Verleihung des CEBIT Innovation Award

Laudatio der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek in Hannover

Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Laudatio © Deutsche Messe

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr verehrter Herr Ministerpräsident Weil,
sehr geehrte Frau Kommissarin Gabriel,
lieber Herr Kollege Altmaier,
sehr geehrte Frau Rometty,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

Der technische Fortschritt macht unser Leben immer einfacher. Ein Beispiel: unsere Navigationsgeräte im Auto. Wenn Peter Altmaier mal wieder zu mir ins Münsterland kommt, um dort den Bioenergiepark Saarbeck zu besuchen (da war er schon mal), dann ist das für ihn ein Kinderspiel – dank Navi!

Und so geht es schon immer. Zu Beginn sahen die Entwicklungen noch etwas anders aus: Nehmen wir mal ein Beispiel aus der Landwirtschaft: Wo früher Pferdestärken und Manneskraft gefragt waren, regieren heute GPS und Hightech-Traktoren. Schön zu sehen, dass Fortschritt seit Jahrhunderten den Menschen begleitet, um sein Leben komfortabler zu machen.

Technischer Fortschritt ist also immer schon der Nährboden unserer Gesellschaft und Volkswirtschaft. Schon immer aber gab es auch den Zweifel im Herzen der Menschen, ob alle Entwicklungen zum Wohle der Gesellschaft sind. Technologische Innovationen brauchen deshalb Zeit, bis sie auf den Weltmärkten etabliert sind und das Vertrauen der Menschen gewinnen.

Zu Beginn der automobilen Revolution etwa war der Erfolg der motorisierten Fahrzeuge nicht absehbar. Die Bevölkerung reagierte zunächst skeptisch auf die lauten Ungetüme. Selbst Vordenker der Automobilindustrie haben ihr Potenzial zunächst unterschätzt. So ließ sich der deutsche Ingenieur Gottlieb Wilhelm Daimler im Jahre 1901 zu dem Satz hinreißen:

"Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten - allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren".

Mit dem Fachkräftemangel lag er ja richtig, aber allein in Deutschland sind aktuell etwa 57 Millionen Kraftfahrzeuge registriert. Und dass heute jeder mobil sein kann, ist die Einlösung eines Wohlstandsversprechens: die freie und mobile Gesellschaft.

Allerdings stehen wir damit vor neuen Herausforderungen: Tödliche Unfälle, kilometerlange Staus, Klimaschäden und Luftverschmutzung sind einige davon.

Aktuell schwebt dauernd das Damokles-Schwert „Fahrverbot“ über Deutschland. Daher braucht es neben der Abgasreduzierung innovative Ansätze, um unnötigen Verkehr zu reduzieren.

Nun gibt es ja schon viele Ideen rund um des Deutschen liebstes Kind. Autonomes Fahren und Car-Sharing-Modelle will ich nur als Stichworte nennen.

Aber eine weitere wirklich interessante Idee hatten die Preisträger des diesjährigen CEBIT Innovation Award. Mithilfe Künstlicher Intelligenz haben drei junge Männer aus Braunschweig die App „AIPARK“ [ausgesprochen „EI-Park“] entwickelt. Sie hilft uns bei der Parkplatzsuche.

Wer häufig in Großstädten unterwegs ist, weiß, wie viel Lebenszeit wir verschwenden, Runde um Runde um das gewünschte Ziel zu drehen. Kein Parkplatz in Sicht. Nervig – und sinnlos.

Allein in Deutschland verbringen Autofahrer (laut Prognos-Institut) über eine halbe Milliarde Stunden pro Jahr damit, einen Parkplatz zu suchen. Die Idee dieses innovativen Trios ist deshalb nicht nur gut für die Nerven der einzelnen Autofahrer, sondern ebenso für die Umwelt.

Denn hierfür können wir in Zukunft die AIPARK-App nutzen. Sie analysiert Verkehrs-, Infrastruktur- und Sozialdaten und leitet daraus Empfehlungen für den nächst möglichen freien Parkplatz ab. Wer in die Stadt fahren will, kann sich schon vor der Fahrt über die Parkplatzsituation am Zielort informieren und entsprechend navigieren.

Die Wahrscheinlichkeit, einen freien Parkplatz auch wirklich zu erhalten ist hoch: Denn die App nutzt Echtzeitdaten und im Datenpool sind bereits etwa 60 Millionen Parkplätze enthalten. Und das System lernt: Je mehr Nutzer mitmachen, umso besser. Eine gelungene Lösung, die den Preis wirklich verdient hat. Ich würde mich sehr freuen, wenn andere Tüftler sich angespornt fühlen, Innovationen zu entwickeln, die den Menschen nutzen.

Herzlichen Glückwunsch zum CEBIT Innovation Award, liebe Herren Glaab, Riedel und Rudnik. Sie haben AIPARK entwickelt. AIPARK wird uns manchen Besuch in der Stadt erleichtern.