Urheberrecht in der Schule: Das sollten Sie wissen

Mit der Digitalisierung sind die Nutzungsmöglichkeiten auch im Unterricht vielfältiger geworden. Was auf der einen Seite den Unterricht bereichert und vielleicht spannender macht, führt jedoch auch zu Unsicherheiten aufseiten der Lehrenden.

Schulkind
Auch Schülerinnen und Schüler müssen sich an das Urheberrecht halten. © Getty Images / Klaus Vedfelt

Was hat das Urheberrecht eigentlich mit der Schule zu tun? Jede Menge. Lehrerinnen und Lehrer nutzen zur Unterrichtsvorbereitung und auch im Unterricht nicht nur eigene Materialien, sondern greifen häufig auch auf bereits bestehende Unterlagen wie Skripte, Übungen und Musteraufgaben zurück. In den Klassen kommen Schulbücher zum Einsatz. Zunehmend wird der Unterricht auch digital unterstützt, z. B. durch Bilder, Videos und Animationen. Auch Schülerinnen und Schüler können mit dem Urheberrecht in Berührung kommen. Wenn sie z. B. einen Vortrag halten, werden häufig Bilder, Texte oder Grafiken aus dem Internet für PowerPoint-Präsentationen oder ausgedruckt für Plakate verwendet. Zugleich können sie natürlich selbst Urheber sein, z. B. wenn sie etwas malen, gestalten oder schreiben.

Es stellen sich Fragen wie: Darf ich im Unterricht Kopien verteilen? Kann ich meinen Schülern digital Texte oder Bilder von Autorinnen und Autoren bzw. Künstlerinnern und Künstlern schicken, um diese dann im Unterricht zu besprechen? Kann ich Matheaufgaben aus dem Internet auch in meiner Klasse nutzen? Diese und weitere Fragen sowie grundlegende Informationen zum Urheberrecht in der Schule sollen in einer neuen Handreichung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung aufgegriffen und aufgeklärt werden, die Sie in der rechten Spalte dieser Seite oder hier herunterladen können.

Hinweis

Unsere FAQ sind eine Orientierung für Forschende und Lehrende. Eine fachkundige Beratung kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Kurz erklärt: Die wichtigsten Begriffe

  • Ein Werk ist eine persönliche geistige Schöpfung, die einen gewissen Grad an Eigentümlichkeit, Originalität oder auch Individualität aufweist und die man sinnlich wahrnehmen kann. Bloße Ideen oder Gedanken sind damit nicht urheberrechtlich geschützt. Die nötige Eigentümlichkeit, Originalität oder auch Individualität liegt vor, wenn sich das Werk von der Masse des Alltäglichen und von lediglich handwerklichen oder routinemäßigen Leistungen abhebt. Man sagt auch, ein Werk braucht eine gewisse Schöpfungshöhe.
  • Urheber ist jede natürliche Person, die ein Werk durch persönliche geistige Leistung geschaffen hat. Wenn mehrere Personen gemeinsam ein Werk schaffen, z. B. eine gemeinsame Publikation schreiben, dann sind sie sogenannte Miturheber.
  • Man „nutzt“ einen urheberrechtlich geschützten Inhalt, wenn man das Werk z. B. kopiert, weiterverbreitet oder online stellt.

Fragen und Beispiele aus der Praxis

Darf die Lehrerin oder der Lehrer einen Roman wie z.B. „Die Welle“ zur Besprechung im Unterricht kopieren oder einscannen und an die Schülerinnen und Schüler ausgeben?

Eine Nutzung des Buches „Die Welle“ für den Unterricht ist über § 60a UrhG in gewissem Umfang gestattet. Das Buch „Die Welle“ ist kein Schulbuch, da es nicht ausschließlich für den Unterricht bestimmt und auch nicht als Schulbuch gekennzeichnet ist und daher auch nicht aus der gesetzlichen Erlaubnis des § 60a UrhG ausgenommen. Da hier das Buch zur Besprechung im Unterricht verwendet werden soll, dient es der „Veranschaulichung im Unterricht“ und kann unter den Voraussetzungen des § 60a UrhG verwendet werden. Erlaubt sind Nutzungen bis zu 15%. Die Lehrerin oder der Lehrer kann also bis zu 15% des Buches „Die Welle“ z.B. kopieren oder scannen und den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stellen.

