"Vage, aber spannend": 30 Jahre WWW

Am Forschungszentrum CERN in der Schweiz entstand vor dreißig Jahren die Idee für das World Wide Web. Ursprünglich sollte das System dem Austausch wissenschaftlicher Informationen dienen, heute hat es die Welt nachhaltig verändert.

Tim Berners-Lee groß
Tim Berners-Lee entwickelte 1989 am CERN das Internet. Im März stellte er seine Idee eines „Informationsmanagement-Systems“ erstmals vor. © CERN

Vor genau dreißig Jahren stellte der britische Wissenschaftler Tim Berners-Lee am Forschungszentrum CERN in der Schweiz eine Idee vor, die die Welt für immer verändern sollte: das Konzept eines neuartigen Hypertext-Systems – heute besser bekannt als das World Wide Web. Berners-Lee war zu dieser Zeit als Softwareentwickler an dem internationalen Forschungszentrum nahe Genf tätig, wo er gemeinsam mit Forschenden aus aller Welt arbeitete.

Hierbei fiel ihm auf, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Probleme hatten, ihre Daten untereinander auszutauschen. Zu unterschiedlich waren die vielen Systeme, die sie nutzten. So entwickelte Berners-Lee in Zusammenarbeit mit seinem belgischen Kollegen Robert Cailliau den ersten Entwurf einer Idee, die das Leben von Milliarden Menschen weltweit binnen kurzer Zeit verändern würde.

In dem Dokument „Information Management: A Proposal“ von 1989 skizzierte Berners-Lee das Fundament für das World Wide Web wie wir es heute kennen. Das revolutionäre dabei: Das „Mesh“ („Netz“), wie Berners-Lee es anfangs noch nannte, ermöglichte einfache Datentransfers durch die Nutzung eines universellen Übertragungsstandards. Über ein einheitliches Adressformat wurde es plötzlich möglich, Webseiten unabhängig vom genutzten Computersystem über einen „Browser“ anzusteuern.

Aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken

Zudem vereinfachte Berners-Lee’s Ansatz die Navigation erheblich, indem über Mausklicks elektronische Querverweise, sogenannte Hyperlinks, besucht werden konnten. So sollte ursprünglich ein „Netz“ wissenschaftlicher Artikel entstehen, die alle miteinander verflochten waren. Schnell wurde Berners-Lee jedoch klar, dass die Anwendungen für das Konzept noch viel weitreichender waren: Ein World Wide Web würde den bereits damals Millionen von Computern ermöglichen, universell Informationen miteinander auszutauschen. Am 6.8.1991 machten Berners-Lee und das CERN das World Wide Web öffentlich und weltweit verfügbar.

Mit einigen wenigen Worten beschrieb sein damaliger Vorgesetzter am CERN, Mike Sendall, Berners-Lee’s Idee: „Vage aber spannend…“. Diese Einschätzung steht in gewisser Weise sinnbildlich für das riesige Potenzial, das Grundlagenforschung seit jeher birgt. Heute ist das World Wide Web aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Es ermöglicht Milliarden Menschen weltweit auf einen kollektiven Wissensspeicher zuzugreifen: Wir informieren uns über das Netz, wir kommunizieren und Arbeiten über das Netz, wir kaufen sogar darüber ein.

Es hat unzählige Prozesse des Alltags vereinfacht, birgt dabei gleichzeitig aber auch immer neue Herausforderungen für unsere Gesellschaft. An Forschungsinstituten wie dem CERN, das über das Bundesministerium für Bildung und Forschung maßgeblich mitfinanziert wird, verschieben wir die Grenzen unseres Wissens.

Dementsprechend ist es durchaus möglich, dass wir in dreißig Jahren - neben dem 60. Geburtstag des WWW -  einen weiteren wissenschaftlichen Durchbruch feiern: einen, der gerade jetzt in einem der vielen Labore und Forschungseinrichtungen weltweit seinen Anfang nimmt.