Verleihung des Deutsch-Afrikanischen Innovationsförderpreises

Ansprache der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek in Berlin

Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Herren Botschafter,
sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger,
sehr geehrte deutsche Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner,
sehr geehrte Mitglieder der Auswahljury,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

Herzlich willkommen im Bundesministerium für Bildung und Forschung! Ich freue mich, Sie heute hier an diesem Ort zur Verleihung des Deutsch-Afrikanischen Innovationsförderpreises zu begrüßen – ein Ort, der dreifach die wertvolle Verbindung zwischen meinem Haus und dem heute zu vergebenen Preis zeigt.

  1.  Mein Ministerium hat diesen Preis das erste Mal ausgelobt. Da ist es schön, die Verleihung hier vorzunehmen.
  2. Wir verleihen einen Innovationspreis. Und Innovationen zeichnen dieses Gebäude aus. Durch seine intelligent vernetzte Energieversorgung erfüllt es höchste Anforderungen an Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Auch inhaltlich geht es unter diesem Dach um Innovationen. Für Bildung, Forschung und Innovation wird hier jeden Tag gearbeitet.
  3. Der Standort des Hauses zeigt, wo diese Arbeitsgebiete für die Bundesregierung liegen: im Zentrum des Geschehens. So wie das Ministerium im Zentrum der deutschen Hauptstadt liegt – mit Blick auf das Parlament und die Regierungszentrale; so liegen Bildung Forschung und Innovation im Zentrum der Regierungsarbeit.

I.

„Be the change that you wish to see in the world.” Dieser Satz von Mahatma Ghandi fordert uns auf, mutig voranzugehen. Beispiele für solchen Mut sind die Preisträgerin und die Preisträger aus Ägypten, Kenia, Nigeria und Uganda: Mit Ihren innovativen Projekten tragen sie zu einer besseren Zukunft des Kontinents bei.

Sie sind Vorbilder und wichtige Verantwortungsträger! Mutige, kreative Menschen wie Sie brauchen unsere Gesellschaften. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Fragen stellen, gemeinsam nach Lösungen suchen. Menschen, die ihre Verantwortung wahrnehmen, die mit ihren Forschungsergebnissen zu einem besseren Leben in Afrika beitragen.

Entscheidend an Ihrem Handeln finde ich, dass Sie nach Lösungen für die Herausforderungen in Ihrer Heimat suchen, ihre Ergebnisse kommunizieren und Strategien entwickeln, wie sie umgesetzt werden können. Wissenschaft, die in die Gesellschaft hineinwirkt; Wissenschaft, die sich erklärt und verdeutlicht, dass Forschung und Innovation uns allen Chancen eröffnet, das ist mir wichtig. Das finde ich persönlich an Ihren Projekten, liebe Preisträgerin und liebe Preisträger, besonders auszeichnungswürdig.

Dafür verleihen wir Ihnen heute den Deutsch-Afrikanischen Innovationsförderpreis. Es ist das erste Mal, dass wir einen Innovationsförderpreis für die deutsch-afrikanische Forschung ausgelobt haben.

II.

Liebe Frau Dr. Musiimenta,
lieber Herr Dr. Khalil,
lieber Herr Dr. Muchilwa,
lieber Herr Dr. Olonade,

Sie forschen in ganz unterschiedlichen Themenbereichen:

  • Informations- und Kommunikationstechnologien,
  • Materialforschung,
  • Solar- und Agrartechnik.

Eines eint Sie: Ihre Forschung ist anwendungsorientiert.

Ihre Forschungsergebnisse bilden nicht nur die Grundlage für neue Produkte, Prozesse und Dienstleistungen, die an die Bedürfnisse vor Ort angepasst sind. Sie tragen zudem zum Aufbau neuer Innovationsstrukturen in Afrika bei und unterstützen lokale und regionale Wertschöpfungsketten. Damit stärken Sie die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika und schaffen Perspektiven, zum Beispiel für neue Arbeitsplätze.

Und Sie sind gleichzeitig Vorbilder für exzellente afrikanische Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Ihre Auszeichnung soll auch Motivation und Ansporn für die vielen Nachwuchstalente an afrikanischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen sein.