Darf im Unterricht ein Film oder YouTube-Video gezeigt werden?

Filme und Videos (auch sehr kurze) sind regelmäßig urheberrechtlich geschützt. Das Abspielen und Zeigen eines Films kann ein Fall der öffentlichen Zugänglichmachung sein, wenn der Film „öffentlich“ gezeigt wird. Die nicht öffentliche Wiedergabe ist keine urheberrechtlich relevante Handlung und unproblematisch möglich. Die Frage ist, ob das Abspielen oder Zeigen vor einer Schulklasse eine öffentliche Wiedergabe ist. Eine öffentliche Wiedergabe liegt nur vor, wenn sich die Wiedergabe an eine unbestimmte Zahl potenzieller Adressatinnen und Adressaten richtet und diese nicht durch persönliche Beziehungen miteinander verbunden sind, wie z.B. im Kino. Die Teilnahme am Schulunterricht ist auf die Schülerinnen und Schüler beschränkt, sodass ein geschlossener Benutzerkreis vorliegt. Diese stehen in der Regel auch in einem engen, persönlichen Kontakt zueinander. Hinzu kommt, dass die Wiedergabe von urheberrechtlich geschützten Werken im Rahmen des Unterrichts nicht kommerziell ist. In der Literatur wird daher zunehmend vertreten, dass es sich bei Wiedergaben vor Schulklassen nicht um öffentliche Wiedergaben handelt. Eine weitere Ausnahme für Filme oder Sendungen gibt es für sog. Schulfunksendungen. Schulfunksendungen sind speziell für den Unterricht konzipierte Wissenssendungen und als solche gekennzeichnet. Schulfunksendungen können gemäß §47 UrhG aufgenommen und im Unterricht abgespielt werden. Die Kopie darf bis zum Ende des folgenden Schuljahres aufbewahrt werden.

Dürfen für das Erstellen eigener Arbeitsblätter oder Prüfungsaufgaben Bilder, Grafiken oder Texte von anderen verwendet werden?

Hier ist zunächst zu ermitteln, ob es sich um urheberrechtlich geschützte Werke handelt. Da das Urheberrecht kein Registerrecht ist, d. h. das Urheberrecht nirgendwo eingetragen wird, sondern kraft Schöpfung entsteht, muss eine eigene Bewertung dahin gehend vorgenommen werden, ob das konkrete Werk die sog. Schöpfungshöhe erreicht hat und daher urheberrechtlich geschützt ist (siehe S. 5 der Handreichung). Möchte man nur reine Information, Fakten oder wissenschaftliche Lehren verwenden, so ist dies unproblematisch möglich, da diese nicht urheberrechtlich geschützt sind. Ist dagegen die wissenschaftliche Lehre oder Formel besonders verständlich aufbereitet, z.B. durch Bilder oder Grafiken angereichert, dann handelt es sich um eine individuelle Leistung und es sollte von einem Urheberrechtsschutz ausgegangen werden. Denn an die erforderliche Schöpfungshöhe werden nicht allzu hohe Anforderungen gestellt und auch Werke, die nur ein Mindestmaß an Individualität aufweisen, sind über die „Kleine Münze“ (siehe S. 5 der Handreichung) des Urheberrechts geschützt. Dann sollte geprüft werden, ob das fragliche Werk vielleicht unter einer offenen Lizenz steht und der Urheber der Allgemeinheit das Werk zur freien und unentgeltlichen Nutzung zur Verfügung gestellt hat. Ist dies der Fall, kann das Werk unter den Bedingungen der vom Urheber gewählten Standardlizenz verwendet werden. Steht das Werk z.B. unter der CC-Lizenz „CC-BY-NC“, kann es zu nicht-kommerziellen Zwecken und unter Nennung des Autors verwendet werden. Der Unterrichtsgebrauch stellt in der Regel eine nicht-kommerzielle Verwendung dar, sodass das Werk dann einfach und auch vollständig genutzt werden kann. Steht das Werk nicht unter einer offenen Lizenz, dann kann es unter den Voraussetzungen des § 60a UrhG genutzt werden. Die Erstellung von Arbeitsblättern und Prüfungsaufgaben ist eine „Veranschaulichung des Unterrichts“. Die Lehrerin oder der Lehrer kann also z.B. aus Sprachwerken bis zu 15% für die Erstellung eigener Arbeitsblätter erlaubnisfrei verwenden. Bilder und Grafiken können sogar vollständig genutzt werden, weil sie Werke geringen Umfangs sind. Dasselbe gilt für vergriffene Werke sowie wissenschaftliche Artikel.

