Von der Forschung in die Praxis - Infektionen und Entzündungen wirksam bekämpfen

Jedes Jahr erkranken 400.000 bis 600.000 Patientinnen und Patienten an Infektionen, die sie im Krankhaus erworben haben. Mit der Forschungsförderung des BMBF wird nach Möglichkeiten gesucht, solche Infektionen zu vermeiden und gezielt zu bekämpfen.

Weltweit stellen Infektionskrankheiten zusammen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache dar. Hepatitis, Tuberkulose, AIDS und immer neu auftretende Erreger und neue Übertragungswege sind eine große Bedrohung, auch für die westlichen Industrieländer. Immer weniger Menschen lassen sich impfen, Antibiotika wirken nicht mehr, weil die Erreger resistent werden, und Fernreisen fördern die Ausbreitung von Infektionskrankheiten rund um den Globus. Außerdem ist seit einiger Zeit bekannt, dass bestimmte Infektionen die Entstehung von Magengeschwüren, entzündlichen Gelenkerkrankungen oder auch von Krebs begünstigen.

CSCC: Im Kampf gegen die Sepsis

Die Sepsis, umgangssprachlich oft als Blutvergiftung bezeichnet, geht immer von einer lokalen Infektion aus. Das kann eine kleine Wunde sein oder auch nur ein scheinbar gewöhnlicher Schnupfen. Wenn es dem Körper nicht gelingt, diese Infektion auf den Ursprungsort zu begrenzen, lösen die Gifte der Krankheitserreger eine Entzündung in allen Organen des Körpers aus. Innerhalb weniger Stunden weisen dann alle lebenswichtigen Organe Entzündungszeichen auf und drohen zu versagen. Die Sepsis kommt vergleichbar oft vor wie der Herzinfarkt. Über ein Drittel der Betroffenen stirbt an ihren Folgen. Die meisten Patienten, die überleben, leiden ein Leben lang unter den Langzeitfolgen einer Sepsis.

Das vom BMBF für zehn Jahre geförderte Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum für Sepsis und Sepsisfolgen (Center for Sepsis Control and Care, kurz CSCC) am Universitätsklinikum Jena hat neue Ansätze im gesamten Behandlungspfad der Sepsis eröffnet: von der Risikoabschätzung, über die korrekte Diagnose des Erregers, bis hin zu rehabilitativen Maßnahmen, um die Langzeitfolgen einer Sepsis erträglich zu machen. Die Förderung ermöglichte auch, neue Strukturen in der Hochschulmedizin zu schaffen.

Klinisch-infektiologische Forschung

Ein wesentlicher Eckpfeiler für die klinische Forschung zu Infektionen ist das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung, kurz DZIF. Es ist eines von insgesamt sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung. Im DZIF arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Grundlagenforschung und Klinik eng vernetzt an sieben infektiologischen Themenbereichen zusammen, beispielsweise an HIV oder der Identifizierung neuer Antibiotika.

Außerdem hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung den Aufbau einer klinisch-infektiologischen Forschergruppe am Universitätsklinikum Jena gefördert. Diese Forschergruppe hat eine Ambulanz und einen klinikweiten Beratungsdienst zum Thema Infektionen für das ärztliche Personal aufgebaut. Damit trägt sie dazu bei, Mängel in Abläufen zu erkennen und zu beseitigen, die die Verbreitung von Infektionen fördern.

Um die wissenschaftliche Basis in der Infektionsforschung zu stärken, fördert das Bundesforschungsministerium ab 2020 Nachwuchsgruppen in der Infektionsforschung. 2019 wurden die ersten exzellenten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgewählt, die für mindestens fünf Jahre mit einem kleinen Forschungsteam an einem universitären Standort ihrer Wahl ihre innovativen wissenschaftlichen Ansätze umsetzen können.

Antibiotika-Resistenzen

Aufgrund natürlich vorkommender Mutationen und durch Selektionsprozesse werden Bakterien zunehmend resistent gegen Antibiotika. Dies ist ein großes Problem, weil damit künftig die Behandlung von Infektionskrankheiten schwierig werden könnte und medizinische Eingriffe wie Organtransplantationen oder auch Chemotherapien ohne den begleitenden Einsatz wirksamer Antibiotika sehr risikobehaftet sind.

