„Wir wissen, dass wir dringend etwas tun müssen“

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka über die Nachwuchsförderung an Fachhochschulen. Ein Gespräch mit der Deutschen Universitätszeitung vom 22. Juli 2016.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka im Interview © BMBF/ Hans-Joachim Rickel

Deutsche Universitätszeitung (DUZ): 5,3 Milliarden für die Spitzenforschung, eine Milliarde für den Professoren-Nachwuchs an den Unis – aus  den Fachhochschulen vernimmt man Kritik, der Bund bevorzuge bei seinen Finanzhilfen einseitig die Universitäten. Halten Sie diese Klagen für berechtigt?

Johanna Wanka:  Als ehemalige FH-Rektorin muss ich in Sachen Bedeutung der Fachhochschulen für unser Wissenschaftssystem wirklich nicht ‚katholisch‘ gemacht werden. Wir wissen, dass wir auch für die Nachwuchskarrieren an den Fachhochschulen dringend etwas tun müssen.  Ich denke dabei an ein eigenes, speziell auf die Bedürfnisse der Fachhochschulen zugeschnittenes Programm.

DUZ: Wie sehen ihre Pläne konkret aus?

Wanka: Der Wissenschaftsrat bereitet gerade Empfehlungen zur künftigen Personalstruktur an den Fachhochschulen und für den künftigen Professoren-Nachwuchs vor. Dem will ich nicht vorgreifen. Wenn diese Empfehlungen vorliegen, werde ich meine Vorstellungen öffentlich machen.

DUZ: Gibt es in ihrem Ministerium denn keine Vorüberlegungen?

Wanka: Natürlich gibt es viele Überlegungen. Wir können zum Beispiel das Tenure-Track-Programm der Universitäten nicht 1:1 auf die Fachhochschulen übertragen. Wir brauchen an diesem Hochschultyp vielmehr Lehrende mit guter beruflicher Erfahrung aus der Wirtschaft. Das sollte aber dann auch deutlich mehr sein als nur eine Art ‚Teilzeit-Praktikum‘. Die Stärke der deutschen Fachhochschule ist nun einmal ihr Praxisbezug.

DUZ: Aus den Fachhochschulen hört man Klagen, es gebe bei Stellenausschreibungen für Professuren einen regelrechten Bewerbermangel. Das wird zum Teil darauf zurückgeführt, dass die Fachhochschule über kein eigenes Promotionsrecht verfügt  – sieht man von neueren Ausnahmen in wenigen Bundesländern ab. Und weiter heißt es: Es wäre völlig anders, wenn die Fachhochschule ihren eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden dürfte. Wie stehen Sie dazu?

Wanka: Von einem generellen Bewerbermangel kann an den Fachhochschulen so zwar nicht gesprochen werden. Das ist sicherlich von Fach zu Fach sehr verschieden.  In einigen Bereichen scheint es aber erhebliche Probleme zu geben. Ich bin aber nach wie vor Anhängerin der ‚kooperativen Promotion‘. Da bin ich sehr dafür. Und der Bund wird dies auch weiterhin unterstützen.

DUZ: Haben Sie für ihre Vorstellungen zu einem eigenständigen FH-Nachwuchsprogramm bereits Rückmeldungen aus den Ländern erhalten? War das schon ein Thema in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern?

Wanka: In der Wissenschaftskonferenz stand das Thema noch nicht auf der Tagesordnung. Sie wissen, dass ich gern die Dinge vorantreibe.  Aber - wie bereits gesagt: Ich will erst die Empfehlungen des Wissenschaftsrates abwarten und hier nicht vorgreifen.

DUZ: Die Hochschulrektorenkonferenz fordert vom Bund den Ausbau dieser kooperativen Promotionskollegs von sieben auf 50. Zudem wünscht sich die HRK eine deutliche Aufstockung der Bundesmittel für die Forschung an Fachhochschulen.

Wanka:  Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass sich diese Forderungen und Wünsche allein an den Bund richten – und nicht vor allem an die Länder, die ja für die Grundfinanzierung der Hochschulen originär zuständig sind.  Die Forschung an Fachhochschulen unterstützt der Bund jetzt seit mehr als 20 Jahren. Im Rahmen des eigenständigen FH-Forschungsprogramm stehen allein in diesem Jahr 48 Millionen Euro zur Verfügung. Zudem gehen viele Projektmittel an die Fachhochschulen.

Die Fragen stellte Karl-Heinz-Reith.