"Wir tragen zur Bewältigung der Krise bei"

Starke Infektionsforschung, weltweite Partnerschaften für die globale Gesundheit: "Deutschland ist gut aufgestellt, um einen wichtigen Beitrag bei der Bekämpfung des neuartigen Coronavirus zu leisten", sagt Thomas Rachel im Bundestag.

"Eine ganz zentrale Herausforderung wird sein, dass die nun anlaufenden Entwicklungsarbeiten nicht in nationalen Silos erfolgen dürfen", mahnt Thomas Rachel im Bundestag. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel (MdB), anlässlich der Aktuellen Stunde des Deutschen Bundestages „Strategie zur Vorbeugung gegen das Corona-Virus in Deutschland“ in Berlin.

Sehr geehrter Herr Präsident,

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Der aktuelle Ausbruch des neuartigen Coronavirus, das seit gestern offiziell COVID-19 heißt, verursacht viele Fragen und konkrete Sorgen der Menschen. Als BMBF wissen wir, dass dies auch Forschung und Entwicklung vor immense Herausforderungen stellt.

  • Wir wollen rasch einen Impfstoff entwickeln, um den Menschen eine zuverlässige Prävention anbieten zu können.
  • Wir brauchen aber auch Medikamente und andere therapeutische Verfahren, um den bereits Infizierten zu helfen.
  • Zudem brauchen wir verlässliche Instrumente, um einen Ausbruchsverlauf sicherer vorhersagen zu können.

Deutschland ist mit seiner starken Forschungscommunity in der Infektionsforschung international anerkannt und sofort aktiv geworden. Eine ganz zentrale Herausforderung wird sein, dass die nun anlaufenden Entwicklungsarbeiten nicht in nationalen Silos erfolgen dürfen. Nationalismus ist auch hier falsch und führt in eine Sackgasse. Die Ebola-Krise hat uns gezeigt, dass dadurch wertvolle Ressourcen und lebensrettende Zeit vergeudet werden.

Ja, Deutschland ist gut aufgestellt, um einen wichtigen Beitrag bei der Bekämpfung des neuartigen Coronavirus zu leisten: Das zeigt sich auch daran, dass das weltweit erste etablierte, diagnostische Verfahren für das neuartige Coronavirus an der Charité von Professor Drosten in kürzester Zeit entwickelt wurde. Im Rahmen der BMBF-geförderten Maßnahme „Forschungsnetz Zoonotische Infektionskrankheiten“ leitet Professor Drosten zudem einen Forschungsverbund zur Risikobewertung von Coronaviren: das ist der Diagnosik-Entwicklung jetzt zugutegekommen.

Darüber hinaus ist das BMBF Gründungsmitglied und Mitglied im Steuerungsgremium von CEPI, der internationalen Initiative zur Impfstoffentwicklung. In enger Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation will CEPI einen ersten Impfstoff binnen 16 Wochen in die klinische Prüfung bringen. Das vom BMBF geförderte CEPI finanziert für diesen ersten Entwicklungsschritt bereits vier Entwicklungspartnerschaften, darunter eine Partnerschaft mit der CureVac AG, einer deutschen Firma.

Bei allem Engagement im Bereich der Impfstoffentwicklung müssen wir uns aber auch vor Augen führen, dass ein wirksamer Impfstoff wohl nicht vor Ende dieses Jahres verfügbar sein wird. Ein Impfstoff schützt gesunde Menschen vor einer Ansteckung, hilft aber nicht unmittelbar bei der Behandlung der Erkrankten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass auch die Entwicklung von neuen Medikamenten, anderen Therapieverfahren und epidemiologischen Studien vorangetrieben wird. Hier führen wir bereits Gespräche mit verschiedenen internationalen Förderorganisationen, darunter der Europäischen Kommission, dem Wellcome Trust und der Bill und Melinda Gates Stiftung.

Als Lehre aus den Erfahrungen der Ebola-Krise wurde die internationale Plattform zur Zusammenarbeit von internationalen Forschungsförderern, GloPID-R gegründet. Das BMBF ist hier von Anfang an als Gründungsmitglied dabei. GloPID-R hat das Ziel, im Falle des Ausbruchs einer Epidemie schnell und unkompliziert koordinierte Forschungsantworten zu initiieren.

Meine Damen und Herren,

Die Weltgesundheitsorganisation hat eine entscheidende Rolle in globalen Gesundheitsfragen. Daher begrüßen wir es, dass die WHO zur Stunde ein Treffen mit Wissenschaftlern, öffentlichen Gesundheitsdiensten, Regulatoren und Forschungsförderern durchführt, um an einer konsolidierten Forschungsantwort zu arbeiten. Das Bundesforschungsministerium ist hier aktiv und vor Ort beteiligt. Beim derzeitigen Ausbruch des Coronavirus tragen wir mit deutscher Forschungs- und Entwicklungsexpertise zur Bewältigung der Krise bei.

Vielen Dank.