Was Sie zur Expedition MOSAiC wissen müssen

Endlich ist es soweit: In Norwegen startet die „Polarstern“ ins arktische Eis, wo sie sich für ein Jahr einfrieren lässt. Wie funktioniert das? Wofür werden Daten erhoben? Und warum lernte die Crew Schießen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Es ist die größte Arktis-Expedition aller Zeiten: An diesem Freitag startet im norwegischen Tromsø der deutsche Forschungseisbrecher „Polarstern“ zu seiner gut einjährigen Reise ins Nordpolarmeer. Dort wird sich das Schiff im Eis einfrieren lassen und mit dem Eis über die Polkappe driften.

„Ich wünsche den Teilnehmern der Expedition alles Gute. Mit großem persönlichem Einsatz werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen herausragenden Beitrag leisten, dass die Menschheit die Herausforderung des Klimawandels besteht und unsere Welt, wie wir sie kennen, den nächsten Generationen erhalten bleibt. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Expedition, aber auch diejenigen, die in der Heimat bleiben und sie von dort aus unterstützen, sind Helden unserer Zeit“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bei der Verabschiedung.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Expedition gibt es hier.

Warum fördert das BMBF die Mission?

Weil wir glauben, dass bei dieser Expedition wichtige Daten für die Vorhersagen der Klimaveränderungen der nächsten Jahre entstehen werden. Das BMBF trägt rund die Hälfte der Kosten der Expedition, also mehr als 70 Millionen Euro. „Die MOSAiC-Mission zeigt, dass trotz aller Rückschläge im weltweiten Klimaschutzprozess auf internationaler Ebene der Wille vorhanden ist, diese Herausforderung anzunehmen.

Es ist ein ermutigendes Signal für den Klimaschutz, dass Wissenschaftler aus 19 Nationen gemeinsam im arktischen Nordmeer das Epizentrum des Klimawandels erforschen werden. Dass Forscher des Alfred-Wegener-Instituts an Bord der Polarstern die Mission leiten werden und Deutschland die Hälfte der Kosten trägt, ist Ausdruck des Einsatzes Deutschlands für die Bewahrung des Weltklimas“, sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Wie ist der Zeitplan der Mission?

Nach dem Auslaufen aus Tromsø in Norwegen am 20. September wir die „Polarstern“ zunächst gemeinsam mit der Akademik Fedorov in Richtung Nordpolarmeer fahren. Wenn sie eine Position um ca. 130 Grad Ost, 85 Grad Nord erreicht hat, wird eine passende Eisscholle mit Mindestens 1,5 Kilometer Durchmesser gesucht und das Polarstern lässt sich im Eis einfrieren. Die Fedorov wird die Scholle umrunden und ein verteiltes Forschungsnetzwerk ausbringen. Dann beginnt die Drift mit dem Eis. Die durchschnittliche Drift wird etwa sieben Kilometer pro Tag betragen. Je nachdem, wie schnell die Drift wirklich erfolgt, werden die Forschenden zwischen Februar und Mai 2020 den Nordpol in voraussichtlich 200 Kilometer Entfernung passieren. Die Drift schiebt das Schiff dann immer weiter in Richtung Süden. Im September 2020 soll die „Polarstern“ zwischen Grönland und Spitzbergen wieder freikommen und in Richtung Tromsø fahren, wo sie Ende des Monats erwartet wird. Die Reise dauert also mehr als ein Jahr.

© BMBF

Wer ist alles an Bord?

An Bord der „Polarstern“ fahren vor allem Forschende, die sich mit dem Klimawandel beschäftigen. Insgesamt werden 6x100 Menschen aus 17 Nationen in verschiedenen Schichten an Bord sein. Zwei weitere Nationen unterstützen von Land aus.

Ist die Crew komplett auf sich alleine gestellt?

