Weitere 500 Millionen Euro für Batterien „made in Germany“

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat beim Batterieforum in Berlin das neue Dachkonzept „Forschungsfabrik Batterie“ vorgestellt. Ziel des Konzepts sei eine konkurrenzfähige industrielle Batteriezellfertigung in Deutschland, so Karliczek.

Batteriezellproduktion: „Wir müssen unsere Kapazitäten vergrößern“, mahnte Bundesforschungsministerin Karliczek beim Batterieforum Deutschland. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

(v.l.) Michael Deutmeyer (EAS Germany GmbH), Torge Thönnessen (Custom Cells GmbH), Gerold Neumann (Liacon GmbH) und Ralf Eltze (Leclanche GmbH) überrreichen Bundesforschungsministerin Anja Karliczek das "Memorandum of Unterstanding": Sie wollen die Forschungsfertigung unterstützen.

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Mehr Geld für die Batterieforschung, Aufbau einer Batteriezellproduktion in Deutschland, schnellerer Transfer von Forschungsergebnissen in die Anwendung: Bundesforschungsministerin Karliczek hat beim „Batterieforum Deutschland“ in Berlin das Dachkonzept „Forschungsfabrik Batterie“ vorgestellt. In den kommenden vier Jahren möchte das Bundesforschungsministerium weitere 500 Millionen Euro investieren, um die technologische Souveränität Deutschlands in der Batterietechnologie zu sichern. Das Geld soll in die gesamte Wertschöpfungskette fließen: die Materialforschung, die Konzeption der Zellen und Prozesse sowie die Produktionsforschung für eine industrielle Batteriezellfertigung.

Förderung wird neu ausgerichtet

Weltweit steigt die Nachfrage nach Batterien. Sie sind eine Schlüsseltechnologie – beispielsweise für die Elektromobilität. Doch bisher kommen die meisten Batterien aus Asien, während nicht eine einzige Batteriezelle der heutigen E-Autos in Deutschland produziert wird. „Wir müssen unsere Kapazitäten vergrößern“, mahnte Bundesforschungsministerin Karliczek daher. Die Voraussetzungen dafür sind gut: „Bei uns ist eine starke Autoindustrie zu Hause, wir haben hochqualifizierte Arbeitskräfte und eine starke Forschung“, so Karliczek. Jetzt sei es wichtig, exzellente Forschung und Produktion zusammenzubringen.

Das neue Konzept vereint daher alle bisherigen Fördermaßnahmen und -programme zur Batterieforschung unter einem Dach und baut auf den bestehenden Kompetenzen auf. In drei Modulen wird die Förderung gebündelt, neu ausgerichtet und aufeinander abgestimmt:

1. Material

Mit der Initiative „Excellent Battery“ unterstützt das BMBF seit 2012 exzellente Forschungsstandorte, die neue Materialkonzepte entwickeln und erproben. Die Initiative wird in zwei Phasen mit etwa 40 Millionen Euro finanziert.

Festkörper-Batterien werden aktuell als viel versprechende Weiterentwicklung von etablierten Lithium-Ionen-Batterien mit flüssigen Elektrolyten gesehen, insbesondere für die Elektromobilität. Der Forschungscluster „FestBatt“ soll die wissenschaftliche Basis für eine Etablierung von Festkörperbatterien in Deutschland legen. Das BMBF fördert die Partner des Clusters mit rund 16 Millionen Euro.

2. Zelle und Prozesse

Jeder einzelne Prozessschritt hat Einfluss auf die Leistungsfähigkeit, die Qualität und die Kosten von Batteriezellen. Um diese Zusammenhänge wissenschaftlich aufzuklären und für die Industrie in Deutschland zugänglich zu machen, wurde in 2016 „ProZell“, der Kompetenzcluster zur Batteriezellproduktion, durch das BMBF initiiert. Im Forschungscluster werden die Kompetenzen von 22 Forschungseinrichtungen und die an unterschiedlichen Standorten vorhandenen Forschungsanlagen und -infrastrukturen zur Batteriezellfertigung zusammengeführt. Das BMBF unterstützt „ProZell“ mit rund 16 Millionen Euro.

In der Forschungsproduktionslinie am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) in Ulm werden Material- und Zellkonzepte im Labor im Hinblick auf ihre Eignung für die Massenproduktion getestet und validiert.

3. Batteriezellfertigung

Aussichtsreiche Batterien, die die ersten Tests am ZSW bestanden haben, werden im nächsten Schritt in der neu zu errichtenden „Forschungsfertigung Batteriezelle“ in einem massentauglichen Maßstab prozessiert und untersucht. Voraussetzung hierfür ist eine Verpflichtung durch die Industrie, die Arbeiten, bei erfolgreichem Verlauf, weiterzuführen und umzusetzen.

Die Forschungsfertigung Batteriezelle ist das neue Element des Konzeptes. Ziel ist es, den Transfer von neuen Batteriekonzepten und Produktionsverfahren in die Praxis zu beschleunigen. Zudem haben Unternehmen die Chance, ihre Batteriekonzepte auf Massenfertigungstauglichkeit zu prüfen. Bis Mitte des Jahres 2019 soll der Standort der neuen Einrichtung ausgewählt werden, danach beginnt die Errichtungsphase. Sechs deutsche Zellfertiger haben bereits ihre Unterstützung für den Aufbau und Betrieb der Forschungsfertigung zugesagt. Beim Batterieforum überreichten sie Bundesforschungsministerin Karliczek ein entsprechendes "Memorandum of Unterstanding"