Was Luther, Goethe und Kafka verbindet

Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel feiert seinen Auftakt / Wanka: „Herausragende Bedeutung für Erschließung des kulturellen Erbes“

Luther, Goethe und Kafka rücken näher zusammen. Die drei großen Namen und ihre Werke stehen stellvertretend für drei bedeutende deutsche Forschungsinstitutionen, die von nun an gemeinsam wissenschaftlich arbeiten werden. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka hat heute die feierliche Auftaktveranstaltung des Forschungsverbundes Marbach Weimar Wolfenbüttel eröffnet. Die Bandbreite der Überlieferung in den drei Einrichtungen reicht von den Beständen an Lutherdrucken in Wolfenbüttel über Goethes Sammlungen in Weimar bis zu den Nachlässen von Schriftstellern wie Martin Heidegger, Paul Celan oder Hannah Arendt in Marbach.

Das Deutsche Literarturarchiv Marbach, die Klassik Stiftung Weimar und die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel vereinen somit ein halbes Jahrtausend deutscher und europäischer Literatur-, Kultur- und Ideengeschichte. „Die drei Einrichtungen haben eine herausragende Bedeutung, das kulturelle Erbe in Deutschland zu bewahren, zu erschließen und zu erforschen“, sagte die Ministerin. „Die Wissenschaftler werden künftig die Gelegenheit haben, auf einen einzigartigen Schatz an Quellen zuzugreifen.“

Der Verbund der drei Einrichtungen wurde vergangenen September auf eine Empfehlung des Wissenschaftsrates hin gegründet. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert den Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel zunächst für fünf Jahre mit rund 10 Millionen Euro.

Der Wissenschaftsrat hatte im Jahr 2011 empfohlen, „die drei wichtigsten deutschen Forschungsbibliotheken und -archive mit dem Ziel zusammenzuführen, ihre Stellung als bedeutsame Forschungs- und Forschungsinfrastruktureinrichtungen für die deutschen und internationalen Geisteswissenschaften zu profilieren“. Der Verbund führt unterschiedliche Forschungsperspektiven zusammen. Neu ist nicht nur, dass weit von einander entfernt liegende Epochen durch die Verknüpfung der Sammlungen in Beziehung gesetzt werden können. Zum Verbund gehört auch, dass die digitalen Archive und Bibliotheken der Einrichtungen miteinander verknüpft werden. Der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft bietet der Forschungsverbund damit einen einzigartigen Fundus an Quellen an.

Die Zusammenarbeit startet mit drei gemeinsamen Projekten. Die Wissenschaftler untersuchen beispielsweise anhand der in Marbach, Weimar und Wolfenbüttel vorhandenen Autorenbibliotheken, wie über einen Zeitraum von mehr als fünfhundert Jahren hinweg private Büchersammlungen zur Produktion neuen Wissens und neuer Literatur verwendet werden. Themen wie „Frühneuzeitliche Auktionskataloge als virtuelle Rekonstruktion der Gelehrtenrepublik“ und „Arbeitsverfahren deutsch-jüdischer Autoren wie Kurt Pinthus und Siegfried Kracauer im Exil“ werden Gegenstand der Arbeit sein.

Erforscht wird etwa auch, wie Werke, die handschriftlich von ihrem Verfasser mit persönlichen Zeilen versehen und verschenkt wurden, literarische und wissenschaftliche Netzwerke abbilden und von persönlichen Freundschaften und intellektuellem Austausch berichten. „Dem Geheimen Rathe von Göthe als einen schwachen Beweis alter unverbrüchlicher Anhänglichkeit, tiefer Verehrung u. innigster Dankbarkeit“, heißt es 1810 auf dem Titelblatt der „Vues des Cordillères“ (Ansichten der Kordilleren), seiner Reiseberichte, die Alexander von Humboldt an Goethe sandte. An seiner Widmung lassen sich Respekt und freundschaftliche Zuneigung ablesen, die ihn mit dem eine Generation älteren Dichter und Naturforscher Goethe verbanden.

Die drei Einrichtungen werden zudem eine gemeinsame Plattform für die Digital Humanities entwickeln und ihre Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit in einem E-Journal präsentieren. Auch eine internationale Sommerschule für Doktoranden in Zusammenarbeit mit Partneruniversitäten in Europa, Asien und Amerika sowie deutschen Einrichtungen zur Begabtenförderung soll Netzwerk und Nachwuchs gleichermaßen stärken.


Weitere Informationen finden Sie unter:
http://www.mww-forschung.de
http://www.bmbf.de/de/21592.php