„Wir müssen uns gegen zukünftigen Pandemien wappnen“

„Deutschland hat die besten Voraussetzungen, um im Bereich innovativer Arzneimittel und Therapieansätze zum Impulsgeber in Europa zu werden“, sagt Forschungsministerin Karliczek der WamS. Dafür möchte sie die Medikamentenentwicklung stärken.

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung © BMBF/Laurence Chaperon

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hofft „recht bald“ auf die Zulassung eines COVID-19-Impfstoffs. „Das Tempo in der Impfstoffentwicklung ist enorm und die Zulassungsbehörden waren von Anfang an bemüht, die Prüfverfahren dem anzupassen“, sagte sie der WELT am Sonntag (15.11.2020). Gleichzeitig mahnte sie, dass es noch etwas Wichtigeres gebe, als das Tempo: Bei der Einhaltung der Prüfstandards, die gewährleisten, dass der Impfstoff sicher und wirksam ist, dürfe es keine Abstriche gegenüber anderen Impfstoffentwicklungen geben, so die Bundesforschungsministerin. Denn: „Nur wenn die Menschen dem Impfstoff vertrauen, werden sie sich impfen lassen – und nur so werden wir die Pandemie eindämmen“, sagte Karliczek.

Deutschland als Impulsgeber für Europa in der Medikamentenentwicklung

Karliczek kündigte zudem an, dass sie sich – neben der Förderung zur Impfstoffentwicklung – für ein extra Wirkstoffprogramm zur Entwicklung von spezifischen Covid-19-Therapeutika einsetze. In den vergangenen Monaten haben Forscher völlig neue Wirkstoffe und auch monoklonale Antikörper gegen Covid-19 entwickelt, die jetzt in die klinische Entwicklung kommen. „Das möchte ich unterstützen, damit wirksame Behandlungen so schnell wie möglich bei den Patienten ankommen“, versprach Karliczek.

Generell müsse Deutschland in der Medikamentenentwicklung stärker werden: „Deutschland war einmal die Apotheke der Welt und hat daher beste Voraussetzungen, um gerade im Bereich innovativer Arzneimittel und Therapieansätze zum Impulsgeber für Europa zu werden“, so die Ministerin. Nach amerikanischem Vorbild wolle sie daher mittelfristig in Europa eine starke Institution schaffen, die sich auf Pandemien und andere Gesundheitsnotfälle vorbereite. „Hohe Investitionen in diese Richtung werden sich langfristig auszahlen“, sagte Karliczek.

„Immer Nein zu sagen, ist keine Alternative“

Für Fortschritt in der Medikamentenentwicklung sei es jedoch auch wichtig, zu hinterfragen, ob wir neue Technologien weiterhin so skeptisch sehen wollen, sagte Karliczek. Dazu zähle neben den neuen Methoden der Biotechnologie, die sich in der Impfstoffentwicklung als Hoffnungsträger erwiesen haben, auch die Genschere. Sie wisse, dass es Vorbehalte gebe, so die Bundesforschungsministerin. „Doch einfach immer Nein zu sagen, ist keine Alternative.“

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