"Wir entscheiden, wie wir mit KI unsere Zukunft gestalten"

Künstliche Intelligenz bietet viele Chancen. "Es müssen aber auch noch Herausforderungen gemeistert werden", mahnt Thomas Rachel beim KI-Camp in Berlin. "Zuvorderst die Frage: Welchen Rahmen geben wir vor, damit die Technik stets dem Menschen dient?"

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel (MdB), beim "KI-Camp 2019 – Forschungs-Convention im Wissenschaftsjahr – Künstliche Intelligenz" in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Deutschland liegt auf Platz zwei der weltweit beliebtesten Zielländer für hochqualifizierte Digitalfachkräfte. Damit sind wir der attraktivste nicht englischsprachige Jobstandort der Welt.

Und die Zahl der KI-Start-ups in Deutschland stieg im letzten Jahr um 62 Prozent.

Diese Zahlen zeigen: KI ist ein Zukunftstreiber für Wachstum und Wohlstand in unserem Land. Und: Deutschland ist ein attraktiver Standort für junge Fachkräfte aus aller Welt.

I.

Klar ist aber auch: Die internationale Konkurrenz schläft nicht. Die Entwicklung im Bereich KI wird weltweit immer schneller und dynamischer.

Schnell werden da Appelle laut:

  • Wir müssen schneller werden in diesem Land.
  • Wir brauchen endlich mehr unternehmerisches Denken.

Wir alle wissen aber, dass Appelle allein nicht ausreichen. Deshalb handeln wir.

Die Bundesregierung hat Ende 2018 die KI-Strategie verabschiedet.

Mit der KI Strategie wollen wir:

  • Deutschland und Europa zu einem führenden Standort für Entwicklung und Anwendung von KI-Technologien machen.
  • Wirtschaft und Wohlstand stärken und
  • eine KI möglich machen, bei der das Wohl der Menschen im Mittelpunkt steht.

Künstliche Intelligenz ist ein vielschichtiges und für viele Menschen noch recht abstraktes Thema.

Die Reaktionen, die uns in den zahlreichen Veranstaltungen des Wissenschaftsjahres erreicht haben, sind durchaus geteilt:

Einerseits große Hoffnung in Bereichen wie Gesundheit und Medizin; auf der anderen Seite auch Vorbehalte bei allem, wo der Mensch Kontrolle an die KI abgibt, wie z. B. beim autonomen Fahren.

Insgesamt gibt es einen großen Wissensdurst. Die Leute möchten KI verstehen. Deshalb legen wir im Wissenschaftsjahr einen Fokus auf das Erklären: Wie funktioniert maschinelles Lernen? Wie werden intelligente Systeme trainiert? Gleichzeitig wollen wir mit den Menschen auch die gesellschaftlichen Auswirkungen diskutieren:

Welches ethische Gerüst brauchen wir beispielsweise für den Umgang mit sensiblen Daten?

II.

In vielen Bereichen nutzen wir bereits heute das enorme Potenzial von Künstlicher Intelligenz, so zum Beispiel im Bereich der Medizin, wo der Einsatz von intelligenter Software neue Optionen für Diagnostik und Therapie eröffnet. Egal, ob in der bildgebenden Diagnostik oder bei personalisierten Krebstherapien: Intelligente Systeme erweitern die Möglichkeiten der Medizin ganz erheblich.

Es müssen aber auch noch Herausforderungen gemeistert werden. Zuvorderst die Frage: Welchen Rahmen geben wir vor, damit die Technik stets dem Menschen dient – und nicht etwa andersherum?

In der Medizin kann KI eine entscheidende Hilfe für Ärztinnen und Ärzte sowie für das medizinische Personal sein. Eine konkrete Anwendung ist die Unterstützung bei der Auswertung von medizinischen Bildaufnahmen. In einem Beispiel aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Universitätshautklinik Heidelberg konnte schon gezeigt werden, dass bei der Erkennung von schwarzem Hautkrebs KI sehr gute Ergebnisse liefern kann. KI fungiert hier als digitaler Assistent, die Entscheidung über Diagnose und eine etwaige Therapie fällt – und das ist ganz wichtig –weiterhin der Mensch, in diesem Fall der Hautarzt.

In der gesamten Medizin sind Daten eine wichtige Grundlage, um die Möglichkeiten von KI zu erschließen. In einigen Bereichen wie in der Bildgebung, sind Daten schon jetzt strukturiert verfügbar. Im Bereich der medizinischen Routineversorgung wird derzeit daran gearbeitet, dass Daten möglichst flächendeckend und strukturiert erfasst und verarbeitet werden können. Mit der Medizininformatik-Initiative zielt das BMBF darauf ab, Daten aus der Patientenversorgung und der Forschung zusammenzuführen und für eine verbesserte Gesundheitsforschung und Versorgung nutzbar zu machen.

