Wenn Fische Tomaten ernähren

Tomaten und Fisch ergänzen sich nicht nur auf dem Teller gut. Ein Forschungsteam am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin hat eine nachhaltige Zuchtmethode entwickelt, die wichtige Ressourcen schont.

Ein Gewächshaus mit Tomatenpflanzen. © Projektleitung INAPRO, IGB

Die Weltbevölkerung wächst rasant – und damit auch der Ressourcenbedarf von Wasser, Land und Nährstoffen. Deshalb zählt die Absicherung der weltweiten Trinkwassersversorgung bei gleichzeitiger Verbesserung der lokalen Lebensmittelverfügbarkeit und -qualität zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Innovative und nachhaltige Methoden der Lebensmittelproduktion können dabei helfen, ihr zu begegnen.

Darauf zielt das INAPRO-Projekt ab: Durch die Kombination von Fischzucht (Aquakultur) und dem erdlosen Anbau von Gemüse (Hydroponik), werden Wasser, Nährstoffe und Energie doppelt und dadurch ressourcenschonend genutzt. Dafür hat die Forschungsgruppe ein computermodell-basiertes Konzept entwickelt, das an große und kleine landwirtschaftliche Betriebe angepasst werden kann.

In der Praxis gestaltet sich die sogenannte Aquaponik (zusammengesetzt aus Aquakultur und Hydroponik) als ausgewogenes Geben und Nehmen: Aus dem Wasser der Fischzucht werden die Stoffwechselprodukte der Fische herausgefiltert und von Mikroorganismen in Dünger für die Pflanzen umgewandelt. Im Gewächshaus sammeln Kondensationsfallen das Verdunstungswasser der Pflanzen auf, so dass es den Fischen wieder zugeführt werden kann. Außerdem hilft das in der Fischzucht entstehende CO2 den Pflanzen beim Wachsen. Auf diese Weise ermöglicht das INAPRO-System eine nahezu emissionsfreie, nachhaltige Nahrungsmittelproduktion.

Ein Forschungsteam am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei im Forschungsverbund Berlin e. V. hat das Konzept gemeinsam mit Partnerinstitutionen aus acht Nationen in Probeanlagen in Deutschland, Spanien, Belgien und China entwickelt.

Wofür wird der Dahrendorf-Preis verwendet?

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von INAPRO möchten die in der Gesellschaft bestehenden Vorbehalte gegen die Nahrungsmittelproduktion auflösen und deren Vorteile vermitteln. Dies soll mit einer Virtual-Reality-Simulation geschehen, in der die Nutzerinnen und Nutzer in einem virtuellen Raum als Fischwirt/-in oder Gärtner/-in interagieren.

Sie führen Messungen aus, füttern die Fische und ernten Gemüse. Parallel werden Hintergrundinformationen spielerisch vermittelt. Das virtuelle Aquaponik-Spiel soll im Rahmen der Internationalen Grünen Woche, bei der Langen Nacht der Wissenschaften und am Langen Tag der Stadtnatur zum Einsatz kommen. Darüber hinaus werden Materialien für den Schulunterricht entwickelt.

Gefördert durch

7. EU Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Spezifisches Programm „Kooperation“, Programm Umwelt (inkl. Klimawandel).