Was ist Hepatitis?

Etwa 360 Millionen Menschen sind laut Schätzungen von Forschenden von einer chronischen Hepatitis B oder C betroffen. Doch was ist das eigentlich? Welche Formen gibt es noch – und ist eine Infektion vermeidbar? Mehr dazu lesen Sie in unseren FAQ.

Hepatitis
Die Hepatitis ist eine Entzündung der Leber. Die wichtigsten Auslöser sind die verschiedenen Hepatitis-Viren © Adobe Stock /Kateryna_Kon

Am 28. Juli 2020 ist Welt-Hepatitis-Tag. Ziel des Tages ist es, weltweit über die Risiken, aber auch über Schutz- und Behandlungsmöglichkeiten von Hepatitis-Infektionen zu informieren. Wir beantworten daher häufig gestellte Fragen zum Thema:

Welche Formen der Hepatitis gibt es?

Die Hepatitis ist eine Entzündung der Leber. Die wichtigsten Auslöser sind die verschiedenen Hepatitis-Viren (A, B, C, D und E). Aber auch Fehlfunktionen des Immunsystems (Autoimmun-Hepatitis), des Stoffwechsels (Fettleber-Hepatitis), Giftstoffe (z.B. Alkohol) oder ein Übermaß leberschädigender Medikamente können die Leber schädigen – in seltenen Fällen auch Bakterien.

Je nach Dauer der Erkrankung unterscheiden Medizinerinnen und Mediziner die akute Hepatitis von der chronischen Hepatitis, die länger als sechs Monate anhält. Chronische Hepatitiden werden hauptsächlich von den Hepatitis-Viren B, C und D hervorgerufen, die zur Leberzirrhose und zu Leberkrebs führen können.

Welche Symptome zeichnen eine Hepatitis aus?

Die Symptome einer Hepatitis sind unspezifisch und reichen von Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Fieber oder einem veränderten Geschmacks- und Geruchssinn. Eine akute Hepatitis – aber auch Schübe einer chronischen Hepatitis – können Druckschmerzen unter dem rechten Rippenbogen sowie Gelenkschmerzen verursachen und zu einer „Gelbsucht“ führen: Haut und Augäpfel verfärben sich dann gelb. Diese „Gelbsucht“ entsteht durch einen Gallenfarbstoff, der sich im Blut anreichert und auch den Urin dunkel verfärbt. Der Stuhl verliert dagegen seine Farbe. In der Erholungsphase fühlen sich die Patientinnen und Patienten manchmal über mehrere Wochen hinweg schwach und erschöpft.

Als Folgen einer Leberschädigung bei einer chronischen Hepatitis kann eine erhöhte Blutungsneigung auftreten, denn infolge ihrer Schädigung produziert die Leber weniger Gerinnungsfaktoren. Auch eine Wasseransammlung im Bauch oder ein Verlust der Körperbehaarung können wichtige Hinweise sein.

Leberentzündungen verlaufen aber oft unauffällig und „heimlich“ – und zerstören dabei langsam das Organ. Forschende schätzen, dass weltweit rund 290 Millionen Menschen eine chronische Hepatitis B und ca. 70 Millionen eine Hepatitis C haben – die meisten ohne dies zu wissen. Daher sollten bei Hausarztbesuchen auch die Leberwerte regelmäßig geprüft werden. Sind sie erhöht, sollte unbedingt eine Virus-Hepatitis ausgeschlossen werden.

Was verursacht eine Hepatitis?

Die verschiedenen Hepatitis-Viren verbreiten sich unterschiedlich: Hepatitis A und E Viren über verunreinigtes Wasser und Lebensmittel sowie den Stuhl infizierter Personen, E-Viren auch über nicht ausreichend gekochtes Schweinefleisch. Hepatitis B-, C- und D-Viren werden über Blut-Kontakte, Spritzen oder Blutprodukte übertragen. Die Hepatitis B wird zudem über ungeschützten Geschlechtsverkehr und bei der Geburt von einer infizierten Mutter auf ihr Kind übertragen.

Wer ist besonders gefährdet?

