Was die Welt im Innersten zusammenhält

Grußwort des Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung Christian Luft anlässlich der Grundsteinlegung des Imaging Centers am EMBL in Heidelberg.

Sehr geehrte Frau Prof. Heard,

sehr geehrte Frau Ministerin Bauer,

sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Prof. Würzner,

sehr geehrter Herr Lusser,

sehr geehrter Herr Dr. Scheifele,

sehr geehrter Herr Dr. Ellenberg,

sehr geehrter Herr Prof. Mattaj,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich, heute hier bei diesem schönen Anlass zu sprechen – einem Anlass, der das Bodenständige mit dem Emporstrebenden vereint. Vor uns liegt der gläserne Grundstein als Fundament für neue Erkenntnisse und Wissen.

Vor eineinhalb Jahren haben Frau Prof. Heard und mein Vorgänger sich hier am EMBL mit Ihnen getroffen, um die Absichtserklärung für den Bau des Imaging Centers zu unterzeichnen. Die Baugrube zeigt: Nun ist es Realität geworden.

Insofern möchte ich zuerst meinen Dank aussprechen:

  • an das Team aus Architekten, Statikern und Bauarbeitern für das, was hier schon sichtbar ist und noch kommen wird;
  • an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von EMBL für die Idee, Konzeption und Umsetzung;
  • an die Partner aus der Industrie (Leica, FEI, Carl Zeiss, Heidelberg Zement) für die gemeinsame Co-Finanzierung;
  • an Baden-Württemberg, liebe Frau Ministerin, für die gute Zusammenarbeit.

Ich denke, Baden-Württemberg ist mit seinen klugen Köpfen und seiner hervorragenden Forschungs- und Industriestruktur ist ein wirklich fruchtbarer Boden für Spitzenleistungen.

Ich freue mich, dass bei diesem Vorhaben öffentliches und privatwirtschaftliches Engagement gut Hand in Hand gehen.

Spitzenleistungen sind heute nur durch Zusammenarbeit vieler Partner möglich. Nur Offenheit und Austausch ermöglichen Spitzenforschung und Innovation.

Das sind auch schon die zwei Dinge, über die ich kurz reden will:

- Warum sind wir stolz auf sie?

- Was ist mir wichtig: Offenheit und Zusammenarbeit.

Das EMBL bringt seine herausragende Expertise im Bereich der Bildgebung ein. Die heute hier vertretenen – und, wenn ich so sagen darf, eigentlich konkurrierenden – Unternehmen kooperieren untereinander und sind Partner des EMBL. Somit bestehen beste Voraussetzungen, um all die technologischen Möglichkeiten auszuschöpfen, die die moderne Mikroskopie uns bietet. So können wir erfahren „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Und diese Zusammenarbeit ermöglicht offene Innovationen.

Mit dem Imaging Center haben Sie sich gemeinsam den Auftrag gegeben, nicht nur Wissenschaft mit modernster Technologie zu betreiben, sondern die Wissenschaftler auch in der neuen Bildgebung zu schulen. Das neue Zentrum wird für Gäste aus der ganzen Welt offen stehen.

Es wird also auch ein Ausbildungs- und Trainingszentrum der Spitzenklasse im Bereich der Imaging Technologie. Ein Zentrum wie es in dieser Art in Europa bisher nicht gibt. Die rund 30 Mio. €, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung für den Bau dazugibt, sind dort gut angelegt.

Das Imaging Center ist aber auch ein wichtiger Baustein dafür, dass EMBL seine Wettbewerbsfähigkeit in Europa und weltweit ausbauen kann.

Die wissenschaftliche Leistung von EMBL hat Weltruf. Ich freue mich sehr, dass Deutschland als Hauptsitzland zu diesem Renommee beitragen kann und auch künftig beitragen wird. Wie bereits bei der Gründung von EMBL vor 45 Jahren bekennt sich Deutschland uneingeschränkt zu dessen Zielen. Wir zahlen rund ein Fünftel des Grundbudgets – und eben von Zeit zu Zeit freiwillige Sonderbeiträge wie hier beim Imaging Center.

Bildung, Wissenschaft, Forschung und Entwicklung haben in Deutschland hohe Priorität. Niemals zuvor wurde in Deutschland so viel in Forschung und Entwicklung investiert wie heute.

Staat, Wirtschaft und Wissenschaft haben ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert auf mittlerweile über 90 Milliarden Euro jährlich. Ein Drittel vom Staat, zwei Drittel davon investiert die Wirtschaft. Bei den weltmarktrelevanten Patenten pro eine Million Einwohnerinnen und Einwohner liegt Deutschland mit 381 im Jahr 2016 weit vorne.

Exzellente Forschung kann aber nur gelingen, wenn wir die Grundlagen dafür in unseren Staaten schaffen. Ein wesentlicher Punkt dabei ist es, Bildungs- und Innovationspolitik zusammenzudenken. Bildung und Weiterbildung sind der Schlüssel zum Verständnis, zur Anwendung und zum lebenslangen Umgang mit neuen Technologien. Das Schulungszentrum, das hier am Imaging Center entstehen soll, ist ein plastisches Beispiel. 300 Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler aus aller Welt werden hier jährlich in die modernste Technologie eingeweiht.

Nicht Abschottung, sondern Offenheit und Austausch ermöglichen Spitzenforschung und Innovation. Internationale Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung und ein deutliches Nein gegen jedwede Art von nationaler Eigenbrötlerei sind unabdingbar.

Wir als Bundesrepublik Deutschland setzen ganz klar auf die Zusammenarbeit mit unseren Partnern in Europa und der Welt. Das ist die Voraussetzung für bahnbrechende Spitzenforschung und Innovation auch in Deutschland.

Meine Damen und Herren,

EMBL ist für Deutschland der „Schmelztiegel der europäischen Forschung“. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung sieht es als große Chance für die europäischen Lebenswissenschaften und für den Wissenschaftsstandort Deutschland, wenn hier am Hauptstandort EMBLs in Heidelberg in neue zukunftsweisende Infrastrukturen investiert wird. Die modernsten und die wichtigsten Mikroskopie-Verfahren im biomolekularen Bereich (die Lichtmikroskopie und die Elektronenmikroskopie) werden hier „unter einem Dach“ kombiniert. Darauf sind wir stolz.

Bildung, Wissenschaft und Forschung sind aber kein Selbstzweck. Sie dienen der Gesellschaft. Sie dienen der Wirtschaft und jedem Einzelnen. Es geht um Lösungen für globale Herausforderungen, für die Gesundheit von Mensch und Natur, für zukunftsfähige Arbeitsplätze. Hierfür brauchen wir in Deutschland und Europa zielstrebige Forschung und risikobereite Innovation, bei der Grundlagenforschung genauso wie bei der Anwendung. Und hier ist auch Luft nach oben.

Der Prozess, wie wir von den Erkenntnissen in der Grundlagenforschung rasch in die Anwendung kommen, ist noch nicht unsere allerbeste Stärke. Hier gibt es noch viel zu tun.

Meine Damen und Herren,

ich wünsche Ihnen, dass Sie sich in den nächsten Jahren bis zur Einweihung des Imaging Centers nicht nur mit dem Bodenständigen befassen müssen, sondern vor allem das Emporstrebende bestaunen können. Damit ein gutes Fundament gelegt wird für neue Erkenntnisse über die Natur und das Leben.

Ich wünsche Ihnen viele erstaunliche Aha-Erlebnisse!

Vielen Dank.