Wenn die große Welt plötzlich klein und endlich erscheint

Eine Liveschaltung zur Internationalen Raumstation ISS zu Astronaut Alexander Gerst: Das war das besondere Highlight des Empfangs der Bundeskanzlerin für die Jugend forscht-Bundespreisträger. Auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek nahm teil.

„Spring# denk neu“ lautete das Motto der 53. Wettbewerbsrunde von Jugend forscht. Dass man mit Forschung Sprünge machen kann, erkannten viele der Teilnehmer im Zuge ihrer eigenen Projekte. Wie groß diese Sprünge sein können – das erlebten die Jugend forscht-Bundessieger auf faszinierende Weise beim traditionellen Empfang der Bundeskanzlerin.

Sich auf Forschung einzulassen, habe auch mit Staunen zu tun, führte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Eingangsrede im Kanzleramt aus. Ein Staunen ging beim besonderen Höhepunkt des Empfangs tatsächlich durch viele Gesichter: Denn die Nachwuchsforscher hatten die Chance, mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation ISS in einer Liveschaltung zu sprechen. Plötzlich stand die Schaltung und Andreas Gerst winkte aus der Weite des Universums zum Kanzleramt hinab.

Gerst berichtete von den vielen Experimenten, die er und seine Kollegen auf der ISS durchführten, etwa aus den Bereichen Quantenphysik oder Plasmaphysik. Die Bedingungen vor Ort ließen ganz andere Experimente als auf der Erde zu. Zum Beispiel wachsen Zellen im Weltraum anders als auf der Erde, sodass sich Medikamente besser testen lassen, erzählt Gerst. Das Labor auf der ISS biete einzigartige Möglichkeiten.

Forschung geht nur im internationalen Zusammenschluss

Außergewöhnlich sei auch, dass hier über 100 Nationen zusammenarbeiten, um gemeinsam Forschung voranzubringen und zu Erkenntnissen zu kommen, die Menschen auf der Erde helfen. Deshalb sei das Labor auch ein „Anker des Friedens“, so Gerst. Als Beweis für die internationale und gute Zusammenarbeit holte er seine Crew ins Bild, die einen Gruß nach Berlin schickte.

Die nationenübergreifende Kooperation sei unerlässlich in der Raumfahrt, so Gerst. Allgemein herrsche in der internationalen Raumfahrt momentan eine gemeinsame Aufbruchstimmung. Man arbeite daran, zusammen noch mehr möglich zu machen. Ein Ziel sei, eine Mondstation aufzubauen.

Und was könnten junge Menschen machen, um ihren Teil zum Schutz der Erde zu leisten? Was würde Gerst ihnen als Rat mit auf den Weg geben?, fragte einer der Preisträger. Da wurde Gerst eindringlich. Er gebe gerne seine persönlichen Einsichten weiter, die er durch die Weltraum-Perspektive erhalten habe: Die ihm früher so groß erschienene Erde wirke von oben ganz klein und endlich. Dieser Blick mahne, auf die Erde aufzupassen. Und daran könne jeder mitwirken: „Was ich hier oben kann, das könnt ihr schon lange“, machte er den Jungforschern Mut. Sein eigenes Erfolgsrezept verriet er dann auch: Neugier bewahren, mit offenen Augen durchs Leben gehen und nicht so leicht aufgeben.

"Preis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit“ vergeben

Dass dies ein guter Rat sein kann, zeigte sich im Anschluss an die Liveschaltung im Kanzleramt. Hier stellten die Jugend forscht-Bundessieger Anna und Adrian Fleck ihr Projekt vor. Sie entwickelten einen Protektor, der etwa im Motorsport Rücken und Gelenke schützen kann. Rund drei Jahre tüftelten sie an ihrer Idee – mit viel Durchhaltewillen und Beharrlichkeit. Verdient und stolz ließen sie sich zu ihrem Erfolg von Bundeskanzlerin und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek gratulieren und nahmen den „Preis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit“ entgegen. Die beiden hat der Reiz der Forschung gepackt, sie wollen weitermachen. Zusätzlich motiviert gingen auch viele der anderen Preisträger nach Hause – das Gespräch mit Gerst hatte ihnen ein weiteres Beispiel geliefert, was mit gemeinsamer Forschung zu erreichen ist.