Warum FH-Absolventen schneller unbefristete Jobs finden

Fachhochschulabsolventen finden schneller eine unbefristete Anstellung und verdienen sogar mehr. Das zeigt die neue Absolventenstudie. Gregor Fabian vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung erklärt, warum das so ist.

Gregor Fabian
Gregor Fabian © Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung GmbH

Herr Fabian, Fachhochschulen sind beliebter denn je. Wie erklären Sie sich diese Erfolgsgeschichte?

Das Hochschulstudium erfreut sich insgesamt einer hohen Beliebtheit. Fachhochschulen sind häufiger als Universitäten in Heimatnähe zu finden, sie bieten ein breites Fächerspektrum und eine besonders praxisnahe Ausbildung. Das überzeugt immer mehr Studierende.

Die Absolventenstudie zeigt: Mit dem Abschluss einer Fachhochschulen findet man schneller eine unbefristete Anstellung als mit einem Uniabschluss. Woran liegt das?

Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen haben nach dem Studienabschluss tatsächlich eine höhere Chance auf eine unbefristete Beschäftigung. Die Universitätsabsolventen finden zwar genauso schnell eine Beschäftigung, oft aber befristet. Das liegt zum Teil daran, dass die Studierenden an Fachhochschulen wegen der Praxisnähe schon während des Studiums Kontakte zu Unternehmen knüpfen. Nach Abschluss des Studiums werden sie wesentlich häufiger in der Privatwirtschaft tätig.

Gibt es noch weitere Unterschiede?

Ja, wenn man sich die Werdegänge nach Abschluss des Studiums anschaut, dann fällt auf, dass sie sich deutlich unterscheiden. Die Absolventen von Universitäten schließen an ihr Studium oft eine zweite Ausbildungsphase, eine Facharztausbildung an oder sie nehmen eine Promotion für den Start in eine wissenschaftliche Tätigkeit auf. Das alles sind befristete Arbeitsverhältnisse, aus denen mit Blick auf die Beschäftigungsperspektiven aber keine falschen Schlüsse gezogen werden sollten. Unsere Absolventenstudien zeigen, dass im Laufe der Karriere unbefristete Beschäftigungsverhältnisse auch für Universitätsabsolventen zur Regel werden.

Absolventenstudie
Absolventenstudie © BMBF

Die Absolventen der Fachhochschulen verdienen beim Berufseinstieg mehr Geld. Warum ist das so?

Wie für die Art der Arbeitsverhältnisse gilt auch beim Einkommen: Absolventen verschiedener Uni-Fachrichtungen befinden sich direkt nach dem Abschluss oftmals in einer zweiten Ausbildungsphase mit dementsprechend geringen Entgelten. Unsere Studien zeigen aber, dass sie im Anschluss daran sehr schnell höhere Gehälter erzielen und durchschnittlich dann sogar mehr verdienen als ihre Kollegen von Fachhochschulen. Natürlich darf man aber auch nicht vergessen, dass sich Fachhochschulen und Universitäten in ihrem Fächerangebot unterscheiden. Und die Fachrichtung ist ein wichtiger Faktor, wenn es um das Einkommen geht. Ein Ingenieur von einer Fachhochschule kann unter Umständen deutlich mehr verdienen als ein Sozialwissenschaftler mit universitärer Ausbildung.

Was bedeutet das nun für Abiturienten? Sollte man eine Fachhochschule grundsätzlich einer Universität vorziehen?

Alle Befragungen, die sich mit Motiven der Studienwahl beschäftigen, zeigen wie entscheidend Neigung und fachliches Interesse für die Wahl eines Studiengangs und den erfolgreichen Abschluss des Studiums sind. Ob man an eine Universität oder eine Fachhochschule geht, ist dabei zweitrangig. Seit der Bologna-Reform haben Studierende außerdem die Möglichkeit, beide Systeme kennenzulernen, also den Bachelor an einer Fachhochschule abzulegen und für den Master an eine Universität zu wechseln. Das wird oft auch so gemacht. Wer aber eine wissenschaftliche Karriere anstrebt oder ein klassisches Fach wie Lehramt, Jura oder eine Geisteswissenschaft studieren möchte, der muss an eine Universität gehen.

In welchen Branchen kann ein Studium an einer Fachhochschule von Vorteil sein?

Mit einem Fachhochschulabschluss kann man grundsätzlich in allen Branchen erfolgreich sein. Je nach Studienfach kann es aber durchaus von Vorteil sein, wenn schon während des Studiums einschlägige Praxiserfahrungen in Unternehmen gesammelt werden. Von diesen Erfahrungen kann man beispielsweise im weiteren Studium profitieren. Und ganz wichtig: Man knüpft Kontakte zu Unternehmen und schafft sich damit womöglich sogar schon eine Möglichkeit für den Berufseinstieg.

In der Absolventenstudie hat das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) unter der Leitung von Gregor Fabian Absolventinnen und Absolventen des Prüfungsjahrgangs 2013 zu ihrem Studium, zu weiteren Werdegängen und ihrem Berufseinstieg und Berufserfolg befragt. Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.