Wie misst man Fortschritt?

Start für Forschungsprojekte zu einer neuen Innovationsindikatorik / Müller: "Leistungsfähigkeit unseres Forschungs- und Innovationssystems erfassen"

Wie können Innovationen besser gemessen werden? Welche Methoden erfassen auch gesellschaftliche Innovationen? Welche Rolle spielen Digitalisierung und zeitnah verfügbare große Datenmengen dabei? Und wie können die Innovationen von kleinen und mittleren Unternehmen angemessen erfasst werden? Diesen Fragen werden Forscherinnen und Forscher in sieben Verbund- und Einzelprojekten in den nächsten drei Jahren nachgehen. Gefördert werden sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

"Unser Instrumentarium zur Messung der Innovationsleistung muss mit der Digitalisierung und der Veränderung des Innovationsbegriffs vom klassischen technischen Fortschritt hin zu neuen Formen wie der sozialen Innovation Schritt halten. Die zur Förderung ausgewählten Projekte werden die Indikatorik weiterentwickeln und verbessern, mit der die Leistungsfähigkeit unseres Forschungs- und Innovationssystems erfasst wird", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im BMBF, Stefan Müller, MdB. "Die Ergebnisse der Forschung werden in das Berichtswesen des Bundesforschungsministeriums Eingang finden und so eine noch stärker evidenzbasierte Politik möglich machen. Auch für forschende Unternehmen können die Ergebnisse Wegweiser für neue Innovationstätigkeiten sein." Pro Jahr stellt das BMBF den Projekten eine Fördersumme von einer Million Euro zur Verfügung.

Diese Projekte starten zwischen Oktober 2017 und Januar 2018:

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und die Justus-Liebig-Universität Gießen werden Indikatoren entwickeln, die aktuelle Innovationstrends abbilden können. Dafür lassen die Forscher Algorithmen über textbasierte Daten, wie Unternehmenswebsites oder Fachzeitschriften, laufen. Mithilfe klassischer Innovationsindikatoren, beispielsweise aus der Innovationserhebung des ZEW, wird die Güte der neuen Messmethode geprüft.

Die Georg-August-Universität Göttingen koordiniert ein Verbundprojekt, das präzisere Instrumente zur Messung von nicht durch Forschung und Entwicklung getriebener Innovation entwickeln wird. Die Forscher vermuten gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen eine Unterschätzung der Innovationsleistung. Die Wissenschaftler testen, ob Unternehmen, die direkt aus der Produktion heraus – also ohne eigene Forschungsabteilung – Innovationsleitungen erbringen, mit neuen Messinstrumenten besser erfasst werden können.

Die RWTH Aachen wird mit einem interdisziplinären Team die Innovationshöhe von Neuheiten messbar machen. Algorithmen sollen Änderungen der Sprache erkennen und so auf die Radikalität von Innovationen schließen lassen. Grundlage sind große Mengen aus Textdaten, die mittels "Text Mining" ausgewertet werden.

Die Gemeinnützige Gesellschaft für Wissenschaftsstatistik GmbH im Stifterverband koordiniert ein Verbundprojekt, das die Vernetzungsstruktur und -dynamik im deutschen Innovationssystem erfassen wird. Grundlage dafür werden lange Zeitreihen, unter anderem aus einem verbesserten Panel der jährlichen Erhebung zu Forschung und Entwicklung des Stifterverbands, sein.

Ein Verbund unter Leitung der Universität Bremen wird neue Indikatoren entwickeln, um Technologieräume besser zu erfassen und Trends vorherzusagen. Die Forscher wollen Treiber der Technologieentwicklung messbar machen und der Technologiepolitik so ein zusätzliches Instrument an die Hand geben.

Die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen leitet ein Verbundprojekt, das soziale Innovationen messbar machen soll. Die Wissenschaftler werden als wesentliche Grundlage Daten aus den sozialen Medien verwenden. Die hohe Aktualität der Daten ermöglicht es, einen Frühindikator zu entwickeln.

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)  entwickelt in einem Einzelprojekt eine Methodik, um Unternehmenskompetenzen zu erfassen. Diese basieren auf dem Wissenskapital eines Unternehmens und seiner Belegschaft, das wesentlich für seine Innovationskraft ist. Die Herausforderung liegt unter anderem darin, Ausgaben für Wissenskapital von anderen Investitionen sauber abzugrenzen.

Ausgewählt wurden die Projekte von einer unabhängigen Expertenjury unter dem Vorsitz von

Prof. Dr. Ingrid Ott (Karlsruher Institut für Technologie). Die weiteren Jurymitglieder waren Dr. Heike Belitz (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung), Prof. Dr. Uwe Cantner (Universität Jena), Prof. Dr. Dirk Czarnitzki (Universität Leuven), Prof. Dr. Jutta Günther (Universität Bremen), Prof. Dr. Carolin Häussler (Universität Passau), Prof. Dr. Katharina Hölzle (Universität Potsdam), Prof. Dr. Hanna Hottenrott (TU München),

Wolfgang Polt (Joanneum Research), Dr. Gero Stenke (Stifterverband) und Dr. Matthias Weber (Austrian Institute of Technology).