"Wer das Studium abbricht, der ist noch lange nicht gescheitert"

Thomas Hissel ist bei der Stadt Aachen zuständig für das „Jobstarter plus“-Projekt „SWITCH“. Das Projekt unterstützt Studienabbrecher dabei, eine Berufsausbildung zu ergreifen und ungeahnte Potentiale zu entdecken. Ein Interview mit bmbf.de  

Da müssen wir alle Möglichkeiten nutzen. Zum einen gibt es die Studienberatung an den Hochschulen oder Mentorennetzwerke. Gleichzeitig sind aber die Bundesagentur für Arbeit Wirtschaftsförderungen der Region Aachen und die Kammern involviert. Das geschulte Personal kann Studienabbrecher gezielt beraten und an uns vermitteln.

Unverzichtbar ist natürlich auch Marketing. Wir schalten Anzeigen in regionalen Zeitungen oder Radios. Oft nutzen die Studierenden diese Medien nicht selbst, sehr wohl aber deren Eltern. Und gerade in diesem Alter sind Eltern noch wichtige Multiplikatoren, um die Studierenden zu erreichen. Wir haben aber auch schon in Kneipen Plakate aufgehängt und Flyer verteilt. Wir müssen dahin gehen, wo die jungen Leute sich aufhalten.

Wie geht es dann weiter, wenn die Studierenden den Weg zu Ihnen gefunden haben?

Wir reden erst einmal mit ihnen. Allein im Gespräch kann man schon sehr viel rausfinden: Warum hat die Person abgebrochen? Lag es am Fach? Ist das Hochschulssystem nicht das richtige? Dann machen wir einen Test mit den Studierenden. Zu jedem Ausbildungsberuf gibt es einen Multiple-Choice-Test. Darin erfragen wir Vorkenntnisse und prüfen, ob der Beruf wirklich zur Person passt.

Vom Geisteswissenschaftler zum Fachinformatiker: Ist das möglich?

Grundsätzlich ist alles möglich. Ich erinnere mich an einen Geisteswissenschaftler mit einem bemerkenswerten Werdegang. Von den geisteswissenschaftlichen Studieninhalten ist eine Ausbildung zum Fachinformatiker natürlich weit entfernt. Aber diese Person hatte sich in der Freizeit so intensiv mit Computern und Technik beschäftigt, dass eine Ausbildung zum Informatiker letztlich doch sehr gut zu ihm gepasst hat. Er war dann Absolvent des ersten Jahrgangs aus dem Jahr 2011, der mit einem Klassendurchschnitt von 1,6 abgeschlossen hatte. Geschichten wie diese zeigen: Wer ein Studium abbricht, der ist noch lange nicht gescheitert.