"Wir handeln! Nicht erst seit den Protesten"

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat angesichts der Veränderungen beim Klima zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung aufgerufen. „Wir werden den Klimawandel nur bewältigen, wenn wir alle unsere Kräfte bündeln“, sagte sie.

© BMBF / Hans-Joachim Rickel

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek (MdB) anlässlich der Aktuellen Stunde im Bundestag „Haltung der Bundesregierung zu den Klimastreiks der Friday for Future Bewegung und der Petition Scientists for Future“ in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Damen und Herren,

die Schüler von heute sitzen nur noch vor dem Computer? Von wegen. Junge Menschen informieren sich. Sie hören auf Argumente aus der Wissenschaft. Sie treten für ihre Interessen ein. Sie gehen auf die Straße und demonstrieren für mehr Klimaschutz. In vielen Ländern Europas. Ich begrüße, dass so viele junge Menschen sich für den Klimaschutz engagieren. Denn es geht um ihre Zukunft. Um unsere Zukunft. Von solchem gesellschaftlichen Engagement lebt unsere Demokratie.

Dass die Schulpflicht trotzdem gilt, ist selbstredend. Da bin ich mir mit der Bundeskanzlerin einig. In der Schule lernen die Kinder, warum das Klima gefährdet ist. Durch welche Faktoren es beeinflusst wird. Wie Forscher verschiedene Klimamodelle berechnen, und dass man dafür Mathematik, Physik und Informatik braucht. Sie lernen, sich mit Argumenten gegen Populisten und Klimaleugner zu wappnen. In der Schule wird die Grundlage dafür gelegt, dass sie selbst einmal forschen können. Dass sie selbst Lösungen entwickeln, um die gewaltigen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, zu bewältigen.

Eine solche gewaltige Herausforderung ist der Klimawandel. Wir werden den Klimawandel nur bewältigen, wenn wir alle unsere Kräfte bündeln. Wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen. Auf unsere Innovationskraft. Auf die Stärke unserer Forschung. Wir setzen auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich einmischen. Die uns allen evidenzbasiert vor Augen führen, wie unsere bisherige Art zu leben unser Klima verändert. Damit Klimaleugner keine Chance haben, zu überzeugen. Selbst wenn sie an der Spitze der Weltmacht USA stehen.

Deswegen ist es auch richtig und wichtig, dass sich Wissenschaftler wie die „scientists for future“ öffentlich einmischen. Wir brauchen ihr Engagement. Wir brauchen, und wir fördern ihre Lösungsoptionen für eine nachhaltige Zukunft. Wir setzen auf Forschung und Innovation. Seitdem unsere Bundeskanzlerin im Amt ist, haben wir mehr als fünf Milliarden Euro in Forschung für mehr Nachhaltigkeit investiert.

Forscherinnen und Forscher arbeiten mit Hochdruck:

  • an einer sauberen, sicheren und bezahlbaren Energieversorgung der Zukunft;
  • an einer Kreislaufwirtschaft, die unsere Ressourcen schont;
  • an Lösungen für CO2-intensive Industrien
  • an Lösungen für den ständig wachsenden Verkehr; Elektromobilität, autonom fahrende Autos, intelligente Verkehrslenkung;
  • an neuen Ansätzen für den Erhalt der Artenvielfalt.

Wir handeln! Schon lange. Nicht erst seit den Protesten. Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung steht.In 30 Jahren wollen wir klimaneutral wirtschaften – das ist das Ziel:

  • Nur noch regenerative Energie: Wind, Sonne, Wasser;
  • Schluss mit Atomenergie;
  • Schluss mit Kohleverstromung.

Das ist ein Umbruch, vor dem unsere Gesellschaft steht. Ein Umbruch für unsere Art zu leben und zu wirtschaften. Für jeden von uns. Das ist nicht einfach. Darüber muss man diskutieren. Denn dieser Umbruch ist die Voraussetzung dafür, dass wir auch in Zukunft gut auf unserer Erde leben können. Ich bin überzeugt: Klimaschutz, Wohlstand und eine starke Wirtschaft sind keine Gegensätze. Sie gehören zusammen. Grüne Technologien aus unserem Land schaffen neue Exportchancen. Das stärkt unsere Wirtschaft.

Und das stärkt die Umwelt. Denn nur wenn grüne Technologien sich überall in der Welt durchsetzen, haben wir eine Chance, unser Klima zu retten. Klimawandel macht nicht an Grenzen halt. Wir können ihn nicht alleine verhindern. Schützen werden wir unseren Planeten nur, wenn die Menschen dieser Erde zusammenstehen und bereit sind für Veränderung. Deswegen ist es auch so gut, dass Schüler in verschiedenen Ländern für Klimaschutz demonstrieren. Nur gemeinsam bewahren wir unsere Schöpfung.