Verleihung des Hermes Award

Rede von Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, auf der Preisverleihung im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung zur Hannover Messe

Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede im Rahmen der Verleihung des Hermes Award 2018 © Hannover Messe

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, 
sehr geehrter Herr Präsident Peña Nieto,
sehr geehrte Damen und Herren Minister, 
sehr geehrte Herren Kommissare und Ministerpräsidenten,
sehr geehrte Abgeordnete und Staatssekretäre aus Bund, EU und Ländern,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Schostock,
Exzellenzen,
sehr geehrte Aussteller und Besucher der Hannover Messe 2018,
meine Damen und Herren!

Robotik, künstliche Intelligenz und virtuelle Realitäten: Die Hannover Messe 2018 präsentiert die Zukunft der Industrie. Kleine wie große Unternehmen und Forschende aus aller Welt versammeln sich hier und zeigen auf eindrucksvolle Weise neue Technologien und Verfahren, die die Welt verändern. Es ist mir eine große Freude und Ehre, dieses Jahr in Hannover dabei zu sein und den Preisträger des Hermes Award 2018 vorzustellen zu dürfen:

Es ist das Unternehmen Endress + Hauser Messtechnik aus Weil am Rhein, das sich mit dem selbstkalibrierenden Thermometer namens „iTherm Trust Sens TM371“ um den international begehrten Technologiepreis beworben hat – und die Jury überzeugen konnte. Meinen herzlichen Glückwunsch an Herrn Harald Hertwec und Herrn Giovanni Colucci. und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Endress + Hauser!

Uns allen ist sehr bewusst: Eine geniale Idee ist wichtig für den Erfolg eines Unternehmens. Sie schnell auf den Markt zu bringen und sich damit bei den Anwendern durchzusetzen, ist ein hartes Stück Arbeit. Deshalb wurde vor 15 Jahren der HERMES AWARD ins Leben gerufen. Ein Preis, der unterstützen soll, Innovationen weiter zu vermarkten. Bei der Auswahl des Preisträgers geht es stets nicht nur um einen hohen technologischen Innovationsgrad, sondern – und das ist mir als Bildungs- und Forschungsministerin auch besonders wichtig – dass eine Innovation für die Gesellschaft, für die Industrie und für die Umwelt einen echten Mehrwert bringt.

Denn Innovationen brauchen vor allem eins: Das Vertrauen der Menschen. Vertrauen in die Zuverlässigkeit, in die Beherrschbarkeit und in die Sicherheit von neuen Technologien und Systemen. Und um die Stärkung dieses Vertrauensgeht es bei der Neuentwicklung von Endress + Hauser ganz besonders.

Jetzt fragen Sie sich: Was ist der Temperatursensor „iTherm TrustSens TM 371“? 

Technisch gesprochen: Es ist ein selbstkalibrierender Sensor für sicherheits- und qualitätsrelevante Prozesstemperatur-Messungen. Ein Sensor, der genau dort ansetzt, wo wir alle auf eine sichere Produktion von höchster Qualität vertrauen: In der Pharma- und der Lebensmittelindustrie. Denn bei der Herstellung von Medikamenten und Lebensmitteln können schon geringste Abweichungen von der vorgegebenen Prozesstemperatur die Produktion verderben – was schwerwiegende Folgen für Verbraucher und Hersteller haben kann. Es ist also wichtig, dass die Temperatur immer genauestens überwacht wird und das geht nur mit einem jederzeit exakten Temperatursensor. 

Dafür betreiben Unternehmen heute einen erheblichen Aufwand. So verfügt etwa ein Pharmabetrieb im Durchschnitt über 1.000 Temperaturmessstellen. Von diesen muss jede einzelne einmal oder sogar zweimal im Jahr ausgebaut und neu kalibriert werden. Mit dem TrustSens ist all dies nicht mehr nötig. Denn dieser Sensor kalibriert sich vollautomatisch und ist damit jederzeit exakt eingestellt. So kann der TrustSens bei minimalem Aufwand für eine maximale Produktsicherheit sorgen. Genial!

Hinter dem TrustSens stehen 10 Jahre Forschung und Entwicklung. Hinter dem Unternehmen Endress + Hauser über sechs Jahrzehnte Entwicklungsarbeit. Endress + Hauser wurde 1953 von dem Schweizer Ingenieur Georg Endress und dem Deutschen Banker Ludwig Hauser gegründet. Georg Endress war damals gerade einmal 29 Jahre alt und Ludwig Hauser mit 58 Jahren deutlich älter. Unter diesen beiden hat das Unternehmen damals turbulente Zeiten, aber auch ein enormes Wachstum erlebt. Es ist ein erfolgreiches Beispiel fürdie Verbindung von jugendlichem Elan und Erfahrung, fürdie Zusammenarbeit über fachliche und geografische Grenzen hinweg, fürdie Entwicklung eines kleinen Familienbetriebes hin zu einem Weltkonzern. Heute arbeiten rund 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf sechs Kontinenten für den Erfolg von Endress + Hauser als weltweit führenden Anbieter von Messinstrumenten. 

Meine Damen und Herren,

Deutschland und Europa brauchen gerade jetzt solche Ideen, solches unternehmerisches Engagement und auch den dazu gehörenden langen Atem, um Industrie und Gesellschaft fit für die Zukunft zu machen. Denn unsere Lebens- und Arbeitswelt wird sich durch die Digitalisierung, durch neue Techniken und neue Technologien weiter verändern. 

Deutschland braucht viele Menschen, wie damals Georg Endress und Ludwig Hauser und so wie heute die Konstrukteure und Entwickler des Trust Sens. Eine hochentwickelte Gesellschaft muss sich anstrengen, um innovativ stets an der Spitze zu bleiben. Das ist eine große Herausforderung für alle Beteiligten: die Entwickler selbst, die Unternehmen, aber auch für die Politik. Wir sind alle gefordert, am Ball zu bleiben. 

Deshalb haben wir uns als Bundesregierung ambitionierte Ziele für Bildung und Forschung gesteckt. Und ich kann Ihnen versichern: Wir werden in den nächsten Jahren eine offensive Forschungs- und Innovationspolitik betreiben – mit steigenden Investitionen, verbesserten Rahmenbedingungen und nicht zuletzt durch eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung und Mut zum Risiko.

Ich freue mich drauf, gratuliere nochmal ganz herzlich zu diesem tollen Erfolg und wünsche Ihnen allen eine erfolgreiche und inspirierende Hannover Messe 2018!