Wenn ein Bär die Wirbelsäule massiert

Herkömmliche Methoden zur Therapie von Skoliose bei Kindern ängstigen diese oft. Das schadet der Behandlung und der Genesung. Ein vom BMBF gefördertes Projekt soll Abhilfe schaffen – in dem es die Kleinen in die Entwicklung miteinbezieht.

Ein Bär mit Monitor: So könnte das neue Gerät einmal aussehen - vorrausgesetzt, die Kinder haben keine bessere Idee.
Ein Bär mit Monitor: So könnte das neue Gerät einmal aussehen - vorrausgesetzt, die Kinder haben keine bessere Idee. © DIERS

Kinder, die an einer Skoliose leiden, haben es gleich doppelt schwer: Da ist zum einen ihre Erkrankung, eine chronische Verkrümmung der Wirbelsäule, die sie in ihrer Bewegung einschränkt und Haltungsschäden verursacht. Gleichzeitig müssen sie komplizierte Behandlungen über sich ergehen lassen.

Denn: Nur wenn die Krankheit frühzeitig und in hoher Taktung behandelt wird, können schwere Folgeschäden verhindert werden. Unbehandelt droht im schlimmsten Fall eine aufwendige Operation. Mehr als eine Million Kinder leiden europaweit an diesem Problem.

Christian Diers will mit seinem Team ein neues Therapiegerät für die Behandlung von Skoliose entwickeln.
Christian Diers will mit seinem Team ein neues Therapiegerät für die Behandlung von Skoliose entwickeln. © Christian Diers

Therapieansätze sind also dringend gefragt. Doch die bisherigen Konzepte sind für Kinder nur schwer umsetzbar – oder sie verängstigen die Kleinen. Bei der gängigsten Methode, als Abkürzung für „Fixation, Elongation, Rotation“ kurz FED genannt, werden die Kinder gewissermaßen in ein Gestell eingespannt. Ein hydraulischer Arm massiert und stimuliert Wirbel und Muskeln, dadurch wird Knochenwachstum angeregt und die Wirbelsäule gerichtet. „Die Methode ist zwar sicher, aber psychisch so anstrengend, dass dabei bereits Kinder ohnmächtig geworden sind“, sagt Ingenieur Christian Diers, der ein Projekt koordiniert, das Abhilfe schaffen soll.

Diers Team will einen Behandlungsroboter bauen, der zwar auch auf die FED-Methode setzt, aber trotzdem das Vertrauen der Kinder gewinnt – unter anderem durch ein kindgerechtes Design. Damit man sich überhaupt vorstellen kann, was alles möglich ist, haben die Forschenden schon einmal einen Prototypen gezeichnet: Die Maschine sieht aus wie ein großer Bär, der im Gesicht einen Monitor trägt.

Das neue Gerät soll den Patientinnen und Patienten permanent Rückmeldung geben. Ob der Verlauf der Wirbelsäule gerade gut ist oder weniger, werden die Kinder in einem Spiel auf einem LCD-Monitor erfahren. So spüren sie, wenn auch über einen kleinen Umweg, welche Muskeln sie einsetzen müssen, um die gewünschte Haltung zu erzielen.

Die jungen Patientinnen und Patienten dürfen direkt an der Entwicklung der medizinischen Geräte mitarbeiten. „Wir möchten die Behandlung spielerisch aufbauen, und dafür brauchen wir die Hilfe der Kinder. Wir planen deshalb Workshops, in denen wir von ihnen erfahren wollen, was die Behandlung erleichtern würde“, sagt Diers. Das BMBF fördert das Vorhaben mit mehr als einer Million Euro.

Wenn alles gut geht, soll das neue Gerät in zwei bis drei Jahren serienreif sein. „Dann wollen wir mehr als 60 Behandlungszentren mit dem neuen Roboter versorgen“, sagt Diers.

Das Projekt

Das Projekt läuft noch bis Ende Oktober 2021. An der Forschung sind neben der DIERS International GmbH die Technische Universität Dresden (IBMT), das Universitätsklinikum Jena (IfPT) und die EvoSense Research & Development GmbH beteiligt.