Ein wichtiger Schlüssel Ihres Erfolgs ist die Zusammenarbeit mit Ihren deutschen Partnern. Wir vergeben den Preis für Kooperationsprojekte, damit Sie gemeinsam ihre Forschungsergebnisse weiterentwickeln und neue Innovationsstrukturen in Afrika aufbauen. Die Auszeichnung in Höhe von jeweils 150.000 Euro erhalten Sie und Ihre deutschen Partner zu gleichen Teilen.

Denn gemeinsam gelingt mehr als allein. Durch Kooperation und eine Vielfalt der beteiligten Akteure erreichen wir unsere Ziele besser und schneller. Das gilt auch und möglicherweise gerade für Wissenschaft und Forschung. Die Herausforderungen der Welt von morgen reichen über Grenzen einzelner Länder hinaus. Sie verlangen gemeinsame Antworten. Deshalb setzen wir in der Bundesregierung auf eine stärker vernetzte Zusammenarbeit in Bildung und Wissenschaft. Vernetzung und gute Zusammenarbeit wollen wir mit dem Deutsch-Afrikanischen Innovationspreis fördern.

Die deutschen Kooperationspartner der ausgezeichneten Projekte haben einen großen Anteil am gemeinsamen Erfolg. Auch Ihnen gilt unser Dank und unsere Anerkennung. Ihre gemeinsamen Projekte bilden die Grundlage für eine vertiefte deutsch-afrikanische Zusammenarbeit über das Projekt hinaus.

Diese Zusammenarbeit sorgt in verschiedenster Hinsicht dafür, dass unsere vier geförderten Projekte zu erfolgreichen Innovationsmotoren werden können:

Erstens ergänzt sich das Know-How der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die deutsch-ägyptische Kooperation, die heute prämiert wird, ist nicht zuletzt deshalb so erfolgsversprechend, weil hier unterschiedliche Expertisen aufeinander treffen: Das Team um Herrn Dr. Khalil bringt viel Erfahrung in der Entwicklung hybrider Sonnenkollektoren mit, während das Team um Frau Professorin Eicker diese Systeme evaluiert und Energiekonzepte entwickelt. Zusammen machen Sie einen entscheidenden Schritt in Richtung größerer Nachhaltigkeit von Gebäuden.

Zweitens bereichern die kulturell unterschiedlich geprägten Perspektiven der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Forschungsprojekt. So berichten Sie, Frau Dr. Musiimenta und Herr Professor Pinkwart, dass gerade die kulturelle Perspektive von Fragen rund um die Gesundheit von Schwangeren und Müttern in Uganda ihr Forschungsprojekt vorangebracht habe.

Drittens gibt es vor Ort in Afrika nicht immer die geeigneten Infrastrukturen und Rahmenbedingungen, um an anwendungsorientierten Lösungen zu forschen. So profitiert die deutsch-nigerianische Kooperation rund um Herrn Dr. Olonade und Herrn Dr. Schmidt von den deutschen Forschungsanlagen und technischen Mitteln, um die Wiederverwertung von Maniok-Abfällen in Nigeria zu erforschen.

Viertens geht es um Vernetzung. So wollen Herr Dr. Muchilwa und Herr Professor Hensel ihre deutsch-kenianische Kooperation erweitern, um mit anderen Tropenforschungseinrichtungen in Deutschland sowie weiteren Universitäten in Kenia und Ghana zusammenzuarbeiten. Ihr Projekt zielt darauf ab, die Kontamination von Getreide durch Schimmelpilzgifte zu reduzieren.

III.

Meine Damen und Herren,

Afrika ist ein Kontinent mit vielfältigen Herausforderungen: So treffen zum Beispiel die Folgen des Klimawandels Afrika besonders stark. Das gefährdet die Lebensgrundlage vieler Menschen. Bis 2050 wird sich zudem die Bevölkerung voraussichtlich mehr als verdoppeln.

Bereits heute liegt das Durchschnittsalter in Afrika bei nur 19 Jahren. Die enorm schnell wachsende Bevölkerung benötigt sicheren Zugang zu sauberem Wasser, zu Nahrungsmitteln, zu medizinischer Versorgung und modernen Energie- und Verkehrsinfrastrukturen. Die hohe Arbeitslosigkeit trifft insbesondere Jugendliche, aber auch gut ausgebildete junge Akademiker. Die Folge sind Flucht und Migration.

