"Viele bringen große Leistungsbereitschaft und Begabung mit"

Bundesministerin Johanna Wanka hat dazu aufgerufen, das Können der Flüchtlinge wertzuschätzen. Mit mehreren Projekten und Initiativen unterstützt das Bundesbildungsministerium ihre Integration - vom Deutschlernen bis zur Berufsanerkennung.

„Rund ein Drittel der Flüchtlinge sind unter 18 Jahre alt“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka in der Haushaltsdebatte des Bundestags. „Es ist entscheidend, dass man ihnen Bildung und Arbeit ermöglicht“.

Sprachförderung schon bei der Erstaufnahme

So soll das Programm „Lesestart“ auf Flüchtlinge erweitert werden. Von März 2016 an werden alle Flüchtlingskinder bis fünf Jahre in Erstaufnahmeeinrichtungen ein speziell konzipiertes Lesestart-Set mit einem kindgerechten Buch erhalten. Bei „Lesestart“ handelt es sich um die größte Initiative zur Sprach- und Leseförderung in Deutschland - sie erreicht mehr als zwei Millionen Kinder aus drei Jahrgängen. Allen Erstaufnahmeeinrichtungen wird eine Lese- und Medienbox für die pädagogische Arbeit mit den Kindern zur Verfügung gestellt. Unterstützung erhalten die Einrichtungen auch, wenn sie Vorlesepaten einsetzen möchten.

Zudem fördert das Bundesbildungsministerium die Entwicklung einer App, die beim Deutschlernen hilft. So werden Flüchtlinge ihre Smartphones auch als Lernmedium nutzen können. „Wir wollen viele schnell erreichen und motivieren“, sagte Wanka im Bundestag. Die App ergänzt das Portal  Ich-will-Deutsch-lernen.de (www.iwdl.de), das das Bundesbildungsministerium schon fördert.

Leichterer Zugang zu BAföG

Schon im August hatte das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschlossen, mit dem Flüchtlingen der Zugang zu BAföG erleichtert wird: Geduldete und Inhaber bestimmter humanitärer Aufenthaltstitel müssen künftig nicht mehr eine Vierjahresfrist abwarten, ehe sie BAföG-berechtigt sind, sondern können bereits nach 15 Monaten die Unterstützung beantragen. Ursprünglich war die Reduzierung der Frist erst im Zuge der BAföG-Reform zum 1. August 2016 geplant. Sie wird nun auf den 1. Januar vorgezogen, um eine noch schnellere Unterstützung von Flüchtlingen in Ausbildung sicherzustellen.

 „Durch die gestiegene Zahl von Asylbewerbern stehen wir aktuell vor erheblichen Herausforderungen bei ihrer schulischen und beruflichen Eingliederung. Indem wir das BAföG nun schneller als ursprünglich geplant für die Betroffenen öffnen, tragen wir dieser Entwicklung Rechnung und setzen zugleich ein Zeichen des Willkommens. Integration funktioniert am besten durch Bildung“, sagte Wanka nach dem Beschluss des Bundeskabinetts.

Anerkennung von Berufsqualifikationen

Auch die Anerkennung der beruflichen Qualifikationen von Flüchtlingen will das Bundesbildungsministerium erleichtern. Flüchtlinge sollen auch dann eine Chance auf Anerkennung ihrer Abschlüsse haben, wenn die nötigen Dokumente fehlen. Das Anerkennungsgesetz macht es möglich, dass  immer dann, wenn  Nachweise zur ausländischen Berufsqualifikation nicht vorliegen oder aufgrund des Flüchtlingsstatus nicht beschafft werden können, ein Fachmann die beruflichen Fähigkeiten eines Flüchtlings einschätzt – durch eine Arbeitsprobe. Das neue Projekt „Prototyping Transfer" soll entsprechende Qualifikationsanalysen weiterentwickeln und standardisieren.

Keine Abschiebung in der Ausbildung

Neben der Anerkennung ist es angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen auch wichtig, den jungen Menschen, die in ihren Heimatländern noch keinen Abschluss machen konnten, in Deutschland eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen und ihnen und den Betrieben die Sicherheit zu geben, dass die Ausbildung auch rechtsicher bis zum Ende fortgeführt werden kann. Eine neue Regelung sieht darum vor, dass Flüchtlinge so lange geduldet werden können, wie sie sich in einer Ausbildung befinden.

Zudem stehen alle Programme zur beruflichen Bildung den neu nach Deutschland Gekommenen offen. Von dem Programm „Bildungsketten“ profitieren gerade die Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Die Servicestellen der „Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration“ (KAUSA) sind auch für Asylbewerber und Flüchtlinge da. „Viele der Flüchtlinge bringen große Leistungsbereitschaft, Können und Begabungen mit. Das müssen wir wertschätzen“, sagte Wanka.