Nein. Es sind noch viermal weitere Eisbrecher im Einsatz, um für die Versorgung zum Schiff vorzudringen. Auf diesem Weg werden dann auch die Crews ausgetauscht. Zudem wird für Versorgungsflüge und zwei Forschungsflugzeuge, wenn das Eis ausreichend dick sein wird, eigens eine Landebahn eingerichtet. Darüber hinaus werden noch Helikopter, Raupenfahrzeuge und Schneemobile zum Einsatz kommen.

Warum wird ein so großer Aufwand betrieben?

Die aufwändige Polarmission ist nötig, um in der im Winter nahezu unerreichbaren Region dringend benötigte Daten für die Klimaforschung zu erheben. Diese werden neue Einblicke in die Austauschprozesse zwischen Atmosphäre, Eis, Ozean und Ökosystem erlauben. Der Einfluss der arktischen Regionen auf unser Klima ist gewaltig und derzeit unzureichend verstanden. Gängige Klimamodelle bilden die Arktis derzeit nur unzureichend ab. Klar ist bisher nur: Die Arktis ist wie ein Frühwarnsystem für den Rest der Welt, alle Entwicklungen des Klimawandels passieren hier früher – und viel schneller.

Warum ist die Arktis so wichtig?

Das dunkle Wasser nimmt mehr Energie auf als Eis, welches die Sonnenstrahlung reflektiert, und durch das dünnere Eis gelangt mehr Wärme aus dem relativ warmen Ozean an die Oberfläche und in die Atmosphäre. So verstärken Rückkopplungseffekte die Erwärmung der Arktis erheblich. Es gibt mangels Daten noch große Wissenslücken über die einzelnen Vorgänge, die sich in der Atmosphäre, im Meereis, im Ozean und im Ökosystem abspielen, sowie deren Wechselwirkungen untereinander. So kommt es, dass die Dramatik der Erwärmung in der Arktis in den heutigen Klimamodellen nicht in vollem Umfang wiedergegeben wird. Die Konsequenz: Die Unsicherheiten der Klimaprognosen für die Arktis sind enorm. Daher ist es wichtig, vor allem im Winter die Prozesse im Klimageschehen umfassend zu studieren.

Wie ist die Situation in der Arktis aktuell?

Die nördlichen Hemisphären sind im Sommer 2018 wiederholt von Rekordtemperaturen heimgesucht worden, eine Folge der insgesamt steigenden globalen Temperaturen. So warm wie im Jahr 2018 war es in der Arktis im Winter noch nie: Die Temperaturen lagen im Durchschnitt 4,9 Grad über dem Normalwert. Der vergangene meteorologische Winter war somit der wärmste, der in der Arktis je verzeichnet wurde. Die Eisfläche im Polarmeer schrumpfte auf einen Rekordwert.

Wird nur auf dem Schiff geforscht?

Nein. Die Forschenden werden in einem Umkreis von 50 Kilometer um das Schiff herum aktiv sein. Sie werden Messungen in bis zu 35.000 Meter Höhe vornehmen und Messgeräte bis zu 4.000 Meter Richtung Meeresgrund schicken.

Welche Bedingungen warten auf die Forschenden?

Es wird auf jeden Fall eine Reise der Extreme. Ab dem 20. Oktober wird es rund um die Uhr dunkel sein. Die Polarnacht dauert etwa 150 Tage – eine enorme Belastung für die Psyche. Hinzu kommt das arktische Wetter mit Temperaturen von bis zu minus 45 Grad.

Und was ist mit den Eisbären?

Das ist so eine ganz spezielle Geschichte. Tatsächlich hat das Team Vorkehrungen getroffen, um nicht von einem der gefährlichen Eisbären angegriffen zu werden. Das Lager wird mit einem Draht geschützt, an dem Knallkörper explodieren, sollte sich ein Bär nähern. Auf dem Mast ist zusätzlich eine Wärmebildkamera angebracht, die Alarm schlägt, sobald sie ungewöhnliche Aktivitäten beobachtet. Außerdem haben alle Teilnehmenden ein Schießtraining erhalten– Es bleibt zu hoffen, dass sie ihr Wissen nicht einsetzen müssen.