Dürfen Teile aus dem verwendeten Schulbuch oder auch anderen Schulbüchern für den Unterricht kopiert werden?

Schulbücher werden speziell für den Schulbereich hergestellt und sind auch als solche gekennzeichnet. Sie werden für bestimmte Länder, Schularten und Klassenstufen hergestellt. Da der Absatzmarkt für Schulbücher deswegen sehr begrenzt ist, dürfen diese weder ganz noch in Teilen kopiert, verbreitet oder vervielfältigt werden. Die Schülerinnen und Schüler bzw. die Schule müssen/muss das Schulbuch vom Urheber bzw. Rechteinhaber erwerben. Verwendet werden dürfen aber die reinen Fakten, Informationen bzw. Lehren, die in einem Schulbuch zu finden sind. Denn Informationen als solche sind nicht urheberrechtlich geschützt.

Können auch Schülerinnen und Schüler Urheber sein?

Ja. Das Urheberrecht hängt nicht davon ab, wie alt jemand ist oder ob er bzw. sie bereits geschäftsfähig ist. Der Schöpfer des Werkes ist auch der Urheber. Schöpfen mehrere gemeinsam ein Werk, z.B. ein Schülervideo, sind sie gemeinsam Urheber, sog. Miturheber. Sie können und müssen dann gemeinsam ihr Urheberrecht ausüben. Das bedeutet auch, dass die Schülerinnen und Schüler darüber entscheiden können, ob ihr Video auf die Webseite der Schule gestellt oder in der Klasse vorgeführt wird oder nicht. In der Regel genügt es für das Einverständnis – gerade für das Zeigen vor der Klasse –, dass die Schülerinnen und Schüler wissen, dass ihr Werk nach Fertigstellung in der Klasse gezeigt werden soll. Auch eine Schülerzeitung kann Urheberrechtsschutz genießen. Für den urheberrechtlichen Schutz kommt es auch nicht darauf an, ob die Zeitung kostenlos ist oder nicht. Sämtliche Artikel, Lichtbilder etc. in einer solchen Zeitung können urheberrechtlich geschützt sein.

Dürfen für den Unterricht Zeitungsartikel kopiert, ausgeteilt und besprochen werden?

Ja. In Betracht kommen verschiedene gesetzliche Erlaubnisse. Über § 60a UrhG können bis zu 15% eines Werkes zur Veranschaulichung im Unterricht zustimmungsfrei genutzt werden. Bei Zeitungen dürfte die 15%-Grenze je Artikel zu verstehen sein, d. h., 15% eines Artikels können für den Unterricht kopiert oder verteilt werden. Handelt es sich um einen Artikel aus einer wissenschaftlichen Zeitschrift oder Fachzeitschrift, kann dieser sogar vollständig genutzt werden. Bei Artikeln aus Tageszeitungen und Publikumszeitschriften (z.B. „Der Spiegel“) greift die 15%-Grenze. Möglich ist auch, sich auf die gesetzliche Erlaubnis nach § 49 UrhG zu stützen. § 49 UrhG erlaubt die Vervielfältigung vollständiger Artikel aus einer oder auch verschiedenen Tages- und ggf. Wochenzeitungen, sofern die jeweiligen Artikel politische, wirtschaftliche oder religiöse Tagesfragen betreffen. Es dürfen jedoch nur einzelne Artikel aus einer oder aus mehreren Tageszeitungen kopiert, verbreitet oder online zugänglich gemacht werden. Da § 49 UrhG nicht zweckgebunden ist, können einzelne Zeitungsartikel auch für den Unterricht kopiert, verbreitet oder online zugänglich gemacht werden.