Wie prägt religiöse Vielfalt unsere Städte?

Ob Sakralbauten, Symbole oder Kleidungsstile – religiöse Vielfalt ist sichtbar. Das HERA-Forschungsprojekt Iconic Religion untersucht, wie religiöse Zeichen den urbanen Raum prägen. Jetzt erlaubt eine Ausstellung Einblicke in diese Forschung.

Stadtzentrum bei Nacht
Stadtzentrum bei Nacht © Steph Berns, Iconic Religion, Lancaster University

Die europäischen Metropolen Amsterdam, Berlin und London zählen zu den säkularsten der Welt. Dennoch sind sie von enormer religiöser Vielfalt durchdrungen. Die Städte sind vitale Schauplätze für religiöses Leben. Religiöse Zeichen in Form von Architekturen, Bildern, Skulpturen, Symbolen, Graffitis, Kleiderordnungen und Veranstaltungen strukturieren den öffentlichen Raum. Religionen wie das Christentum oder das Judentum prägen die   europäischen Metropolen seit Jahrhunderten. In den letzten Jahrzehnten werden immer stärker religiöse Zeichen anderer Religionen sichtbar: Seien es alevitische Gemeindehäuser in Berlin, Sikhs mit traditionellen Turbanen auf den Straßen Londons oder hinduistische TV-Sendungen in den Niederlanden.

Fachleute aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden erforschen im Forschungsprojekts Iconic Religion solche religiösen Zeichen und ihre Bedeutung für die urbane Umgebung:  Zum Beispiel dominieren mittelalterlichen Kirchenbauten die Stadtsilhouetten, buddhistische Zentren entstehen heute hingegen unscheinbar in Hinterhöfen. Stärker präsent sind Moscheen, die im urbanen Raum vielerorts neu entstehen.

Aber nicht nur Orte werden untersucht: Rituale und Zeremonien, z. B. christliche oder hinduistische Prozessionen, finden oft nur für wenige Stunden auf der Straße statt und bewegen sich durch den urbanen Raum. Gedenkorte für Tote entstehen über Nacht und werden zu Magneten für die Bevölkerung. Andernorts werden Gebäude konzipiert, die ganz dem interreligiösen Kontakt gewidmet sind.

Nun gewährt die  Ausstellung „The Urban Sacred“ Einblicke in diese Forschungsarbeit, ergänzt durch die fotografischen und filmischen Perspektiven der Künstlerinnen Nina Gschlößl, Henriette Kriese und Tania Reinicke. Vom 27. Februar bis zum 3. April 2016 läuft die Ausstellung im Kunstmuseum Bochum. Danach wird sie in London, Berlin und Amsterdam gezeigt.

Iconic Religion wird durch das Netzwerk HERA (Humanities in the European Research Area ) gefördert, das auch von der Europäischen Union unterstützt wird. Das BMBF beteiligt sich an der HERA-Förderung und finanziert den Anteil der Wissenschaftler aus Deutschland - bei Iconic Religion kommen diese vom Zentrum CERES der Ruhr-Universität Bochum.