungsbericht macht mich zuversichtlich. Er beleuchtet die ganze Vielfalt unseres Bildungswesens. Und diese Vielfalt ist die Stärke Deutschlands.

Auch und gerade unsere beiden Wege in den Beruf machen dieses Land stark. Wir bieten jedem jungen Menschen einen für ihn passenden Weg in den Beruf: Wer praktisch starten will, macht eine Ausbildung. Wer theoretisch in den Beruf starten will, nimmt ein Studium auf. Wer beides will, macht ein duales Studium.

Wir sollten alle Wege gleich wertschätzen. Deutschland braucht Auszubildende und Studierende. Deutschland bietet beste berufliche und akademische Bildung.

Mein Ministerium macht deshalb 2019 zum „Jahr der Berufsbildung“.

Immer mehr Arbeitsplätze bleiben unbesetzt. Gerade beruflich qualifizierte Arbeitskräfte werden gesucht. Aktuell gibt es rund 50.000 unbesetzte Ausbildungsstellen. Der Mangel an qualifizierten Menschen darf nicht zur Wachstumsbremse werden!

Was werden wir tun?

Wir modernisieren das Gesetz zur beruflichen Bildung.

Wir führen eine Mindestausbildungsvergütung ein.

Wir machen die hohe Qualität unseres Meisters sichtbar, durch international anerkannte und verständliche Bezeichnungen, wie beispielsweise den Berufsbachelor.

Und wir starten einen bundesweiten Innovationswettbewerb für berufliche Bildung: Unternehmen, überbetriebliche Berufsbildungsstätten, Bildungszentren, Berufsschulen und Hochschulen möchte ich aufrufen, neue, innovative Aus- und Weiterbildungsformate zu entwickeln und zu erproben!

Doch auch nach der Erstausbildung geht es weiter. Wir merken doch alle, wie schnell sich unsere Arbeitswelt aktuell verändert. Viele neue Arbeitsplätze mit anderen, höheren Anforderungen entstehen. Sich neuen Anforderungen stellen zu können – dafür möchten wir die Menschen fit machen.

Gemeinsam mit den zuständigen Partnern entwickeln wir gerade eine Nationale Weiterbildungsstrategie. Damit wir auch morgen noch gut aufgestellt und für den internationalen Wettbewerb gerüstet sind.

Gut gerüstet sind wir auch, wenn wir die Mitte der Gesellschaft stärken, also Familien mit Kindern in der Ausbildung oder im Studium.

Allein für Verbesserungen beim Aufstiegs-BAföG stellen wir zusätzlich 350 Millionen Euro in dieser Wahlperiode bereit – mehr denn je seit Bestehen des Gesetzes. Denn Aufstieg darf nicht am Geldbeutel scheitern!

Mit unserer BAföG-Reform erhöhen wir außerdem die BaföG-Leistungen, die Einkommensfreibeträge und die Wohnpauschale. Damit schaffen wir die Trendumkehr. Mehr Familien mit Kindern profitieren, die das tun, was wichtig ist: sich bilden und auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereiten.

Auch innerhalb unseres Schulsystems weist uns der Bildungsbericht noch Aufgaben zu, Aufgaben an denen wir arbeiten: Mit unserer Initiative Brennpunktschulen kümmern wir uns gezielt um Kinder aus sozial schwierigen Lagen. Alle Kinder in Deutschland müssen die gleichen Chancen auf Bildung und ein gutes Leben haben, unabhängig ihrer Herkunft. Jedes Kind ist uns wichtig.

Ein weiterer, dem Bericht und auch mir sehr wichtiger Punkt ist die Digitalisierung.

Ich stehe für digitale Bildung und damit für den Mut zur Zukunft. Die Digitalisierung wird in den nächsten Jahren fast all unsere Lebensbereiche beeinflussen.

Das BMBF will die Menschen darauf vorbereiten: von der Schule, über alle beruflichen und akademischen Ausbildungen bis zur Weiterbildung von Berufstätigen. Deshalb habe ich gleich nach meinem Amtsantritt mein Ministerium umstrukturiert: jeder Bereich beschäftigt sich nun auch mit der Digitalisierung.

Die digitale Technik wird besonders von unserer jungen Generation selbstverständlich genutzt, ein Vorteil für die Wissensvermittlung heterogener Schülergruppen – sie ermöglicht individuell gestalteten Unterricht.

Deshalb ist es mein großes Ziel, den Digitalpakt schnell auf den Weg zu bringen. 5 Mrd. Euro für digitale Schulen dürfen nicht in Kompetenzstreitigkeiten untergehen. Dafür haben die Menschen, die Eltern, ja, unsere Wähler zu recht kein Verständnis! Wir müssen eine Einigung finden, das sind wir unseren Kindern und Jugendlichen schuldig!

Ich will moderne Schulen in Deutschland sehen - besser heute als morgen!

Vieles ist auf einem guten Weg, Einiges muss sich noch verbessern: Doch dafür sollten wir den letzten und vielleicht wichtigsten Rat des Bildungsberichts beherzigen. Ich zitiere:

„In Anbetracht der bestehenden Verantwortlichkeiten im Bildungsbereich stellt sich die Frage, wie neue Formen der Zusammenarbeit und Handlungskoordination zwischen Bund, Ländern und Kommunen zu entwickeln sind.

Die übergreifenden Anforderungen müssen sich auch in den Kooperationsstrukturen abbilden, um dem gemeinsamen Interesse an angemessenen Lösungen gerecht zu werden.“

Sie hören, es ist an uns alle gerichtet: Bundesregierung, Bundestag und Bundesländer. Nur gemeinsam kriegen wir das hin. Wenn Sie genauso großes Interesse an echten Lösungen für unsere Bildung haben wie ich, sind wir auf einem guten Weg.