Verleihung des Max-Planck-Humboldt-Forschungspreises

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Michael Meister, im Rahmen der Festveranstaltung in Berlin

Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, während seiner Rede
Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, während seiner Rede © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Stratmann,
sehr geehrter Herr Professor Pape,
sehr geehrte Frau Professorin Heymans,
sehr geehrte Herren Professoren Wood und Payne,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem deutschen Bundestag,
eine sehr verehrten Damen und Herren,

Es ist mir eine große Freude, heute im Rahmen der Verleihung des Max-Planck-Humboldt-Forschungs-preises als Vertreter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu Ihnen zu sprechen.

Wenn zwei bedeutende und eigenständige Akteure unseres Wissenschaftssystems gemeinsam eine Auszeichnung vergeben, ist das etwas Besonderes. Die Max-Planck-Gesellschaft ist eine tragende Säule unseres Wissenschaftssystems und eine der weltweit führenden Institutionen in der Grundlagenforschung.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung ist ein einzigartiger Akteur unserer internationalen Wissenschaftspolitik und der Internationalisierung des Wissenschaftsstandorts Deutschland.

Seit vielen Jahrzehnten bringen beide Einrichtungen exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Deutschland.

Spitzenforschung – das wissen Sie besser als ich – findet heute über Grenzen hinweg statt. Forschung wird mit internationalen Partnern gemeinsam oder sogar arbeitsteilig betrieben. Fragestellungen sind zunehmend multi- und transdisziplinär, so dass auch Fächergrenzen oft in den Hintergrund treten.

Wenn es um große gesellschaftliche Herausforderungen geht – ich denke zum Beispiel an den Klimawandel oder Fragen der globalen Gesundheit – brauchen wir international zusammengesetzte Forschungsgruppen, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen, um innovative und tragfähige Lösungen zu erarbeiten.

Der Max-Planck-Humboldt-Forschungspreis ist ein schönes Beispiel dafür, dass es nicht nur auf der Ebene der Forschung auf Wagnisbereitschaft und Innovation ankommt. Auch unsere Förderinstrumente selbst können zum Gegenstand neuer Ansätze werden.

Der neukonzipierte Max-Planck-Humboldt-Forschungs-preis setzt auf die „aktive Suche“ herausragender und jüngerer Forschender aus dem Ausland und bringt dabei die Auswahl-Kompetenzen der Max-Planck-Gesellschaft und der Alexander von Humboldt-Stiftung in neuer Weise zusammen. Auch im Hinblick auf Flexibilität, Durchführung und mögliche Forschungsinhalte schlagen wir mit dem Max-Planck-Humboldt-Forschungspreis ein neues Kapitel auf.

Ich bin Ihnen, Herr Professor Pape, und Ihnen, Herr Prof. Stratmann, sehr dankbar für dieses innovative Preisformat, das uns heute drei herausragende Persönlichkeiten der internationalen Spitzenforschung auszeichnen lässt, von deren zukünftiger Zusammenarbeit mit Partnern in Deutschland wir uns viel versprechen.

Genau solche Initiativen, die sich trauen, über hergebrachte Auswahlverfahren und Förderstrukturen hinauszugehen, brauchen wir heute. Wie Sie wissen verändert sich die wissenschaftliche Weltkarte in rasantem Tempo. Der Wettbewerb um internationale Studierende, Spitzenforscherinnen und -forscher wird intensiver.

 Manche etablierte Standorte wie die USA oder Großbritannien könnten in Zukunft an Attraktivität verlieren. Zugleich haben sich neue Standorte in kurzer Zeit und mit hoher Investitionsbereitschaft gut aufgestellt, zum Beispiel China.

Vor diesem Hintergrund möchte ich sowohl die Max-Planck-Gesellschaft als auch die Alexander von Humboldt-Stiftung ausdrücklich ermuntern, sich immer wieder auch selbst zum Gegenstand strategischer Innovation zu machen. Neben der eigenen sollte dabei stets auch die Missionen der anderen Forschungseinrichtungen und Förderorganisationen und deren Rolle und Portfolio im globalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe mitgedacht werden.

Ein weiteres aktuelles Beispiel solch gelingender Innovation im Wissenschaftssystem sind die neuen Max-Planck-Schools, die im kommenden Jahr starten werden. An den Schools arbeiten Universitäten und außeruniversitäre Forschungsorganisationen in überregionalen Verbünden zusammen.

Idee dabei ist es, Exzellenz, die in Deutschland oft breit über verschiedene Universitäten und Institute verteilt ist, intelligent und produktiv zu vernetzen. Mit erkenntnistheoretischer Grundlagenforschung soll zugleich die forschungsorientierte Lehre gestärkt werden. Deutschland erhält mit diesen Schools eine vielversprechende Institution für den Nachwuchs in der Spitzenforschung – mit internationaler Strahlkraft.

Angesichts eines intensiver werdenden Wettbewerbs der weltweiten Wissenschaftsstandorte darf nicht zuletzt die Politik nicht in veraltete Denkmuster verfallen. Bedauerlicher Weise ist in jüngster Zeit aus bestimmter politischer Richtung wiederholt das falsche Schreckbild eines „Brain Drain“ gezeichnet worden. Deutsche Talente und Fachkräfte – insbesondere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – verließen Deutschland zu Hauf.

