Vom Plattenbau zum Mehrgenerationenhaus

In vielen Städten und Gemeinden entstehen derzeit Mehrgenerationenhäuser. An der Fachhochschule Potsdam untersucht ein Forscherteam, wie sich neue Wohnformen für Jung und Alt erfolgreich realisieren lassen – gefördert vom Bundesforschungsministerium.

Dieser Plattenbau in Frankfurt/Oder wird zum Mehrgenerationenhaus. © Projekt MeGeWoPo/FH Potsdam

Der demografische Wandel verändert das gesellschaftliche Zusammenleben: Die Menschen in Deutschland werden älter, die Zahl der Kinder sinkt. Durch die Anforderungen der Arbeitswelt haben sich auch die Familienstrukturen gewandelt. Immer seltener leben mehrere Generationen einer Familie unter einem Dach. Doch der Wunsch nach einem Leben in Gemeinschaft ist bei Alt und Jung gleichermaßen ausgeprägt. Mehrgenerationenwohnprojekte bieten eine Lösung für die Herausforderungen des demografischen Wandels. In ihnen schließen sich Singles, Familien und Senioren zu einer verbindlichen Gemeinschaft zusammen und unterstützen sich gegenseitig im Alltag.

Im Projekt MeGeWoPo der Fachhochschule Potsdam erforscht der Sozialwissenschaftler Stefan Thomas mit seinen Mitarbeitern Susan Schröder und David Scheller die Rahmenbedingungen, unter denen Mehrgenerationenhäuser erfolgreich etabliert wurden. Ziel ist es, positive Erfahrungen aus selbstverwalteten Wohnprojekten auf kommunale Wohnbaugesellschaften zu übertragen, um so die Verbreitung von Mehrgenerationenhäusern zu fördern.

Thomas und sein Forscherteam untersuchen zunächst in drei selbstorganisierten Mehrgenerationenhäusern, wie die Gemeinschaftsbildung und Unterstützungsangebote gewachsen sind. Anschließend wird anhand von zwei Modellprojekten erprobt, wie sich generationenübergreifendes Wohnen bei Wohnbaugesellschaften verwirklichen lässt. In Zusammenarbeit mit zwei Wohnbaugesellschaften wird in Potsdam und Frankfurt/Oder jeweils ein Plattenbau für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt altersgerecht umgerüstet. Erfolgreich erprobte Ansätze aus den selbstorganisierten Wohnprojekten werden dabei auf Wohnbaugesellschaften angepasst.

In Publikationen und Praxisleitfäden sowie durch den Aufbau eines Internetportals werden die Erkenntnisse und Informationen zum Thema Mehrgenerationenwohnen zusammengeführt und öffentlich gemacht. Dazu gehört die Entwicklung einer Datenbank der bestehenden Mehrgenerationenwohnprojekte in Deutschland.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Forschungsprojekt im Rahmen der Förderlinie „SILQUA-FH“ des Programms „Forschung an Fachhochschulen“ mit rund 360.000 Euro.