"Wir haben einen hochkompetenten Mitarbeiter gewonnen"

Unternehmenspreis "Wir für Anerkennung": Der norddeutsche Unternehmer Volker Wenzel über seinen spanischen Praktikanten Borrallo Espinar, der inzwischen als Fachinformatiker bei ihm fest angestellt ist. Ein Interview.

Volker Wenzel © DIHK

Herr Wenzel, was hat den Anstoß gegeben, sich mit der beruflichen Anerkennung zu beschäftigen?

Im Januar 2016 kam die Wirtschaftsförderung der Gemeinde Stuhr auf uns zu: Ob wir einem IT-Absolventen aus der Alcalá de Guardiara, unser Partnerstadt in Spanien, ein dreimonatiges Praktikum ermöglichen könnten? Das taten wir gern. Der junge Mann beeindruckte uns sofort mit seinem Wissen und Können, so dass wir ihn gerne übernehmen wollten.

Hätten Sie ihn nicht auch ohne Anerkennung einstellen können?

Im Prinzip ja. Aber Deutschland hat nun einmal eine Zertifikationskultur. Ohne formal anerkannten Abschluss ist es schwer, hier beruflich Fuß zu fassen. Uns war es jedoch wichtig, dass Herr Espinar in seiner neuen Heimat gute Berufschancen und Karriereperspektiven hat. Darum haben wir seine berufliche Anerkennung unterstützt. Heute arbeitet er als Fachinformatiker bei uns – auf Top-Niveau. Das ist eine klassische Win-Win-Situation.

Wenzel Marine GmbH & Co. KG

Die Wenzel Marine GmbH & Co. KG mit Hauptsitz in Stuhr-Brinkum ist spezialisiert auf die Ersatzteilbeschaffung im Bereich Hochseeschifffahrt. Sie hat 39 Mitarbeitende, davon 5 mit ausländischen Berufsabschlüssen. Sie ist eines der Unternehmen, das die interdisziplinär besetzte Fachjury des Unternehmenspreises "Wir für Anerkennung" überzeugen konnte.

Wie haben Sie seine berufliche Anerkennung konkret unterstützt?

Damit er die noch fehlenden Fachkenntnisse und -kompetenzen erwerben konnte, haben wir in Kooperation mit der IHK Hannover eine innerbetriebliche Qualifizierung entwickelt und ihn an unseren internen Azubi-Schulungen sowie an ausgewählten Berufsschulkursen teilnehmen lassen. Außerdem haben wir die anfallenden Anerkennungskosten hälftig übernommen und ihn für Deutschkurse freigestellt. Daneben haben wir ihn bei all den kleinen Dingen geholfen, die erforderlich sind, um in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Angefangen bei der Beantragung einer Steuer- und Sozialversicherungsnummer über die Eröffnung eines Bankkontos, Auswahl und Anmeldung bei einer Krankenkasse bis hin zur Wohnungssuche.

Hat sich Ihr Engagement für die berufliche Anerkennung und Integration von Herrn Espinar gelohnt?

Auf jeden Fall! Unternehmen leben von motivierten Mitarbeitern. Mit Herrn Espinar haben wir einen engagierten, hochkompetenten und loyalen Mitarbeiter gewonnen, der sowohl fachlich als auch menschlich eine echte Bereicherung für uns ist. Mehr kann man sich als Unternehmen kaum wünschen.

Was können Sie anderen Unternehmern zum Thema berufliche Anerkennung auf den Weg geben?

Ich kann allen Unternehmen nur sagen: Es lohnt sich, die berufliche Anerkennung von Fachkräften mit ausländischen Berufsqualifikationen zu unterstützen. Der Return-of-Invest lässt sich vielleicht nicht in Kennzahlen messen, aber in Motivation, Loyalität und Leistung der Mitarbeiter. Das zeigt sich bei Herrn Espinar schon nach den eineinhalb Jahren, die er nun bei uns ist. Mein Tipp an Unternehmen: Nutzen Sie die Expertise und Beratung Ihrer Kammer. Die Mitarbeiter sind hochengagiert und unterstützen mit Rat und Tat bei allen Fragen zum Anerkennungsverfahren.

Haben Sie einen Wunsch?

Ja. Wünschenswert wäre ein Unternehmensnetzwerk, um sich zu operativen Fragen rund um die Anerkennung und betriebliche Integration von ausländischen Fachkräften austauschen und voneinander lernen zu können.

Engagement lohnt sich: Volker Wenzel und Borrallo Espinar © BMBF/Hans-Joachim Rickel