Das Gegenteil ist der Fall! Internationale Kooperation gehört zum Wesen von Wissenschaft. Zeitweilige Aufenthalte von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Ausland sind kein Ausdruck von „Brain Drain“, sondern Teil des wissenschaftsimmanenten „Brain Circulation“.

Für uns hier alle selbstverständlich, aber man muss es heute wieder sagen: Die Idee, man solle die deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland halten, dann brauche man nicht so viele ausländische Wissenschaftler, ist grundfalsch. Das Ergebnis wäre, dass zwei Wege, unser Wissenschaftssystem zu bereichern, verloren gingen, nämlich der direkte Input durch ausländische Forschende und der Rückfluss der Erfahrungen, die Deutsche im Ausland machen.

Beide Wanderbewegungen, nämlich ins Land und hinaus, sind nützlich. Isolation führt zu Armut in jeder Hinsicht, das haben wir vor einigen Jahrzehnten bereits erfahren. Wir sollten dies möglichst für jedermann verständlich und immer wieder kommunizieren!

Deutschland gehört in Europa und weltweit zu den attraktivsten Wissenschaftsstandorten und führenden Innovationsnationen. Beim jüngst veröffentlichten Ranking der innovativsten Länder des Weltwirtschaftsforums erreicht Deutschland sogar den Spitzenplatz. Ob bei Investitionen in die Zukunft, wissenschaftlicher Forschung oder wichtigen Patenten, überall ist Deutschland im weltweiten Maßstab vorne dabei.

Seit 2007 ist die Zahl des ausländischen Wissenschaftspersonals an unseren Hochschulen um 84% gestiegen. Ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen hier 11% des gesamten Wissenschaftspersonals. An den vier größten außeruniversitären Forschungseinrichtungen liegt dieser Anteil bereits bei 20%. Insbesondere die Max-Planck-Gesellschaft hat einen besonders starken Anstieg des Anteils ausländischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verzeichnen. Seit 2008 ist dieser von 22% auf eindrucksvolle 46% gestiegen.

Auch Forschende, die für einen befristeten Aufenthalt an deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen kommen, bleiben Deutschland und damit auch unserem Wissenschaftsstandort meist dauerhaft verbunden.  Das weltweite Alumni-Netzwerk der Alexander von Humboldt-Stiftung ist hierfür das beste Beispiel.

In Bezug auf international mobile Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler streben wir eine Balance an, zwischen dem Bestreben herausragenden Forschenden eine langfristige Perspektive im deutschen Wissenschaftssystem zu eröffnen, und Anreizen für befristete Aufenthalte in Deutschland, die einen kontinuierlichen Austausch von Ideen und Innovationen begünstigen. Neben einem leistungsfähigen Wissenschaftssystem gehört übrigens auch eine überzeugende „Willkommenskultur“ zu den wesentlichen Bausteinen für die Attraktivität des deutschen Wissenschaftssystems.

Kooperation und Vernetzung, nicht Abwerben und Abgrenzung, sind die Grundgedanken unserer internationalen Wissenschaftspolitik. Dazu gehört auch ein klares Bekenntnis zur akademischen Freiheit und der Freiheit der Wissenschaften. Nur solange die Freiheit von Forschenden und Lehrenden garantiert ist, bleibt eine Gesellschaft offen, innovativ und erfolgreich.

Bildung, Wissenschaft und Forschung dienen der Gesellschaft, der Wirtschaft und jeder und jedem Einzelnen. Es geht um Lösungen für globale Herausforderungen, um Wettbewerbsfähigkeit und zukunftsfähige Arbeitsplätze. Hierfür brauchen wir in Deutschland und Europa zielstrebige Forschung und risikobereite Innovation, bei den Grundlagen genauso wie bei der Anwendung. Mit seiner Ausrichtung auf besonders innovative, mutige und unkonventionelle Forschungen hat der Max-Planck-Humboldt-Forschungspreis das richtige Ziel vor Augen.

Sehr geehrte Frau Professorin Heymans,

mit Ihren Arbeiten zeigen Sie uns, wie faszinierend Grundlagenforschung sein kann. Sie haben gesagt, um das Geheimnis der Dunklen Energie zu verstehen, bräuchten wir eine neue Art von Physik. Ich glaube, genau so klingt innovative und mutige Forschung. Herzlichen Glückwunsch!

Sehr geehrte Herren Professoren Wood und Payne,

auch das herausragende Zukunftspotenzial Ihrer Forschungen steht außer Frage und ich bin mir sicher, dass die abschließende Auswahlentscheidung nicht leicht war. Ich wünsche mir sehr, dass Sie die Max-Planck-Humboldt-Medaillen auch als Einladungen verstehen, auf Ihren innovativen Forschungswegen im Austausch mit Partnern in Deutschland weiter voranzuschreiten. Auch Ihnen herzlichen Glückwunsch!