„Wir können auf das Potenzial von Frauen in MINT-Berufen nicht verzichten“

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks ist der 200. Partner im Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen. Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wollen mehr Frauen für Männerberufe begeistern. „Alte Rollenmuster haben ausgedient“, sagte Wanka.

Johanna Wanka und ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer bei der Unterzeichnung des Memorandums.
Johanna Wanka und ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer bei der Unterzeichnung des Memorandums. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen wurde im Jahr 2008 auf Initiative des Ministeriums ins Leben gerufen. Ziel ist es, das Interesse junger Frauen an Technik und Naturwissenschaft zu fördern und den Anteil von Absolventinnen und Führungskräften mit MINT-Ausbildung zu erhöhen. Mehr als 1000 Maßnahmen finden Sie in der Projektlandkarte.

Frauen und Technik: Das ist immer noch eine viel zu seltene Kombination. Um mehr junge Frauen für Berufe und Studiengänge im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, den sogenannten MINT-Fächern, zu gewinnen, arbeitet das Bundesbildungsministerium eng mit der Wirtschaft zusammen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist jetzt als 200. Partner dem "Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen" beigetreten.

„Von überlieferten Rollenmustern müssen sich junge Frauen bei der Berufswahl heute zum Glück nicht mehr leiten lassen, sondern können dafür auf ihren individuellen Interessen und Talenten aufbauen. Damit junge Frauen gerade im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich die vielen Möglichkeiten für sich entdecken können, ist der MINT-Pakt entstanden“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. „Die junge Frauengeneration ist so gut ausgebildet wie noch nie, wir können und wollen in Deutschland auf das Potenzial dieser Frauen in MINT-Berufen nicht verzichten.“

Mehr Frauen in Männerdomänen

Kfz-Meisterin Alicja Lundt © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Wie man als Frau in einer Männerwelt erfolgreich sein kann, macht Alicja Lundt vor. Sie hat im Jahr 2011 als jüngste Frau Deutschlands ihre Prüfung zur Kfz-Meisterin abgelegt. Seither arbeitet sie in der Werkstatt ihrer Eltern, die sie eines Tages übernehmen möchte. Aber auch Lundt hat erfahren, dass es Frauen in technischen Berufen nicht immer einfach haben: "Nur mit Erfolg kann man sich Respekt und Ansehen bei den männlichen Kollegen verschaffen", sagte sie. Für eine Karriere in MINT brauche man Durchhaltevermögen und den unbedingten Willen, es zu schaffen.

ZAHLEN

In technischen Ausbildungsberufen waren in 2013 elf Prozent der Auszubildenden Frauen. Der Gesamtanteil von Frauen in Ausbildungsberufen liegt allerdings bei 38,6 Prozent. Ein Blick an die Hochschulen zeigt: Der Anteil der MINT-Studienanfängerinnen lag in 2013 bei 26 Prozent.

Damit in Zukunft noch mehr Frauen selbstbewusst ihren Weg in einem MINT-Beruf gehen werden, wird der Zentralverband des Deutschen Handwerks als neuer Pakt-Partner verstärkt jungen Frauen Qualifizierungs- und Karrieremöglichkeiten aufzeigen und sie durch Beratung und Orientierungshilfen bei der Entscheidung für einen Berufsweg in Technik, Naturwissenschaft oder Handwerk noch besser unterstützen.

„Frauen erobern das Handwerk in vielen Bereichen. Sie arbeiten nicht nur an der Werkbank mit, sondern koordinieren ganze Produktionsabläufe oder leiten ihren eigenen Handwerksbetrieb. Insgesamt ist schon jeder fünfte Handwerksmeister eine Meisterin. Auch in stark technisch orientierten Handwerksberufen stehen Frauen facettenreiche Ausbildungsgänge und Karriereperspektiven offen. Dafür wollen wir künftig noch mehr von ihnen begeistern“, sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident des ZDH.