„Wer Wissenschaftler bedroht, der greift uns alle an“

Bundesforschungsministerin Karliczek war heute zu Gast in der Charité Universitätsmedizin Berlin. Während ihres Besuchs dankte sie den Forschenden auch für ihren Einsatz in der Wissenschaftskommunikation.

Besuch in der Charité
"Diskussionen und Streit in der Sache sind für eine freie Wissenschaft existenziell", sagt Ministerin Anja Karliczek. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Den Universitätskliniken kommt in der gegenwärtigen Corona-Pandemie eine ganz besondere Rolle zu: Sie verbinden die Versorgung und Behandlung von Erkrankten mit medizinischer Forschung auf Spitzenniveau. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat sich daher heute an der Charité Berlin über den aktuellen Stand der Behandlung von Patientinnen und Patienten und über laufende Forschungsaktivitäten informiert.

Während des Besuchs bedankte sie sich auch für den Einsatz der Forschenden in der Wissenschaftskommunikation. „Noch haben wir zu diesem neuen Virus viel mehr Fragen als Antworten. Unser Informationsbedürfnis ist riesig – und ebenso sind es unsere Erwartungen, die wir an die Forschung setzen. Wir brauchen daher Wissenschaftler, die ihre Arbeit und ihre Erkenntnisse allgemeinverständlich erklären können. So geben sie allen Bürgern die Möglichkeit, ihre wissenschaftliche Arbeit und ihre Herangehensweise besser zu verstehen“, sagte Karliczek.

Widerstreitende Positionen gehören zum Wesen der Wissenschaft

Gerade Forschungsprojekte zu Corona ziehen derzeit viel Aufmerksamkeit auf sich – und oftmals auch Kritik. Wichtig sei es daher, so Karliczek, zu vermitteln, dass wissenschaftliche Erkenntnis immer einer gewissen Vorläufigkeit unterliege und durch neues Wissen angepasst und manchmal sogar revidiert werden müsse. Die Debatte über widerstreitende Positionen gehöre zum Wesen der Wissenschaft, betonte die Forschungsministerin.

„Natürlich müssen wissenschaftliche Ergebnisse auch hinterfragt werden können“, sagte Karliczek. Voraussetzung dafür sei jedoch stets sachliche Kritik – sonst drohe der Rückzug der Forschenden aus öffentlichen Debatten. „Das wäre ein schwerer Verlust für uns alle“, so die Ministerin. „Wer Wissenschaftler bedroht oder beschimpft, der greift uns alle an. Denn wir sind eine Gesellschaft. Die Wissenschaftler haben die Öffentlichkeit in der Krise sehr engagiert an ihrem Wissen teilhaben lassen. Auch dafür danke ich Ihnen ausdrücklich!“

Vertrauen in die Wissenschaft hat stark zugenommen

Sie sei froh, ergänzte Karliczek, dass das Vertrauen in die Wissenschaft in den letzten Wochen wieder stark zugenommen habe und dass die Nachfrage über wissenschaftliche Erkenntnisse bis in die Mitte der Gesellschaft selbstverständlich geworden sei. "Das ist für uns alle ein Riesenschritt. Jetzt müssen wir aber auch miteinander dafür sorgen, dass die Diskussionen sachlich und aufklärend bleiben. Ich bin nicht bereit, den gerade gewonnenen Fortschritt preiszugeben. Wir tragen alle miteinander Verantwortung. Diskussionen und Streit in der Sache sind für eine freie Wissenschaft existenziell", so Karliczek.