Die zunehmende Verbreitung insbesondere multiresistenter Krankheitserreger, gegen die mehrere oder alle verfügbaren Antibiotika nicht mehr wirken, gefährdet die Gesundheit von Menschen und Tieren sowie die Umwelt. Die damit verbundenen Risiken für Gesundheitssysteme und Wirtschaft sind erheblich. Um hier entgegen zu steuern, gilt es zum einen dafür zu sorgen, dass Antibiotika in allen Bereichen adäquat eingesetzt werden. Zum anderen müssen mit Hochdruck neue Antibiotika entwickelt werden. Allerdings sind die Forschungs- und Entwicklungskosten extrem hoch, die Umsatzerwartungen jedoch gering, gerade weil diese neuen Antibiotika nur in begründeten Fällen zum Einsatz kommen sollten, um eine Resistenzbildung gegen diese Wirkstoffe zu verlangsamen. Deshalb besteht in diesem Bereich ein großer Bedarf für öffentliche Forschungsförderung.

Das BMBF hat daher im Jahr 2018 bis zu 500 Mio. Euro für zehn Jahre bereitgestellt, um die Entwicklung neuer Antibiotika, alternativer Therapien, Impfstoffe und Diagnostika zu unterstützen. Auf nationaler Ebene fördert das Ministerium entsprechende Forschungsvorhaben unter anderem unter dem Dach des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung. Da dieses globale Problem nur mit international vernetztem Engagement gemeistert werden kann, hat die Bundesregierung hat das Thema 2017 auf die Tagesordnung der G20 gesetzt, das BMBF beteiligt sich an verschiedenen internationalen Initiativen.

Hier sind vor allem der “Combating Antibiotic Resistant Bacteria Biopharmeceutical Accelerator” (CARB-X) und die “Global Antibiotic Research and Development Partnership” (GARDP) zu nennen. Das Ministerium war auch maßgeblich an der Etablierung des „Global AMR Research and Development Hub“ beteiligt, dessen Ziel es ist, wichtige Forschungs- und Entwicklungsaufgaben aufzuzeigen und zwischen internationalen Akteuren zu diskutieren. Im Frühjahr2020 veröffentlichte der Hub ein „Dynamic Dashboard“, ein Online-Tool, das eine Übersicht über Forschungsaktivitäten bietet und Förderern wie politischen Entscheidern bei der strategischen Priorisierung ihrer Forschungsinvestitionen und -maßnahmen helfen soll.

Zoonosen: Infektionskrankheiten, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden

Was sind eigentlich Zoonosen?

Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die von Bakterien, Parasiten, Pilzen, Prionen oder Viren verursacht und wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. In den vergangenen Jahren haben mehrmals zoonotische Erreger für große öffentliche Aufregung gesorgt, insbesondere die Tierseuchen "Vogelgrippe", "Schweinegrippe" sowie EHEC.
 

Ein wichtiger Bereich, um den sich das Bundesforschungsministerium, teilweise auch in Zusammenarbeit mit anderen Ministerien, kümmert, ist die Forschung zu Zoonosen, also Infektionskrankheiten die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können und die das Potenzial haben, weltweite Epidemien oder Pandemien auszulösen.

Zur Koordination und Vernetzung der Zusammenarbeit der Forschung zu zoonotischen Infektionskrankheiten in Deutschland sowie zur Förderung der breiten horizontalen Vernetzung der Human- und Veterinärmedizin fördert das BMBF seit 2009 eine Forschungsplattform für Zoonosen.

Das 2017 gestartete BMBF-geförderte „Forschungsnetz zoonotische Infektionskrankheiten“ bot Anfang 2020 die Möglichkeit, rasch auf den weltweiten Ausbruch des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 zu reagieren und schnell Fördermittel bereitzustellen, um das Virus, seine Übertragung und Möglichkeiten zur Behandlung der Erkrankten zu erforschen.