Neben Qualität und Kompatibilität der unterschiedlichen Daten wirft der Einsatz von KI in der Medizin auch gesellschaftliche, rechtliche und ethische Fragen auf. Konkret geht es dabei z.B. um Datenschutz, aber auch um übergreifende Themen wie Verantwortung und Transparenz. Vor diesem Hintergrund fördert das BMBF insbesondere im ELSA-Förderschwerpunkt Forschungsprojekte zu ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten (ELSA) der Digitalisierung, von Big Data und Künstlicher Intelligenz in der Gesundheitsforschung und -versorgung. Damit wird ein aktiver Beitrag zur wissenschaftsbasierten Aufarbeitung der aufgeworfenen Fragestellungen und gesellschaftlichen Herausforderungen geleistet.

III.

Meine Damen und Herren, der fortschreitende Klimawandel – das zeigen uns nicht zuletzt die Berichte des Weltklimarates sehr eindringlich – ist eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Zudem machte der globale Bericht des Weltbiodiversitätsrates uns deutlich: Bis zu einer Million Arten könnte aussterben, viele davon bereits in den kommenden Jahren und Jahrzehnten. Es ist also höchste Zeit, zu handeln!

Um beides zu schützen, Klima und Artenvielfalt, brauchen wir Forschung und Innovationen. Auch hierbei bietet die Künstliche Intelligenz enormes Potenzial. Mit der Fördermaßnahme „Anwendung von Methoden der Künstlichen Intelligenz in der Praxis“ fördern wir bereits jetzt verstärkt die Entwicklung von KI-Anwendungen in den Bereichen erneuerbare Energien sowie Mobilität und Logistik.

Auch das Potenzial von KI in der Landwirtschaft ist riesig – und es könnte helfen, große Herausforderung der Agrarwirtschaft zu lösen. Die zukünftige Ernährung der wachsenden Menschheit ist eines der Schlüsselthemen unserer Zeit. Gleichzeitig stellen Klimawandel und Globalisierung zunehmende Anforderungen an eine klimaschonende und zugleich wettbewerbsfähige Landwirtschaft. Intelligente Technologien helfen, die landwirtschaftliche Produktion entlang der gesamten Prozesskette nachhaltig ressourceneffizient und umweltgerecht zu gestalten. Sie bergen enormes Potential für eine neue schonende Landwirtschaft. Dies beinhaltet ebenso die Vernetzung und Automatisierung von Landmaschinen und Wissensquellen, wie die Nutzbarmachung von landwirtschaftsspezifischen Daten, die zuverlässige Informationen für eine optimale Entscheidungsunterstützung liefern. KI kann also dabei helfen, Artenschutz und Landnutzung besser in Einklang zu bringen.

Wie das geht, erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in zahlreichen Projekten, die das Bundesforschungsministerium fördert – unter anderem im Rahmen der Fördermaßnahmen in der Bioökonomie. Darin stehen 40 Millionen Euro für die Forschung zu „Agrarsystemen der Zukunft“ bereit.

IV.

Ich glaube, die genannten Bespiele machen eines sehr deutlich: Möglichkeiten und Auswirkungen von KI gilt es interdisziplinär zu erforschen.

Wir konnten vor kurzem das einjährige Jubiläum der KI-Strategie begehen. Als Bundesregierung haben wir bereits eine beachtliche Anzahl an Initiativen auf den Weg gebracht. Aber wir werden die KI-Strategie stetig weiterentwickeln und weitere Maßnahmen anstoßen. So fördern wir im Rahmen der Forschung zur digitalen Hochschulbildung den „KI-Campus- die Lernplattform für Künstliche Intelligenz“. Damit wollen wir, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Bereich der KI schaffen und damit die KI-Kompetenzen in Deutschland stärken.

Um alternative Anwendungen von KI zu erproben, braucht es Experimentierräume. Mittels künstlicher Intelligenz können Produkte und Dienstleistungen verbessert werden. Dabei sind Erfolgsbeispiele wichtige Anreize, KI selbst auszuprobieren, Neues zu wagen oder auch gewisse Lösungskonzepte in eine breitere Anwendung zu überführen.

V.

Meine Damen und Herren, der bekannte US-amerikanische Psychologe B.F. Skinner hat es einmal treffend formuliert: „Die wirkliche Frage ist nicht, ob Maschinen denken können, sondern ob Menschen es tun.“ Und das sollten wir immer beherzigen: Wir entscheiden, wie wir mit KI unsere gemeinsame Zukunft gestalten. Schlüssel für den Erfolg ist dabei immer der gemeinsame Schulterschluss aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Wenn jede und jeder seinen Beitrag leistet, werden wir mit Hilfe von KI den Wohlstand weiter stärken können.

Lassen Sie uns deshalb zusammen weiter an unseren Zukunftszielen arbeiten.

Lassen sie uns zusammen unser Land, unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft mit KI weiter nach vorne bringen.

Herzlichen Dank!