Vom Analphabeten-Kind zum Literaturnobelpreisträger

Joachim Król auf Theatertournee zu Camus Lebensgeschichte / Wanka: "Wir müssen uns für die Bildung unserer Mitmenschen einsetzen"

Das Leben des französischen Literaturnobelpreisträgers Albert Camus (1913 - 1960) ist eine Geschichte des Aufstiegs durch Bildung. Der bekannte Film- und Fernsehschauspieler Joachim Król liest nun  auf einer Tournee durch Deutschland aus der beeindruckenden Lebensgeschichte Camus‘, der als Sohn einer Analphabetin in Nordafrika  aufwuchs.

Die Inszenierung von "Der erste Mensch" stellt die besondere Beziehung Camus‘ zu seinem Lehrer Louis Germain in den Mittelpunkt, der das Talent des Jungen früh erkannte und gegen jegliche Widerstände förderte. So wurde aus Camus kein Gelegenheitsarbeiter, wie aus vielen Jungen seiner Generation, sondern einer der bedeutendsten Schriftsteller der Welt, zu dessen bekanntesten Werken "Die Pest" und "Der Fremde" zählen.

Mit dieser Tournee informiert das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung  über funktionalen Analphabetismus und stellt regionale Lernangebote vor.

"Die Geschichte des Literaturnobelpreisträgers Albert Camus zeigt, was möglich ist, wenn wir uns für die Bildung unserer Mitmenschen einsetzen", erklärt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. "Wir wollen eine breite Öffentlichkeit in die Lage versetzen, Anzeichen für Analphabetismus zu erkennen, Betroffene sensibel anzusprechen und auf Lernangebote hinzuweisen."

Gemeinsam mit regionalen Partnern der Dekade für Alphabetisierung werden zu den Lesungen regionale Lernangebote für funktionale Analphabeten vorgestellt.

Rund 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland gelten als funktionale Analphabeten. Sie können zwar einfache Sätze lesen und schreiben. Zusammenhängende Texte wie Arbeitsanweisungen, Behördenpost oder Handyverträge erfassen sie jedoch nicht. Die Ursachen sind vielfältig: Sie reichen von prekären sozialen Verhältnissen über fehlende Lese- und Schreibvorbilder bis zu wenig individueller Förderung in der Schule und gesundheitlichen Faktoren. Die  stetig ansteigenden Anforderungen an Lese- und Schreibfähigkeiten beispielsweise in der digitalen Arbeitswelt stellen funktionale Analphabeten dabei vor ständig wachsende Herausforderungen.

Auch Joachim Król, der als Sohn eines polnischen Bergmanns im Ruhrgebiet aufwuchs, ist ein Bildungsaufsteiger. Er musste sich den Weg an die renommierte Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München erkämpfen. "Das ist mein Text", stellte Król deshalb schon beim ersten Einlesen von Camus Autobiografie fest.
 

Die Tournee führt durch folgende Städte:

08. Januar       Hamburg         Altonaer Theater

10. Januar       Bremen           Die Glocke

14. Januar       Oldenburg       Staatstheater

16. Januar       Freiburg          Theater Freiburg

17. Januar       Mannheim       Nationaltheater

18. Januar       Stuttgart          Theaterhaus

21. Januar       Düsseldorf      Robert-Schumann-Saal

25. Januar       Wolfsburg       Theater Wolfsburg

26. Januar       Kiel                  Staatstheater

28. Januar       Darmstadt       Staatstheater

02. Februar     Mainz              SWR


 

Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung

Die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (AlphaDekade) ist eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern und gesellschaftlichen Partnern. Ziel ist es, im Zeitraum von 2016 bis 2026 den funktionalen Analphabetismus bei Erwachsenen spürbar zu verringern und das Grundbildungsniveau zu erhöhen. Da die größte Herausforderung ist,  die Erwachsenen mit niedrigen Schriftsprachkompetenzen zu erreichen, fördert das BMBF Forschungsvorhaben sowie Projekte, die den Zugang über den Arbeitsplatz und das lebensweltliche Umfeld herstellen. Zur Koordination der AlphaDekade hat das BMBF eine Koordinierungsstelle eingerichtet.