Visionen der West-Berliner Architekturmoderne

Mit der digitalen Veröffentlichung von Architekturzeichnungen, Plänen und Fotografien von 1945 bis 1990 macht ein Berliner Projekt die Visionen dieser Zeit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich - gefördert vom Bundesforschungsministerium.

Mehr als vierzig Jahre steht die Frontstadt Westberlin im Fokus des Ost-West-Konflikts. Der Aufbau der zerstörten Metropole ist mit den weltanschaulichen Auseinandersetzungen zwischen den USA und der Sowjetunion untrennbar verbunden. In Konkurrenz zum Baugeschehen in Ostberlin, das als Hauptstadt der DDR fortan sozialistischen Grundsätzen folgt, entwickeln die Planer für den Westteil der Stadt neue Lebensräume für eine moderne Gesellschaft westlicher Prägung.

Zeugnisse des Architekturschaffens in der Berlinischen Galerie

Viele Zeugnisse des Westberliner Architekturschaffens aus dieser Zeit werden in der Berlinischen Galerie gesammelt und bewahrt. Besonders interessant sind unter ihnen die verworfenen Konzepte und Utopien, denn diese geben auf oft kompromisslose Weise Aufschluss über Vorstellungen und Sehnsüchte ihrer jeweiligen Entstehungszeit und zeugen von Aufbruchsstimmung und Technikeuphorie der Epoche.

Aufbruchsstimmung und Technikeuphorie

Mit der Förderung des Bundesforschungsministeriums werden über den Zeitraum von gut zwei Jahren in der Berlinischen Galerie rund 6.000 ausgewählte Einzelblätter von etwa 1.500 Bauprojekten wissenschaftlich erschlossen, digitalisiert und online gestellt. Sie zeigen beispielhaft, wie sich Stil und Darstellung der Architektur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewandelt haben. Zudem ergänzen sie den bereits online verfügbaren Bildbestand der Berlinischen Galerie zur Ostberliner Architektur- und Stadtentwicklung. In Kooperation mit der Technischen Universität Berlin ist während der Laufzeit des Projekts eine internationale Tagung zu Architekturvisionen geplant. Ziel ist es, die Kluft zwischen Universität und Museum, Theorie und Praxis, Forschung und Ausstellung zu überwinden.

Digitalisate werden weltweit, unentgeltlich und dauerhaft unter einer Creative-Commons-Lizenz über die Internetseite der Berlinischen Galerie, der Deutschen Digitalen Bibliothek und EUROPEANA zur Verfügung gestellt.

eHeritage

Digitalisierungszentren führen in Deutschland schon lange Zeit und in großem Umfang die Digitalisierung von historischen Texten –Büchern, Briefen, Inkunabeln oder Zeitschriften – durch. Für die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung sind aber auch Objekte und Artefakte von großem Interesse. Hierzu zählen Skulpturen, Münzen, historische Fotografien, Filme, ethnografische Tonaufzeichnungen, Gebäude und vieles mehr. Solche Objekte liegen in großer Zahl in Museen, Archiven, Hochschulinstituten, Bibliotheken und weiteren Einrichtungen vor, sind aber bislang wenig erschlossen und digitalisiert. Damit sie Gegenstand von ortsunabhängiger Forschung werden können, wird vom BMBF seit 2016 nun mit zwei Förderlinien ihre Digitalisierung gefördert. Erste umfassende Digitalisierungskonzepte wurden bereits fertiggestellt. Ein sichtbarer Erfolg dieser Förderung wird der Nachweis und die Zugriffsmöglichkeit auf die Daten in internationalen und nationalen Infrastrukturen sein.