Verleihung der Alexander von Humboldt-Forschungsprofessuren

Grußwort der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, am 12. Mai 2015 in Berlin  

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Weltoffenheit und Exzellenz – diese Kombination ist das Erfolgsrezept der Alexander von Humboldt-Professuren: Für Exzellenz stehen die Preisträger, die heute geehrt werden, mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Weltoffenheit dagegen wird zwar immer als Grundprinzip der Wissenschaft beschrieben, aber längst nicht immer gelebt.

Mit der Alexander von Humboldt-Professur wollen wir Weltoffenheit konkret machen. Auch Alexander von Humboldt, der Namensgeber dieses Preises, war besonders mit Blick auf die Wissenschaft ein großer Verfechter von Weltoffenheit.

Internationale Kooperationen und Forschungsaufenthalte in anderen Ländern sind wertvoll: Für die Wissenschaftler, die neben Erkenntniszuwachs auch persönlich neue Erfahrungen sammeln. Und für die Gastländer, in denen dank Wissenschaftlern aus dem Ausland Forschung und Entwicklung vorangetrieben werden.

Liebe Preisträgerinnen und Preisträger, ich gratuliere Ihnen herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung. Sie haben unsere höchste Wertschätzung verdient.

Ich danke gleichzeitig der Auswahljury und der Alexander von Humboldt-Stiftung für das gute Gespür, mit dem sie unsere Preisträgerinnen und Preisträger ausgewählt haben. Ich persönlich freue mich, dass es vier Frauen sind und ein Mann, die heute hier ausgezeichnet werden.

Sieben Jahre Humboldt-Professur liegen nun hinter uns. 39 Professoren und 7 Professorinnen sind seit 2008 zu uns gekommen. Die Humboldt-Professur ist auf einem guten Weg. Das zeigen uns auch die Rückmeldungen aus den Universitäten und den Einrichtungen, an denen die Preisträgerinnen und Preisträger tätig sind. Wie gut wir schon sind, wird die Programmevaluation zeigen, die die Stiftung in diesem Jahr auf den Weg bringen wird.

Wir wissen: Wissenschaftler können nur dann exzellente Arbeit leisten, wenn ihnen die entsprechenden Rahmenbedingungen zur Verfügung stehen. Deshalb sind wir alle sehr froh über die Weichenstellungen, die uns innerhalb kürzester Zeit gelungen sind. Das ist bei Verhandlungen zwischen Bund und Ländern nicht immer einfach.

Wir haben entschieden, den Hochschulpakt, den Pakt für Forschung und Innovation sowie die Exzellenzinitiative auf hohem Niveau fortzuführen. Den Grundsatzbeschluss der Wissenschaftsminister haben die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder im Dezember einstimmig bestätigt. Es gibt eine Nachfolgeaktivität der Exzellenzinitiative. Das Finanzvolumen, das Bund und Länder bisher zur Verfügung gestellt haben, wird in dieser Größenordnung auch künftig für die Exzellenzinitiative bereit stehen. Es gibt jetzt viele Vorschläge für die Zukunft. Auch wir denken intensiv darüber nach und haben Ideen. Aber wir warten das Ergebnis der Imboden-Kommission ab. Sie hat den Gesamtblick auf das System und soll herausfinden, was die Exzellenzinitiative mit dem Wissenschaftssystem in Deutschland insgesamt gemacht hat. Ende 2015 erwarten wir die Ergebnisse. Mein guter Vorsatz ist, dass wir Anfang 2016 schnell entscheiden und dann klar ist, wie es weitergeht.

Wir haben eine neue Qualität der Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern mit der Änderung von Artikel 91b unserer Verfassung erreicht.

Durch die dauerhafte Übernahme des BAföG durch den Bund haben die Länder neue Spielräume für eine ambitionierte Wissenschaftspolitik erhalten. Das bedeutet: Erstmals gibt es dauerhaft und nicht nur temporär Geld für Dauerstellen.