Folgende Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko:

  • Reisende in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen
  • Personen, die aus Gebieten kommen, in denen Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus häufig sind (Südost-Asien, Afrika, Teile Osteuropas und der Mittelmeer-Anrainer)
  • Patienten, die Dialysen oder wiederholt Blutprodukte benötigen
  • Konsumenten von Roh-Würsten u.ä.
  • Medizinisches Personal
  • Menschen, die sich Ohrlöcher, Piercings oder Tattoos stechen lassen, oder sich scharf rasieren lassen, wenn kein Einmal-Besteck genutzt wird
  • Drogenabhängige, die verunreinigtes Spritzbesteck verwenden
  • Personen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern haben
  • Babys von infizierten Müttern

Die Fettleber ist ein häufiges Problem in Deutschland, v.a. bei Übergewicht und Diabetes mellitus. Betroffen sind aber auch Menschen, die sich falsch ernähren, sich zu wenig bewegen und zu viel Alkohol konsumieren. Meistens wirken dabei mehrere Risikofaktoren zusammen. Bei jedem zweiten Betroffenen reagiert die Leber entzündlich und entwickelt eine Fettleber-Hepatitis. Eine seltenere Ursache einer Hepatitis ist eine fehlgeleitete Immunreaktion des Körpers, die gegen die Leber gerichtet ist (Autoimmun-Hepatitis).

Ist Hepatitis heilbar?

Therapiemöglichkeiten und -erfolge hängen von der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung ab. In jedem Fall sollten die Betroffenen keinen Alkohol konsumieren und leberschädigende Medikamente meiden.

Eine akute Leberentzündung heilt oft von alleine aus: bei einer Hepatitis A oder E so gut wie immer, bei einer Hepatitis B im Erwachsenenalter in mehr als 90 Prozent und bei einer Hepatitis C in 20 bis 30 Prozent der Fälle. Manche Krankheitsverläufe mit sehr hohen Leberwerten erfordern jedoch eine stationäre Aufnahme, da ein fulminanter Verlauf mit einem Leberversagen einhergehen kann. Betroffene sollten sich schonen und leichte Kost zu sich nehmen. Menschen mit einer chronischen Virus-Hepatitis (B, C, D) können medikamentös mit antiviralen Wirkstoffen behandelt werden. Die chronische Hepatitis C kann so geheilt werden. Die verfügbaren Wirkstoffe gegen Hepatitis B und D schaffen das allerdings noch nicht – sie kontrollieren zwar die Viruslast, heilen die Infektion aber nicht aus. Eine chronische Hepatitis geht mit dem Risiko eines Leberzell-Karzinoms (Leberkrebs) einher.

Die Fettleber-Hepatitis, die auch schlanke oder leicht übergewichtige Menschen betreffen kann, ist mit Medikamenten bislang nicht heilbar. Sie kann sich jedoch zurückbilden, wenn die Betroffenen ihren Lebensstil ändern (kontrollierte Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung, Ernährungsumstellung, Alkohol-Verzicht).

Sind Fehlfunktionen des Immunsystems (Autoimmunerkrankungen) die Ursache eine Hepatitis, erhalten die Betroffenen Medikamente zur Dämpfung ihrer Immunreaktion.

Schwere Krankheitsverläufe mit einer kontinuierlichen Zerstörung des Lebergewebes können eine Lebertransplantation erforderlich machen.

Gibt es Impfungen?

Zur Vermeidung einer Hepatitis A, B und D gibt es eine Impfung. Für die Hepatitis C gibt es noch keinen, für die Hepatitis E keinen in Europa zugelassenen Impfstoff.

Woran arbeitet die Hepatitis-Forschung in Deutschland?

Am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) stehen Hepatitis B, C, D und E im Fokus. Während die aktuellen Therapien bei Hepatitis B die Virusvermehrung in den Leberzellen lediglich beherrschen, wollen DZIF-Forscherinnen und -Forscher das körpereigene Immunsystem so aktivieren, dass es die Viren vollständig eliminieren kann. Dabei ist es ihnen bereits gelungen, bestimmte Zellen des Immunsystems (T-Zellen) so zu verändern, dass es chronische Hepatitis-B-Infektionen im Tiermodell vollständig besiegen kann.

Parallel dazu arbeitet das DZIF an einem neuen Impfstoff zur Heilung einer chronischen Hepatitis B. Er soll dem Immunsystem helfen, neben den zirkulierenden Viren auch die bereits infizierten Zellen aufzuspüren und auszuschalten. Ende 2020 soll der Impfstoff in einer klinischen Studie an ersten Probandinnen und Probanden getestet werden.

Das DZIF ist außerdem beteiligt an der Entwicklung eines Medikaments gegen Hepatitis D, das zurzeit im europäischen Zulassungsverfahren ist.