Wissbegierig durch die Nacht

Fortschritt und Wandel fordern uns alle. Daher sei es wichtig, Menschen für Wissenschaft zu begeistern, sagt Anja Karliczek. Die Lange Nacht der Wissenschaften leistet dazu einen wertvollen Beitrag. Wir haben Forschende gefragt, warum sie mitmachen.

Eine Nacht für die Wissenschaft! Am 15. Juni von 17 bis 24 Uhr findet in Berlin und Potsdam die Lange Nacht der Wissenschaften statt. 60 wissenschaftliche Einrichtungen öffnen ihre Türen für Besucherinnen und Besucher. Diese können bei über 2000 Veranstaltungen Wissenschaft und Forschung hautnah erleben.

Wir haben uns bei einigen Forschenden umgehört, warum ihnen die Lange Nacht der Wissenschaften wichtig ist. Hier sind die Antworten:

Ute Frevert ist Direktorin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. © Arne Sattler

Ute Frevert, Direktorin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Als Historikerin ist es mir wichtig, meine Forschungen nicht nur unter Kollegen und Kolleginnen zu verbreiten, sondern auch mit einer breiteren interessierten Öffentlichkeit zu teilen. Aus der Geschichte lässt sich viel über unsere Gegenwart erfahren, Trennendes ebenso wie Verbindendes. Solche Erfahrungen bieten gerade heute, in einer Zeit der ökonomischen, sozialen und politischen Umbrüche, Orientierung und Anker gleichermaßen.

Johannes Vogel leitet das Museums für Naturkunde Berlin als Generaldirektor.
Johannes Vogel leitet das Museums für Naturkunde Berlin als Generaldirektor. © Peter Hirmsel

Johannes Vogel, Generaldirektor des Museums für Naturkunde

Wir sind ein Forschungsmuseum der Leibniz Gemeinschaft, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler täglich mit unseren Sammlungen als Forschungsinfrastruktur arbeiten und tolle Wissenschaft machen. Ich glaube, dass viele Menschen Vertrauen in die Wissenschaft haben, aber vielleicht gar nicht wissen, was Wissenschaft ist und wie sie funktioniert. Es liegt an der Wissenschaft, nach draußen zu gehen, und den Prozess der Wissenschaft als solchen und die Faszination der Wissenschaft noch viel besser und mit viel mehr Energie zu erklären. Wir müssen uns öffnen und die Bürgerinnen und Bürger auffordern, mitzumachen, zum Beispiel bei den vielen Citizen Science-Projekten. Wissenschaft steht in der Mitte der Gesellschaft, alle Menschen können mitmachen und nur gemeinsam können wir die Welt verändern, durch gesellschaftliche und wissenschaftliche Innovation. In der Langen Nacht der Wissenschaften zeigen wir, wie offen, anschaulich und relevant die Wissenschaft in Deutschland ist. Wir freuen uns aber auch von unseren vielen Besuchern zu erfahren, was wir besser machen können.

Sabine Kunst ist die Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). © Matthias Heyde

Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin

Die Lange Nacht der Wissenschaften ist noch immer, seit fast 20 Jahren, ein herausragendes Format für einen Abend, an dem sich Bürgerinnen und Bürger mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf Augenhöhe begegnen. Von guter Wissenschaftskommunikation profitieren alle: Die Wissenschaft vermittelt auf Fakten basiertes Wissen und die Öffentlichkeit bekommt wertvolles Wissen für gesellschaftliche und politische Entscheidungen. Beides ist nötig, um neues Wissen zu ermöglichen. Dieser Dialog sollte allerdings breiter angelegt sein als nur zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. So fußen wir auf einem seit Jahrhunderten fruchtbringenden Austausch von Wissenschaft und Kunst. Auf diesem Gebiet wollen wir in Zukunft wieder mehr unternehmen. Gerade die Tradition der Humboldt-Universität zu Berlin – mit ihren beiden Gründungsvätern Alexander und Wilhelm von Humboldt – steht dafür.

Christian Thomsen ist Präsident der TU Berlin.
Christian Thomsen ist Präsident der TU Berlin. © David Ausserhofer

Christian Thomsen, Präsident der TU Berlin

Die TU Berlin beteiligt sich mit 240 Projekten an der Langen Nacht der Wissenschaften. Unsere Forscherinnen und Forscher zeigen ihre Ergebnisse im Labor, kommen mit Bürgern ins Gespräch und werben für unsere Studiengänge. Das Interesse daran ist seit 19 Jahren ungebrochen sehr groß. In diesem Jahr zeigen wir mehr als 40 Projekt zur Klimakrise und veranstalten den ersten Nachhaltigkeitsmarkt. Auch unser großer Science Slam steht unter dem Motto des Klimawandels. Bisher kamen 1200 Zuhörerinnen und Zuhörer, damit ist er einer der größten Slams in Deutschland. Das ist unsere Art der Wissenschaftskommunikation – direkt, aktuell und spannend.

Antje Boetius
Antje Boetius © AWI

Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Wissenschaftskommunikation ist uns Meeres- und Polarforschern ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Da wir in Regionen der Erde unterwegs sind, in denen kaum jemand sein kann, wollen wir davon erzählen was wir sehen in Arktis, Antarktis und an der Küste. Für uns ist Wissenschaftskommunikation ein Weg, unser Wissen schnell und direkt mit Bürgern zu teilen, auf die vielen Fragen der Gesellschaft zu antworten, wie zum Beispiel wie es der Erde geht, was aus ihr wird, wie wir Menschen der Natur und der Vielfalt des Lebens gerecht werden. Wissenschaftskommunikation ist aber auch mehr als Information teilen, sie soll neugierig auf mehr machen, Wissenschaft greifbar machen, sie soll helfen Menschen aller Altersstufen für die Erkenntnisse und Funktion der Forschung zu begeistern, ihnen Wege öffnen selbst zum Forscher zu werden. So bieten wir bei der  Langen Nacht der Wissenschaft an, uns beim Aufbruch zur größten Nordpolexpedition aller Zeiten zu begleiten, oder mit uns über Klimawandel zu debattieren.

Ottmar Edenhofer ist einer der Direktoren des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Ottmar Edenhofer ist einer der Direktoren des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung © PIK

Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Wissenschaft schafft Wissen für die Menschen, deshalb gehört zur Forschung auch die Kommunikation über die gewonnenen Erkenntnisse mit der Öffentlichkeit. Über die Forschung des PIK zum Klimawandel zu informieren, Risiken und Lösungsoptionen zu diskutieren und mit Menschen über Forschungsthemen ins Gespräch zu kommen – Formate wie die Lange Nacht der Wissenschaften bieten dazu immer wieder beste Gelegenheit.

Hintergrund

Die Lange Nacht der Wissenschaften in Berlin und Potsdam ist ein Gemeinschaftsprojekt der wissenschaftlichen Einrichtungen der Region. Veranstalter ist der Lange Nacht der Wissenschaften e. V., in dem sich wissenschaftliche und wissenschaftsnahe Einrichtungen zusammengeschlossen haben.