Von Harvard nach Heidelberg, von Peking nach Köln

Sechs Spitzenwissenschaftler aus dem Ausland sind in Berlin mit dem höchstdotierten Forschungspreis Deutschlands ausgezeichnet worden, der Alexander von Humboldt-Professur. Der Preis holt internationale Spitzenforscher an deutsche Universitäten.

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und der Präsident der Humboldt-Stiftung Helmut Schwarz überreichten die Preise während einer Festveranstaltung.

„Die Freiheit der Wissenschaft ist nicht verhandelbar. Sie besitzt zu Recht Verfassungsrang, denn sie betrifft elementare Grundlagen unserer Demokratie. Als solch wichtige Teile unserer Gesellschaft sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch viel mehr die Öffentlichkeit suchen, ihre Arbeit darstellen und in Debatten einsteigen. Hier bitte ich auch unsere Humboldt-Professoren: Gehen Sie als Vorbilder voran“, sagte Johanna Wanka. „Akademische Freiheit und Freiräume für kritisches Denken sind die besten Voraussetzungen für Debatten, die Gesellschaften weiterbringen.“

Die Freiheit der Wissenschaft ist nicht verhandelbar.

Johanna Wanka

Die Preisträger wurden von deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen nominiert und sollen nun dort Teams und Strukturen aufbauen. Es sind  Largus T. Angenent, Jijie Chai, Wolf B. Frommer, Ran Hirschl, Till Winfried Bärnighausen und Sven Bernecker. Sie werden in Düsseldorf, Göttingen, Heidelberg, Köln und Tübingen forschen. Die Auszeichnung ist mit je fünf Millionen Euro für experimentell und je dreieinhalb Millionen Euro für theoretisch arbeitende Wissenschaftler dotiert.

Largus T. Angenent

Largus T. Angenent, Professor für Umweltmikrobiologie und Bioverfahrenstechnik
Largus T. Angenent, Professor für Umweltmikrobiologie und Bioverfahrenstechnik © Humboldt-Stiftung/Elbmotion
Umweltmikrobiologie und Biover­fahrenstechnik: Mit Bakterien den Treibstoff der Zukunft produzieren

Angenent erforscht wie Bakterien zur Synthese von Treibstoffen und Chemikalien optimiert und eingesetzt werden können. Er kommt von der Cornell University, Ithaca, USA, und setzt nun als Humboldt-Professor Impulse für die Entwicklung neuer Techno­logien an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Jijie Chai

Jijie Chai, Professor für Strukturbiologie
Jijie Chai, Professor für Strukturbiologie © Humboldt-Stiftung/Elbmotion
Strukturbiologie: Proteine als Schlüssel zur Immun­abwehr

Indem er die komplexen Strukturen von Proteinen zum Beispiel mit Hilfe der Kryoelektronenmikroskopie beschreibt, liefert Chai wichtige Grundlagen für die Bekämpfung von Pflanzenkrank­heiten und die Entwicklung von Medikamenten. Von der Tsinghua University in Peking ist er jetzt an die Universität zu Köln und das Max-Planck-Institut für Pflanzen­züchtungs­forschung in Köln, gewechselt.

Wolf B. Frommer

Wolf B. Frommer, Professor für Pflanzenmolekularbiologie
Wolf B. Frommer, Professor für Pflanzenmolekularbiologie © Humboldt-Stiftung/Elbmotion
Pflanzenmolekularbiologie: SWEET-Proteine lassen Pflanzen besser wachsen

Transportmechanismen funktionieren in pflanzlichen und menschlichen Zellen ähnlich, daher sind die Arbeiten des Pflanzenbiologen Frommer auch für das Verständnis des Stoff­wechsels in Krebszellen interessant. Er kommt von der Stanford University, USA, an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und baut dort gemeinsam mit dem Forschungszentrum Jülich und dem Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung, Köln, das Exzellenzcluster CEPLAS als Spitzenforschungs­standort der molekularen Botanik weiter aus.

Ran Hirschl

Ran Hirschl, Professor für Verfassungsrecht und Politikwissenschaft
Ran Hirschl, Professor für Verfassungsrecht und Politikwissenschaft © Humboldt-Stiftung/Elbmotion
Verfassungsrecht und Politikwissenschaft: Verfassungsentwicklung und Verrechtlichung der Politik

Nach zahlreichen Studien zum Verfassungsrecht will Hirschl nun eine interdisziplinäre Brücke bauen zum Studium von Verfassun­gen als soziales und politisches Phänomen. An der Georg-August-Universität Göttingen untersucht er als Humboldt-Professor auch Konstellationen, in denen der Widerstreit zwischen Religion und Verfassungsrecht die kollektive Identität prägt. Bisher hat er an der University of Toronto in Kanada geforscht.

Till W. Bärnighausen

Till Winfried Bärnighausen, Professor für Epidemiologie
Till Winfried Bärnighausen, Professor für Epidemiologie © Humboldt-Stiftung/Elbmotion
Epidemiologie: Wie wirksam ist HIV-Prävention

Bärnighausens Analysen von Wirksamkeit, Kosten und Nutzen von HIV-Präventions- und Interventionsmaßnahmen werden von Forscherkollegen und Organisationen wie der Weltbank oder der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen aufgegriffen. Seit seinem Wechsel – bereits im September 2016 – von der Harvard University in Cambridge, USA, an die Universität Heidelberg stärkt er nun auch die globale Gesundheitsforschung in Deutschland.

Sven Bernecker

Sven Bernecker, Professor für Philosophie
Sven Bernecker, Professor für Philosophie © Humboldt-Stiftung/Wolfgang Hemmann
Philosophie: Erkenntnistheorie und Gedächt­nisforschung

Im Zentrum von Berneckers aktuellen Arbeiten steht die Frage, was Erinnerung ist. Dabei greift er auch Ansätze der Kognitions­wissenschaften, Psychologie und Soziologie auf. Er ist von der University of California, Irvine, USA, bereits im Juli 2016 an die Universität zu Köln gewechselt, wo er als Humboldt-Professor das Cologne Center for Contemporary Epistemology and the Kantian Tradition (CONCEPT) gegründet hat und leitet.

Die Alexander von Humboldt-Professur

Mit der Alexander von Humboldt-Professur zeichnet die Humboldt-Stiftung jährlich bis zu zehn weltweit führende, im Ausland tätige Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen aus. Neben der herausragenden wissenschaftlichen Qualifikation der Kandidaten sind die Konzepte der Hochschulen entscheidend, die den Forschern und ihren Teams eine dauerhafte Perspektive in Deutschland bieten sollen. Die Auszeichnung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

Die Alexander von Humboldt-Professur ist ein modernes Instrument im globalen Standortwettbewerb um die besten Köpfe und Ideen. Sie gibt deutschen Universitäten die nötigen Mittel, um auf dem internationalen Forschertransfermarkt erfolgreich mitzubieten.