Wie lassen sich diese und die vielen weiteren Herausforderungen bewältigen? Wie können aus den Herausforderungen Chancen werden? Ich bin überzeugt: Bildung, Forschung und Innovation sind der Schlüssel dazu. Auch wenn sich Afrika und Europa in vielem unterscheiden mögen: Moderne Bildung brauchen wir als Grundlage für ein Leben in Eigenverantwortung und Selbstständigkeit – und zwar überall auf der Welt.

In Afrika mit seiner sehr jungen Bevölkerung kann die Bildung breiter Bevölkerungsschichten langfristig Perspektiven eröffnen. Sie gilt es zu stärken und auszubauen – von der Schule über die berufliche Bildung und die Hochschulen bis ins lebenslange Lernen. Dazu braucht es noch viele Anstrengungen, zu denen Deutschland beitragen möchte.

Eine große Herausforderung besteht auch darin, gut ausgebildete „kluge Köpfe“ in Afrika zu halten. Dem „Brain Drain“ müssen wir entgegenwirken. Die Talente des Kontinents müssen sich in ihrer Heimat entfalten können, um die großen Herausforderungen zu meistern, Perspektiven zu eröffnen und eine hoffnungsvolle Zukunft zu gestalten.

Afrika ist ein Kontinent der Potenziale und der Chancen. Wir wollen, dass diese Potenziale ausgeschöpft werden. Dafür haben wir hier im Bundesforschungsministerium eine Afrika-Strategie entwickelt - als Rahmen für die Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten. Wir möchten dazu beitragen, dass Seite an Seite mit den lokalen Partnern Forschung und Innovation gutes Leben in ihrer Heimat möglich machen. Sie, liebe Preisträgerin und liebe Preisträger, sind dafür sehr gute Beispiele:

  • Ihre Projekte erzeugen einen beiderseitigen Mehrwert durch qualitativ hochwertige Zusammenarbeit und Fokussierung auf gemeinsam definierte Bereiche;
  • sie berücksichtigen afrikanische und deutsche Interessen;
  • sie basieren auf partnerschaftlicher und eigenverantwortlicher Zusammenarbeit;
  • und sie garantieren Kontinuität und Verlässlichkeit.

Mit unserer Afrika-Strategie werden wir künftig besonders Wissenstransfer und Innovation sowie die Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft fördern. Dazu werden wir zum Beispiel verstärkt in Hochschulbildung und wissenschaftlichen Nachwuchs investieren. Unsere Forschungskooperationen sollen dazu beitragen, Armut und Hunger zu bekämpfen, allen Menschen ein gesundes Leben zu ermöglichen und ihren Zugang zu sauberem Wasser, nachhaltiger Energie und hochwertiger Bildung sicherzustellen.

Der Deutsch-Afrikanische Innovationsförderpreis passt damit sehr gut zu unseren Zukunftszielen. Deshalb werden wir den Preis in den kommenden Jahren fortführen und der deutsch-afrikanischen Zusammenarbeit damit auch weiterhin starke Impulse geben. Den nächsten Preis werden wir bereits in diesem Sommer ausloben.

IV.

Liebe Preisträgerin, liebe Preisträger, Ihre ausgezeichneten Arbeiten machen Mut. Sie zeigen, was sich durch gemeinsames Denken und Handeln erreichen lässt. Denn Sie haben sich in einem dichten Wettbewerberfeld mit Ihren Forschungsleistungen und Verwertungskonzepten durchgesetzt. Sie konnten die Auswahljury überzeugen.

Wir wünschen uns, dass Ihr Mut ansteckt. Die vielen spannenden Projektskizzen im aktuellen Wettbewerb machen uns Mut. Wir sind schon sehr gespannt auf das Ergebnis des nächsten Wettbewerbs. Im Namen der Bundesregierung, aber auch ganz persönlich, gratuliere ich Ihnen von Herzen zu Ihrer Auszeichnung. Für Ihre weitere wichtige Arbeit wünsche ich Ihnen viel Erfolg! Danke, dass Sie mit Ihrer Leistung ein so wichtiges Zeichen für die Zukunft setzen.