Stoßdämpfer für die Gelenke

Knorpelschäden sind nicht nur bei Sportlern und älteren Menschen verbreitet. Nun wird eine Therapie entwickelt, die die körpereigene Regenerationsfähigkeit unterstützt - gefördert von einem europäischen Programm für kleine und mittlere Unternehmen.

Knorpelimplantat nach Rekonstitution und Bioaktivierung. Die resorbierbare Matrix vereinfacht das Handling und die Fixation für den Operateur.
Knorpelimplantat nach Rekonstitution und Bioaktivierung. Die resorbierbare Matrix vereinfacht das Handling und die Fixation für den Operateur. © TransTissue Technologies GmbH/ Dr. Jan-Philipp Krüger

Knorpel ist eine spezielle Form des Bindegewebes, das die knöchernen Abschnitte in den Gelenken wie eine Schutzschicht überzieht. Aufgrund seiner physikalischen und chemischen Eigenschaften ist Knorpelgewebe sehr elastisch und besitzt eine hohe Druckfestigkeit. So schützt der Knorpel den Knochen wie ein Stoßdämpfer. Wird das Knorpelgewebe verletzt oder nutzt sich ab, fällt dieser Schutz weg – das Ergebnis sind Schmerzen und eine zunehmende Einschränkung der Bewegungsfreiheit.

Schmerzmittel oder OP statt Heilung

Die Behandlung von Knorpelschäden besteht in der Regel aus Physiotherapie, Schmerzmitteln oder einem chirurgischen Eingriff. In schweren Fällen kann auch ein künstliches Gelenk notwendig sein. Dadurch werden jedoch nur die Symptome wie Schmerzen und Steifheit gelindert. Eine Therapie, die den geschädigten Knorpel heilt und damit die Lebensqualität der Betroffenen dauerhaft verbessert, gibt es bislang nicht. Genau daran arbeitet die Berliner TransTissue Technologies GmbH, ein Spin-off der Charité-Universitätsmedizin Berlin, zusammen mit italienischen und schweizerischen Partnern in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekt "E! 8119 Re.Me.Pro.".

Dem Knorpel helfen, sich selbst zu reparieren

Gemeinsam entwickeln die Partner ein neuartiges Therapieverfahren, das die körpereigene Regeneration des Knorpels unterstützt. Dabei sollen bioaktivierte zellfreie Implantate das regenerative Potenzial des Gewebes anregen. Die bioaktiven Stoffe im Implantat locken Stamm-, Vorläufer- oder Knorpelzellen aus dem umgebenen gesunden Gewebe in den defekten Bereich. Dort regen sie die Zellen an, neues körpereigenes Reparaturgewebe zu bilden. Sie bewirken so eine zufriedenstellende Heilung des geschädigten Knorpels. Wenn dies gelingt, ist zukünftig eine Therapie verfügbar, die zahlreichen Menschen ein beschwerdefreies Leben bei voller Mobilität ermöglicht.

Eurostars – Förderung europäischer KMU

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt die TransTissue Technologies GmbH in diesem Forschungsprojekt mit rund 330.000 Euro. Die Partner in der Schweiz und in Italien werden von den nationalen Organisationen vor Ort gefördert. Genau das ist das Prinzip von Eurostars, einem gemeinsamen Programm von EUREKA und der Europäischen Kommission: Die Projektteilnehmer erhalten eine nationale Förderung, die nationalen Förderagenturen eine entsprechende Aufstockung ihrer Fördermittel durch die Kommission.

Die Förderung durch Eurostars gibt uns als F&E Unternehmen die Möglichkeit, mit internationalen Partnern aus Industrie und Wissenschaft Lösungen für die Knorpelregeneration zu entwickeln, die sich am medizinischen Bedarf orientieren und damit auch zu einer marktfähigen Therapie führen sollen.

Dr. Michaela Endres, Leiterin  Forschung und Entwicklung, TransTissue Technologies GmbH

Ziel von Eurostars ist es, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) für eine europäische Zusammenarbeit in Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu motivieren und damit deren internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die besondere Attraktivität von Eurostars liegt nicht nur in der nationalen Förderung. Die Unternehmen schätzen auch die Flexibilität bei der Zusammensetzung des Konsortiums, die Technologieoffenheit sowie die Marktnähe. Damit bietet Eurostars kleinen und mittleren Unternehmen eine Fördermöglichkeit, die von keinem anderen Forschungsförderprogramm abgedeckt wird. Dies bestätigt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung im Abschlussbericht zur „Evaluierung der nationalen Förderung im Förderprogramm Eurostars 1 (2008-2013").

In der ersten Phase des Programms hat das BMBF deutsche Teilnehmer mit rund 68 Millionen Euro gefördert. Für Eurostars 2 (2014-2020) hat das BMBF aufgrund des großen Erfolgs sein Budget auf rund 100 Millionen Euro erhöht. Ansprechpartner für deutsche Interessenten ist das nationale EUREKA-Büro im DLR Projektträger.

Studie belegt den Erfolg von Eurostars in Deutschland

Einzigartig für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland: Eurostars fördert Forschung und Entwicklung in internationalen Verbundprojekten, themenoffen und in kleinen Konsortien. Hinzu kommen regelmäßige Stichtage und eine zügige Antragsbearbeitung.

Eine Studie belegt den Erfolg des Programms. Die Ergebnisse in Stichworten:

- Deutschland erzielt die höchste Projektbeteiligung und die meisten erfolgreichen Projekte pro Stichtag im Vergleich mit den Partnerländern.

- Deutschland erreicht die Zielgruppe des Programms: 65 % der geförderten Teilnehmer sind forschungsintensive KMU.

- Die Unternehmen profitieren nach erfolgreichem Projektabschluss durch Mitarbeiterzuwachs, Umsatzsteigerung und Verstärkung ihrer Marktposition im Ausland.

Download der Studie: "Evaluierung der nationalen Förderung im Förderprogramm Eurostars 1 (2008‐2013)"