"Wir wollen attraktiv sein für die besten Köpfe"

"Der Anerkennungsbericht 2019 zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Ministerin Karliczek im Bundestag. "Die Berufsanerkennung ist längst das Qualitätsinstrument für Fachkräfteeinwanderung und für mehr Durchlässigkeit am Arbeitsmarkt."

Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede.
Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek (MdB) anlässlich der Debatte zum Anerkennungsbericht 2019 im Deutschen Bundestag am Mittwoch, 11. März 2020 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Damen und Herren!

Deutschland ist Innovationsland, mehr als jemals zuvor. Wir haben darum allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Das Rückgrat unserer Wirtschaft sind unsere exzellenten Fachkräfte. Diese Fachkräftebasis zu sichern, ist eine unserer zentralen Zukunftsaufgaben.

In erster Linie machen wir das durch Bildung und Ausbildung. Wir wollen, dass die 20er Jahre zum Jahrzehnt der Bildung, Forschung und Innovation werden. Dafür brauchen wir Talente aus aller Welt. Wir stehen im internationalen Wettbewerb. Wir wollen attraktiv sein für die besten Köpfe. Wir wollen attraktiv sein für alle Menschen, die etwas leisten wollen. Darum haben wir seit Anfang dieses Monats das Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Es bildet eine gute Grundlange, um qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben.

Die berufliche Anerkennung ist dabei entscheidend. Sie ist der Schlüssel, um internationale Fachkräfte erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Denn: Wer sich in Deutschland einen Handwerker ins Haus holt, der will sich darauf verlassen, dass er Qualitätsarbeit bekommt. Genau das stellen wir mit der Berufsanerkennung sicher: dass die internationalen Fachkräfte, die zu uns kommen, Qualifikationen mitbringen, die unseren hohen Standards entsprechen.

Aber das Anerkennungsgesetz nutzt auch den Menschen, die zu uns kommen. Nicht nur ihre Abschlüsse und ihre Berufserfahrung werden anerkannt, sondern ihre individuelle Lebensleistung. Sie erhalten die Chance, eine glänzende Karriere zu machen. Sie erhalten die Chance, einen sicheren Arbeitsplatz auf gutem Lohnniveau zu finden. Wenn ihr Abschluss voll anerkannt ist, erhöht sich ihr Gehalt um durchschnittlich 860 Euro pro Monat.

Der Anerkennungsbericht 2019 zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg. Die Berufsanerkennung ist längst das Qualitätsinstrument für Fachkräfteeinwanderung und für mehr Durchlässigkeit am Arbeitsmarkt.

Seit 2012 wurden bereits rund 280.000 Anträge für bundes- und landesrechtliche Berufe sowie für Zeugnisbewertungen zu akademischen Berufen eingereicht. Ganz vorne stehen dabei die Berufe in der Gesundheits- und Krankenpflege. Hier sehen wir besonders große Zuwächse:
11.500 Anträge – das sind ein Drittel mehr Anträge als in 2017. Es melden sich auch Techniker, Ingenieure und IT-Spezialisten. Das sind Menschen, die wir in Deutschland dringend brauchen.

Kontinuierlich haben wir die Rahmenbedingungen für das komplexe System der Anerkennung verbessert. Das Monitoring hat immer wieder bestätigt: Wesentlich ist eine gute Beratung. Wir haben die Informations- und Beratungsangebote weiter ausgebaut. Im Februar habe ich die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung in Bonn eröffnet. Damit haben interessierte Fachkräfte im Ausland einen überregionalen Ansprechpartner. Wichtig ist, dass die Stellen, die für die Anerkennungsverfahren zuständig sind, mit der Zentralen Servicestelle gut zusammenarbeiten.

Denn gemeinsam mit den Ländern und Kommunen verfolgen wir ein Ziel: Wir wollen, dass die Anerkennungsverfahren

  • noch leichter,
  • noch schneller,
  • transparenter
  • und einheitlicher werden.

Klar ist aber auch: gelingen wird es nur, wenn es genug Personal für die Verfahren gibt.  Wir wissen, dass in einigen Ländern die Stellen schon jetzt am Limit sind. Darum appelliere ich noch einmal ausdrücklich an die Länder und die Kammern: Sorgen Sie für ausreichend Personal in den Anerkennungsstellen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Die berufliche Anerkennung ist das eine. Die gesellschaftliche Anerkennung ist das andere. Integration ist viel mehr als berufliche Anerkennung. Sie ist Aufgabe nicht nur des Staates, sondern der ganzen Gesellschaft.

Es ist mir wichtig, das in diesen bewegten Zeiten und nach dem Terror von Halle und Hanau noch einmal deutlich zu sagen. Der Integrationsgipfel in der vergangenen Woche hat gezeigt: Es gibt kein „Ihr“ und „Wir“. Wir sind eine Gesellschaft. Im Betrieb zählt, was ein Mensch kann – wie er sich in eine betriebliche Gemeinschaft einbringt.

So schafft diese Bundesregierung die Bedingungen, damit Deutschland auch in Zukunft ein modernes Innovationsland bleibt. Es ist wichtig, viele Menschen für unser Land zu begeistern. Das Anerkennungsgesetz leistet dazu einen wichtigen Beitrag.