Und nun beraten wir über planbare und transparente Karrierewege in der Wissenschaft. Mit Blick auf die Karrieremöglichkeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses stehen wir in Deutschland vor zwei Herausforderungen: Zum einen wächst die Zahl der befristeten Stellen im Wissenschaftssystem stark an. Die Balance zwischen befristeten und unbefristeten Stellen ist nicht mehr gewahrt. Wir müssen hier wieder eine vernünftige Relation herstellen. Und zum zweiten müssen wir langfristige Perspektiven schaffen. Wir müssen besonders unseren vielen jungen Wissenschaftlern – auch jenen, die im Ausland sind – in einem frühen Stadium ihrer Karriere aufzeigen, welche Perspektiven sie in Deutschland haben. Deswegen sind wir vonseiten des Bundes zu einem gemeinsamen finanziellen Engagement bereit – nicht für ein temporäres Programm, sondern für einen Strukturwandel. Wir wollen damit schon jungen Wissenschaftlern ein höheres Maß an Sicherheit geben.

Neben diesen Rahmenbedingungen leisten wir noch mehr, um besonders die Internationalität unseres Wissenschaftsstandortes zu stärken. Im Vergleich zur Situation Ende der 1990er-Jahre hat sich viel geändert. Damals haben wir geschimpft, dass viele weggehen, zu wenige kommen und hierbleiben und wir nicht attraktiv genug sind.

Das ist heute anders. Wir sind nach den USA das zweitbeliebteste Einwanderungsland. Im Jahr 2012 haben die 33 deutschen Förderorganisationen die Deutschland-Aufenthalte von rund 46.000 ausländischen Wissenschaftlern finanziell unterstützt. Außerdem haben wir im Moment an deutschen Hochschulen im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der wissenschaftlichen und künstlerischen Mitarbeiter mit ausländischer Staatsbürgerschaft von über sieben Prozent.

Am 14. und 15. Mai 2015 berät die Bologna-Nachfolgekonferenz in Jerewan nicht nur über weitere Verbesserungen bei der Anerkennung von Studienleistungen im Europäischen Hochschulraum, sondern auch über Auslandsaufenthalte von Verwaltungsmitarbeitern. Für die Internationalisierung der Hochschulen ist das ein gutes und wichtiges Thema.

Außerdem ebnen wir deutschen Rückkehrern den Weg. Beispielsweise haben wir mit GAIN ein Forum zur Vernetzung der deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Nordamerika, das gleichzeitig eine Plattform für den besseren Informationsfluss über den Atlantik ist.

Trotzdem haben wir noch nicht genug getan. Junge Forscher, die ins Ausland gegangen sind, wünschen sich verlässliche Informationen zu ihren Chancen und Möglichkeiten in Deutschland. Und das müssen in gewissem Maße unbefristete Perspektiven sein. Ansonsten werden unbefristete Angebote in einem anderen Land vorgezogen – auch wenn sie vielleicht schlechter ausgestattet und nicht so gut sind. Das trifft besonders für Frauen zu, die sich aus ganz nachvollziehbaren Gründen Sicherheit wünschen.

Liebe Humboldt-Professoren, ich lade Sie ein, mit Ihrer Erfahrung aus verschiedenen Wissenschaftssystemen und Wissenschaftskulturen strukturelle Veränderungen mit anzustoßen. Bringen Sie Ihre Vorschläge in Ihre Hochschule ein! Für die Politik kann ich sagen, dass wir Ihnen zuhören. Erst im Dezember hat sich die Bundeskanzlerin zu einem mehrstündigen Gespräch mit Vertretern aus Wissenschaftseinrichtungen und Hochschulen – darunter auch einigen Humboldt-Professoren – getroffen.

Sie, liebe Humboldt-Professoren, können ein Beispiel für Studierende sein und sie ermutigen, es Ihnen gleichzutun. Sie sind für uns wichtig. Sie sind Leuchttürme, auch für Exzellenz in Deutschland. Und Sie sind Brückenbauer, nicht nur zwischen Wissenschaftssystemen, sondern auch zwischen unterschiedlichen Kulturen. Wir freuen uns, dass Sie hier sind.

Sokrates hat einmal gesagt: „Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen“. Sie haben beste Voraussetzungen, mit Ihrer Arbeit sehr viel Bewegung in die Wissenschaft zu bringen. Seien Sie herzlich willkommen in Deutschland.

Vielen Dank.